Sie kann ja schreiben. Ein genauer Blick auf das, worauf es ankommt: ein verlassener, weißer Kiesstrand, ein blauer Bikini, eiskaltes Wasser. Doch, das kann sie: schauen. Und aufschreiben. Judith Hermann hat ihr drittes Buch fertig, zehn Jahre nach "Sommerhaus, später", sechs Jahre nach "Nichts als Gespenster", wieder nicht der von ihr erwartete Generationenroman, wieder nur Erzählungen, fünf an der Zahl. Aber: In jeder die gleiche Protagonistin, Alice, Mittdreißigerin, Berlinerin, einsam und traurig. Und in jeder das gleiche Thema: Tod, Trauer, Abschiednehmen. Man kann den Inhalt so beschreiben, flapsig: Um Alice herum sterben die Männer wie die Fliegen. Der Geliebte, der Freund, der Mann. Krebs, Fieber, Suizid. Nur Malte ist die Ausnahme, der ist Alice' Onkel und bringt sich um, einen Monat vor Alice' Geburt. Im Ergebnis ist "Malte" damit die stillste Geschichte in diesem Buch, das sich ohnehin an der Grenze zum Verstummen bewegt. Man darf Hermann nichts vorwerfen, sie kann ja, was sie macht: schauen. Und aufschreiben. Schweigen, sich durch Berlin schleppen, die Wohnung zu groß, das Auto zu teuer, jetzt wo der Partner fort ist. Das passiert ja wirklich, das stimmt ja alles. Jetzt aufschreiben. (fis)
Kurzbeschreibung
Wenn jemand geht, der dir nahe ist, ändert sich dein ganzes Leben, es ändert sich, ob du willst oder nicht. Alles wird anders. Alice ist die Heldin dieser fünf Geschichten, alle erzählen von ihr - und davon, wie das Leben ist und das Lieben, wenn Menschen nicht mehr da sind. Judith Hermann erzählt mit fester und berührender Stimme, wie Lebenswege sich kreuzen, die Richtung ändern und unwiederbringlich auseinandergeführt werden. Vollständige Lesung
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
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