Judith Hermann ist mittlerweile 39 Jahre alt, Mutter außerdem, und wer Kinder kriegt, läßt auch den Tod in sein Leben. Die Tatsache, dass man sterblich ist, läßt sich nicht mehr wegdrücken, wenn man älter wird, wenn man Kinder hat, und es ist gut, dass eine Schriftstellerin sich mit dem Thema auseinandersetzen will.
Schade ist, dass es nicht so recht gelingt. Die vorliegenden fünf Geschichten, die sich locker in einem Tag weglesen lassen, bleiben hängen in Beobachtungen der Oberfläche. Was dahinter liegt, ist allenfalls zu ahnen; das Unerhörte, das geschieht, wenn jemand stirbt, den man kennt, bleibt unbeschreiblich im Wortsinn. Schön geschrieben ist das alles durchaus, ruhig und gesammelt. Aber die Texte öffnen keine neuen Blickrichtungen, Alice verändert sich nicht durch ihre Begegnungen mit dem Tod, sie geht durch all das hindurch, ohne davon wirklich berührt zu werden. Es gelingt Judith Hermman nicht, ihren Figuren Leben einzuhauchen - letzlich sind sie nichts als Gespenster.
Für den Umfang des Bandes ist der Preis viel zu hoch, die Aufmachung allerdings sehr hübsch. Trotzdem würde ich raten, auf die Taschenbuchausgabe zu warten oder, besser noch, "Sommerhaus, später" wieder einmal zu lesen.