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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Geschichten, die kein einziges wirkliches Gefühl hervorrufen - wann kommt endlich ihr großer Roman ?, 27. Dezember 2009
"Alice" ist der dritte Band von Erzählungen, den die schon nach ihrem ersten Buch bejubelte Schriftstellerin Judith Hermann innerhalb eines Jahrzehnts veröffentlicht. Es ist das erste Buch von ihr, das ich gelesen habe, und ich will deshalb zu den vielfachen und umfangreichen Vergleichen, denen das Feuilleton in den vergangenen Wochen und Monaten die drei Bücher unterzogen hat, nichts hinzufügen.
Mein Leseeindruck war widersprüchlich. Es geht um das Sterben und den Tod, und wenn eine Schriftstellerin dieses verdrängte Thema aufgreift, dann spitze ich schon einmal erwartungsvoll die Ohren. Judith Hermanns Protagonistin Alice begegnet in sämtlichen fünf Erzählungen dieses Buches dem Tod. Ihr nahe Männer sterben und immer ist Alice dabei, hält eine Hand, wacht des Nachts oder steht den Angehörigen bei. Man fragt sich, wieso es eigentlich nur Männer sind, die da sterben? Welches (Lebens)thema wird da berührt und durch den Romantod zu einem vermeintlichen Ende gebracht ?
Zunächst ist da Micha, ein Ex-Liebhaber von Alice, die im übrigen relativ geschlechtslos durch die Geschichten und ihr Leben wandert, der in Zweibrücken (Sinnbild der Provinz) in einer Krebsklinik im Sterben liegt. Alice steht der Frau Michas und deren Kind zur Seite. Dann fährt sie zu einem befreundeten älteren Paar an den Gardasee, wo der Gastgeber nur kurz nach Alices Ankunft plötzlich stirbt. Schon hier drängt sich die Vermutung auf, Alice sei eine Art Todesengel. Als der Mann einer Freundin in Berlin an Krebs stirbt, leistet Alice nach besten Kräften ihren Beistand. Auf ihr eigenes Drängen hin trifft sie sich in der nächsten Geschichte mit einem einstigen Partner ihres schwulen Onkels, der sich mit Schlaftabletten umbrachte, als Alice noch gar nicht auf der Welt war.
Und in der letzten Geschichte stirbt ihr Lebensgefährte, der in einer anderen Geschichte des Buches schon einmal erwähnt wurde. Und sie entsorgt seine Kleider und sortiert ihre Erinnerungen.
Sonst wird von dieser schemenhaften Frau nichts deutlich. Dort, wo sie hinkommt, herrscht der Tod, dem sie nicht ausweicht, mit dem sie sich aber auch nie wirklich auseinandersetzt. Da ist keine Trauer spürbar, keine Wut, kein Aufbegehren gegen ein unerbittliches Schicksal. Nein, da wird anekdotenhaft ein Tod an den anderen gereiht und am Ende fragt man sich, aus was das Leben dieser nun um fünf Männer ärmeren Frau besteht, Männer, die sie aber nicht zu vermissen scheint.
Und so plätschern die in teilweise sehr knappen Sätzen verfassten Geschichten an einem vorbei und hinterlassen einen schalen, einsamen, seltsam melancholischen Eindruck, ohne jedoch in der Lage zu sein, ein einziges wirkliches Gefühl hervorzurufen.
Ob Judith Hermann beim Schreiben Gefühle hatte? Man wünscht sich, nach nunmehr drei Erzählungsbänden einmal einen Roman, in dem die mittlerweile Vierzigjährige ein Thema aufgreift, das einen wirklich angeht.
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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Judith Hermann - Alice, 28. Juni 2009
In Judith Hermanns drittem Buch "Alice", einem Erzählungsband, muss die gleichnamige Hauptprotagonistin in kürzester Zeit den Tod von insgesamt fünf ihr wichtiger Männer verkraften.
In jeder der fünf Geschichten muss sie mit dem Verlust umgehen, der der manchmal unerwartete manchmal herbeigesehnte Tod mit sich bringt.
Zunächst denkt man, dass die ersten vier Erzählungen nicht zusammenhängend sind. Doch durch die letzte Geschichte fließen alle fünf ineinander und man erkennt deutlich den chronologischen Zusammenhang.
Alice ist eine eher blasse und unnahbare Gestalt, wirkt aber trotzdem menschlich.
Nach den ersten Seiten wird man sofort von Judith Hermanns unbeschreiblich authentischen Schreibstil gefangen genommen und will gar nicht mehr aufhören zu lesen. Hermann schreibt unglaublich detailverliebt und ausgeschmückt, sodass das Lesen von Alltäglichem schon ein Vergnügen ist.
Judith Hermanns Erzählungsband "Alice" hat solch eine Tiefe und Intensität, dass man ganz in dieser Welt gefangen ist und es einem nach dem Lesen vorkommt, als wenn man lange Zeit unter Wasser gewesen ist. So muss man nämlich nach Beendigung dieser intensiven und atemberaubenden Lektüre erst einmal kräftig Luft holen und alles sacken lassen.
Schon lange habe ich kein so sowohl prägendes und liebevolles als auch distanziertes Buch mehr gelesen!
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21 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
ein sehr schönes Buch, voller trauriger Geschichten - und voller Trost, 1. Mai 2009
Es wird Sommer. Eigentlich keine Zeit, ein Buch zu empfehlen, in dem es ums Sterben, um den Tod geht. Aber der hält sich schließlich auch nicht an die Jahreszeiten. Es geht um das Sterben in Zweibrücken, am Gardasee und natürlich in Berlin. Die Titel der fünf lose miteinander verflochtenen Erzählungen sind zugleich die Namen der Toten, allesamt Männer - sieht man von Alices Großmutter ab, deren Tod in Geschichte IV auch eine Rolle spielt. Alice, die titelgebende Protagonistin des Buches, ist eine 40-45 Jahre alte Frau, die in Berlin lebt und in irgendeiner Weise mit den Sterbenden bzw. den Toten verbunden ist. Es geht also auch um das Leben, denn wir erfahren andeutungsweise, was der Tod mit Alice macht, wie ihr Leben sich verändert. Judith Hermann erzählt auf ihre gewohnt lakonische Art. Ein Erzählton, der trotzdem reich genannt werden darf, weil er voller fein beobachteter Details ist und Deutungsräume eröffnet, die sich jede/r Lesende selbst erschließen mag. Die Erzählungen sind getragen von einem dezent melancholischen Ton, der nie aufgesetzt wirkt. Man wird das Buch gewiss nicht nur einmal zur Hand nehmen, denn die Erzählungen sind voller Anspielungen, Vor- und Rückbezüge. - Möge übrigens Judith Hermann ein langes Leben beschieden sein, damit sie uns noch oft mit Ihren Erzählungen beschenken kann. Denn ein Geschenk an die Leser/innen ist auch dieses Buch wieder.
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