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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Nichts als Gespenster,
Rezension bezieht sich auf: Alice (Gebundene Ausgabe)
Judith Hermann ist mittlerweile 39 Jahre alt, Mutter außerdem, und wer Kinder kriegt, läßt auch den Tod in sein Leben. Die Tatsache, dass man sterblich ist, läßt sich nicht mehr wegdrücken, wenn man älter wird, wenn man Kinder hat, und es ist gut, dass eine Schriftstellerin sich mit dem Thema auseinandersetzen will.Schade ist, dass es nicht so recht gelingt. Die vorliegenden fünf Geschichten, die sich locker in einem Tag weglesen lassen, bleiben hängen in Beobachtungen der Oberfläche. Was dahinter liegt, ist allenfalls zu ahnen; das Unerhörte, das geschieht, wenn jemand stirbt, den man kennt, bleibt unbeschreiblich im Wortsinn. Schön geschrieben ist das alles durchaus, ruhig und gesammelt. Aber die Texte öffnen keine neuen Blickrichtungen, Alice verändert sich nicht durch ihre Begegnungen mit dem Tod, sie geht durch all das hindurch, ohne davon wirklich berührt zu werden. Es gelingt Judith Hermman nicht, ihren Figuren Leben einzuhauchen - letzlich sind sie nichts als Gespenster. Für den Umfang des Bandes ist der Preis viel zu hoch, die Aufmachung allerdings sehr hübsch. Trotzdem würde ich raten, auf die Taschenbuchausgabe zu warten oder, besser noch, "Sommerhaus, später" wieder einmal zu lesen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
28 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Braucht kein Mensch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Alice (Gebundene Ausgabe)
Wie habe ich mich gefreut, als ich in meiner Buchhandlung endlich das neueste Werk einer meiner Lieblingsautorinnen erblickte. Vier oder fünf Jahre hat sie einen auf ein neues Werk warten lassen. Leider wieder kein Roman. Etwas dünn, große Lettern, teuer - aber egal.Die erste Geschichte fand ich noch ganz passabel. Kein großer Wurf, sprachlich etwas konstruiert literarisch, aber ok. Ein-Wort-Sätze, keine Anführungszeichen und Fragezeichen bei wörtlicher Rede, etc. Wer es mag... Bei der zweiten Geschichte fängt es dann schon an, sehr durchschaubar zu werden. Da ist ein kranker Conrad, der plötzlich und unerwartet stirbt. Wer dieser Conrad ist und was die Protagonistin mit ihm zu tun hat, wird einem nicht verraten. Diese Geschichte hätte Potenzial zu mehr gehabt. Bricht aber leider ab. Die dritte Geschichte ist dann nur noch eine weitere Variation des bereits bekannten Schemas. Schon wieder ein alter Mann kurz vor dem Ende, Alice schon wieder am Abschied nehmen, schon wieder null Information über die Beziehung zur Protagonistin. Die vierte Geschichte habe ich dann nur noch angelesen. Allein der Name "Malte" hat mir schon Unwohlsein bereitet und ich fing an, beim Lesen zu schimpfen und mit den Augen zu rollen. Bitter enttäuscht habe ich das Buch vierzig Seiten vor dem Ende dann zur Seite gelegt und mir dabei noch mal das Autorenfoto im Klapper angeschaut. Müde Augen, Oma-Frisur - was ist nur mit der jungen, dynamischen Frau Hermann passiert? Fazit: Definitiv kein Buch für alte Judith Hermann-Fans. Eher ein Buch für alle, die bei den Büchern von Elisabeth Kübler-Ross das literarische Etwas vermissen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Mensch hinter den Geschichten,
Von
Rezension bezieht sich auf: Alice (Taschenbuch)
Um hinter das Geheimnis, den speziellen Klang von Judith Hermanns Geschichten zu kommen, sollte man sich einmal mit der Autorin selbst beschäftigen.Nachdem ich "Nichts als Gespenster" gelesen hatte, und nun nach vielen Jahren "Alice" las, dachte ich immer: Die Autorin steht dem ganzen Literaturbetrieb mit einem sehr gesunden Abstand gegenüber. Sie macht den Hype, diesen ganzen Zirkus, der um ihre Art zu schreiben veranstaltet wird, nicht mit, unterwirft sich keinen Regeln, sondern bleibt wie sie ist. Eine zurückhaltende, vielleicht sogar schüchterne Frau, die nur ihre Geschichten schreiben will, und der es letztendlich egal ist, was die Kritiker darüber denken mögen. Im vergangenen Jahr hatte ich das Glück, Judith Hermann bei einer Lesung zu erleben, und auch mit ihr zu sprechen. Sie ist genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Die Lesung wurde von einer Moderatorin begleitet, die versuchte, im Interview-Stil Geheimnisse aus Judith Hermann heraus zu kitzeln und Fragen stellte, die das Publikum eigentlich nur nervten. Das Frage/Antwort-Spiel geriet beinahe zur Farce, weil sich die Fragerin nicht von ihrem Konzept abbringen lassen wollte, obwohl es durchaus Sinn gemacht hätte, spontan auf dieses Konzept zu verzichten. Denn Judith Hermann kann auch erzählen, ohne eine Frage nach der anderen abarbeiten zu müssen. Sie berichtete von ihren Protagonisten, von der Art, wie und warum sie schreibt, und war genau so, wie ich glaubte, dass sie nach der Art ihrer Geschichten sein müsste: Sie schreibt, weil sie das Bedürfnis hat, zu schreiben. Sie sucht sich ihre Themen selbst, tritt lieber ein paar Schritte zurück, als sich vom Literaturbetrieb vereinnahmen zu lassen. Ihre Texte sind deshalb so still, so unter die Haut gehend, weil sie von Kleinigkeiten berichten, von Dingen, die im Alltag kaum noch wahrgenommen werden, weil sie keine großen Abenteuer sind, sondern in der Hektik und Ruhelosigkeit der heutigen Zeit beinahe untergehen. Judith Hermanns Texte entstehen nicht in Fließbandproduktion, und das macht sich in jeder Zeile bemerkbar. Und macht die Autorin, die ohne jegliche Starallüren auskommt, sympatisch. Judith Hermann ist ein ganz normaler Mensch, eine stille Person, der die hymnischen Kritiken aus ihren ersten beiden Werken, die in großem Abstand erschienen sind, beinahe peinlich sind. Was sagte sie mir noch? Ihre Personen, die sie in den Geschichten einfließen lässt, entwickeln ihr Eigenleben. Sie muss sie nur darin umhergehen lassen, ihnen Freiheit geben, das zu tun, was sie tun wollen. Genau dies macht den Zauber aller Geschichten von Judith Hermann aus. Keine übermäßige Aktion, kein herbeigeschriebener Wortwitz, keine Schenkelklopfer, sondern Protagonisten mit einer gewissen Nachdenklichkeit, manchmal auch Behäbigkeit, die in der heutigen Zeit irgendwie gemächlich gegen den Strom schwimmen, aber dennoch eine ungeheure innere Kraft besitzen. Wer den Mensch, den Schöpfer kennt, der hinter den Geschichten steckt, weiß, dass Judith Hermann kaum anders schreiben kann, kaum anders schreiben wird. Das nächste Buch wird wohl wieder Jahre auf sich warten lassen, und die Leser erneut in einen Zwiespalt bringen: Ist das nun höchste Literatur, oder einfach nur langweilig, weil so wenig geschieht? Judith Hermann zwingt, in der heutigen, so hektischen Zeit innezuhalten. Eine Kunst, auf die sich nicht jeder Leser einlassen will. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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