--- Inhalt ---
Tim Burtons ALICE IM WUNDERLAND ist eine Adaption des Kinderbuch-Klassikers von Lewis Carroll und handelt von der Angst erwachsen zu werden, auf eigenen Beinen zu stehen und eigene Verantwortung zu übernehmen.
Das Wunderland, ein mystischer Ort, der jeder Vorstellungskraft strotzt, steht stellvertretend für die unerschöpflichen Möglichkeiten, die sich jungen Erwachsenen eröffnen. Für die neunzehnjährige Alice (ideal besetzt durch Mila Wasilowska), gerade vor einer wichtigen Entscheidung stehend, wird es zum Zufluchtsort als ein weißes Kaninchen sie ins Wunderland lockt. Erst dort kann sie eingehend darüber nachdenken, ob sie der von ihrer Mutter arrangierten Hochzeit zustimmen soll. Merkwürdige Gestalten wie der verrückte Hutmacher (irre witzig: Johnny Depp) sowie die rote und weiße Königin (was für eine Präsenz: Helena Bonham Carter und Anne Hathaway) helfen ihr dabei, die letzten inneren Dämonen zu bekämpfen.
--- Kritik ---
Ein Blick auf das deutsche DVD-Cover sagt schon mehr als tausend Worte: ALICE IM WUNDERLAND wurde von der FSK für Zuschauer ab zwölf Jahren eingestuft. Eine solch hohe Altersvergabe ist hinsichtlich einer Disney-Produktion, die dazu noch den gleichnamigen Zeichentrickfilm adaptiert, recht ungewöhnlich. Wenn man die Disc dann in den Player legt, wird schnell klar, warum: Der Film ist mitnichten auf Kinder zugeschnitten wie man vielleicht annehmen mag. Die düstere Atmosphäre, abnormen Charaktere und schrägen Dialoge machen deutlich klar, welch unberechenbarer Strudel mit der eigenen Identitätsfindung zusammenhängt - keine leichtverdauliche Kost!
Die unterstützenden Spezialeffekte und Animationen greifen nebenbei noch nach den Sternen. Das Wunderland bildet das reinste Fantasiegebilde, in dem nichts, aber auch wirklich nichts echt ist. Der Film wurde komplett vor einer Greenwall gedreht. Die Magie, die das Märchen auf visuellem Wege verströmt, stammt einzig und allein aus der Post-Production am Computer - gewöhnungsbedürftig, aber im Endresultat stimmig. ALICE IM WUNDERLAND läutet zusammen mit ähnlich synthetischen Filmen wie AVATAR ein neues Filmzeitalter ein, in dem Live-Action-Schauspiel und Computeranimation eine überzeugende Symbiose eingehen. Somit kann das Wort "unmöglich" für immer aus dem Vokabular der Filmemacher gestrichen werden.
--- Zur Präsentation auf DVD ---
Diese DVD ist mit dem patentierten "Disney Fast Play"-Verfahren ausgestattet. Dabei werden der Hauptfilm sowie die Bonusmaterialien nahtlos hintereinander wiedergegeben. Der Blick ins Menü erübrigt sich dadurch eigentlich, es kann jedoch jederzeit durch den entsprechenden Knopf auf der Fernbedienung/dem Abspielgerät eingesehen werden.
Qualitativ wird ALICE IM WUNDERLAND, wie es sich für Disney-Verhältnisse gehört, ins rechte Licht gesetzt. Das Bild ist klar, neigt nie zum Rauschen und erreicht durchs Upscaling eines Blu-ray-Players beinahe HD-Niveau (das ist mit einer handelsüblichen DVD natürlich nicht möglich; diese Aussage soll allerdings ausdrücken, dass die SD-Bildqualität Referenzcharakter aufweist).
Dasselbe könnte man beim Ton meinen. Alle vier Tonspuren (Deutsch, Englisch, Französisch und Türkisch) wurden in Dolby Digital 5.1 angelegt, der Ober-Liga für DVD-Veröffentlichungen. Die getestete Originaltonspur in Englisch kann mit Druck und klar verständlichen Dialogen punkten. Untertitel sind außerdem in Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch sowie Arabisch verfügbar.
Leider rutscht die DVD in Punkto Extras aufs Niveau der Durchschnittskost hinab. Drei kurze Featurettes mit insgesamt zwanzig Minuten Spiellänge: Bei solch einem opulenten Film kann man sich wahrlich mehr vorstellen, zumal Tiefergehendes wie z.B. Vergleiche zu Buch und Zeichentrickfilm fehlen. Die Clips liefern lediglich die triftigen Beweise zum Thema Spezialeffekte und deren Gehalt im Film. Mein lieber Scholli, das übersteigt ja alles!
Zu guter Letzt ist bedauerlicherweise noch zu sagen, dass die DVD ohne Wendecover ausgestattet wurde.
--- Einzel- und Gesamtwertung ---
Film: neun von zehn
Bild: zehn von zehn
Ton: zehn von zehn
Extras: vier von zehn
Gesamt: rund acht von zehn Punkte = vier Sterne
--- Fazit ---
Düster und schräg: Mithilfe einer grandiosen Besetzung wusste Regisseur Tim Burton der Märchenvorlage von Lewis Carroll Leben einzuhauchen, obwohl seine Verfilmung von ALICE IM WUNDERLAND alles andere als echt wirkt. Die fetten Spezialeffekte lenken nämlich nicht ab, sondern verleihen dem Thema um die Angst eigene Entscheidungen zu treffen nur noch zusätzliche Substanz.
Die Veröffentlichung auf DVD glänzt fast in allen Punkten außer den Bonusmaterialien, die ALICE IM WUNDERLAND den fünften Stern in der Gesamtwertung verweigern. So sind es dann doch nur vier geworden.