Viele Jahre sind bereits vergangen, seit ihrem letzten Besuch im Wunderland. Mittlerweile ist die 19jähirge Alice (Mia Wasikowska) zu einer jungen Frau herangewachsen, die kurz davor steht verheiratet zu werden. Als ihr vermeindlicher Gatte ihr allerdings auf einer extra arrangierten Verlobungsfeier den Antrag machen möchte, will sie nur aus dieser schmerzlich, peinlichen Szenerie entfliehen und fällt sprichwörtlich in ein tiefes Loch. In einem langen Sturz landet die gute Alice mitten im Wunderland, dass allerdings aufgrund eines Übersetzungsfehlers eher Unterland genannt wird. Die Welt hier unten ist so bizarr, dass Alice sich ziemlich sicher ist zu träumen und auch die sonderbaren Bewohner haben ihren Zweifel an der Neuankömmling. Ist sie doch die angebliche Auserwählte, um die grausame Herzkönigin (Helene Bonham Carter) zu stürzen und die Weiße Königin (Anne Hathaway) zurück auf ihren Thron zu führen. Nur der verrückte, inzwischen etwas depressive Hutmacher (Johnny Depp), scheint von Alice Fähigkeiten überzeugt zu sein. Ebenso wie die Herzkönigin, die um ihre Macht fürchtet und so gleich ihre Häscher nach Alice ausschickt. Um ihr ihren Kopf zu bringen...
Die Verfilmung eines der größten Klassiker der Kinderbuchliteratur ist alleine schon dadurch eine Herausforderung, dass es der einstige Autor Lewis Carroll darauf angelegt hat, eine Welt zu erschaffen, wo sämtliche Naturgesetze außer Acht gelassen wurden und bizarre, wie auch völlig verrückte Wesen die Oberhand besitzen, wo man gar nicht wissen kann, was als nächstes Geschehen mag.
So bietet "Alice im Wunderland" einen Stoff, wie geschaffen für Regisseur Tim Burton, der es wohl wie kaum ein anderer versteht, skurrilste Figuren und Szenen zu schaffen, die stets eine wundersame Faszination umgeben. Damit offenbart sich leider auch ein fundermentaler Kritikpunkt an dieser Kinderbuchadaption. Die Interpretation Disneys, die wohl jeder mal gesehen hat, ist von diesem Burtschen Hang zur faszinierenden Finsternis so ziemlich befreit. Dies scheint mir auch Burton stellenweise erkannt zu haben, denn anders ist es nicht zu erklären, dass ich während es Films den Eindruck hatte, dass er nicht so recht wusste, wie viel Grusel so einem Film wirklich gut tut. Dies merkt man vornehmlich an der Zeichnung der Figuren. Sie wirken witzig, sind es oftmals aber nicht. Sicherlich, die filmische Situation lässt wenig Humor zu. Immerhin leidet das Unterland unter einer totalitären Königin. Aber trotzdem etwas mehr Charme und Sinn für die Komik hätte ich gut gefunden.
Auch schafft es Burton nicht, seinen Figuren ausreichend Zeit zur Entfaltung zu geben, auch die Konflikte werden stellenweise nur unbefriedigend gezeichnet. Manches wird einfach nur angerissen und wirkt etwas unausgewogen. Vor allem erwartet man bei so einem Fantasyfilm viele fantasievolle Wesen, wie der Märzhase oder die Flamingos. Ihnen bleiben stellenweise nur Randmomente.
Nichtsdestotrotz, liefert Tim Burton eine kunterbunte Welt voller Absonderlichkeiten ab, an die man sich als Zuschauer nicht genug sattsehen kann. Die mit einem grandiosen herrischen Temperament ausgestattete Herzkönigin, wird kongenial von Helene Boham Carter verkörpert. Auch Anne Hathaway als der königliche Gegenpart mit ihren hochherrschaftlichen Auftreten als gönnerhafte Regentin ist ein wahrer Genuss. Andere Figuren, wie Dideldum und Dideldei oder die Grinsekatze sind computeranimiert. Perfekt zwar, doch bleiben ihnen nur kurzer animierte Randmomente. Johnny Depp hingegen als verrückter Hutmacher ist sicherlich neben der Herzkönigin, ein Highlight des Films sein grandioses Kostüm und trotz vieler Schichten Schminke, tolles Mimenspiel retten den Film über die eine oder andere Szene hinweg. Mia Wasikowska entpuppt sich als talentierte Schauspielerin, die stellenweise ihren Status als Newcomerin sehr gut untermauert.
Fazit:
Tim Burtons Interpretation von "Alice im Wunderland" ist unterm Strich das erhoffte, kunterbunte Spektakel, trotzdem hat der Film zwei elementare Schwachpunkte:
1. Durch die Verknüpfung der Romane "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln", wirkt die gesamte Geschichte sehr gerafft, einigen Figuren bleiben nur Randmomente oder wirken unausgewogen.
2. Tim Burtons Hang ins Horrorgenre macht auch vor einer Kindergeschichte nicht wirklich Halt. Bei manchen Szenen weiß man einfach nicht, ob man lachen oder sich gruseln soll. Auch werden Konfliktsituationen im Film mal überraschend blutig und brutal und dann wieder sanft genug für den kleinen Zuschauer gelöst. An dieser Unausgewogenheit krankt leider dann irgendwie der ganze Film. Auch das Finale, der Kampf gegen den Jabberwocky empfand ich für eine Kinderbuch-Adaption ungewöhnlich finster und erinnerte mich dann auch an manch anderen Film.
Daher reicht es in der Filmbewertung schlussendlich nur zu 4 Sternen, denn "Alice im Wunderland" hat wirklich einen hohen Schauwert, man sollte seine Erwartungen an den Film allerdings nicht ins Unermessliche schrauben, denn dafür hätte Burton das Potential dieses Wunderlandes noch mehr fördern müssen.
Was die Qualität der Blu-Ray betrifft, ist diese technisch auf der Höhe der Zeit und in meinen Augen eine absolute Referenzscheibe. Bild und Ton sind absolut Top (siehe auch Produktbeschreibung). Die Menüs sind nett animiert und das Bonusmaterial ist ebenfalls in Ordnung. Wobei es hier leichte Abweichungen zur US-Ausgabe gibt. Aber da ich in erster Linie die Bild- und Tonqualität des Films auf der Blu-Ray bewerte, verdient sich diese volle 5 Sterne.