Im Zuge des finalen Aufbäumens unzähliger Thrash Bands schlug dieses Debütalbum ein wie die Bombe, da war sich sogar die gesamte Musikpresse einig. Sorgte bereits das Demo "Phantasmagoria" im Undergrond für großes Aufsehen, war es bei Veröffentlichung von "Alice in Hell" nur mehr Frage des Feinschliffs, um den sabbernden Metal Fans einen künftigen Klassiker aufs Tablett zu servieren.
Großteils verantwortlich dafür ist der eröffnende Killertrack "Alison Hell" - eingeleitet von einem majestätischen Zupfintro im Flamenco Stil, stellen Saitenhexer Jeff Waters, Powerröhre Randy Rampage und Drummer Ray Hartmann ein musikalisches Feuerwerk zur Schau, dass man eigentlich nur noch als die absolute Krönung des Heavy Metals huldigen kann. "Regisseur" Waters degradierte hier schon im zarten Alter von 21 Jahren (!) sämtliiche Griffbrettwichser Sektionen mit seinem atemberaubenden Gitarrenspiel zu aussichtslosen Spastikern und übernahm noch nebenbei die Produktion von "Alice In Hell" im Alleingang.
Die einzigartige Kombination aus Jeff's verspielt-flinken Leads, den mächtigen Stakkato Riff Formationen und dem garstig-fiesen Gesangsstil Rampage's gibt diesen Power/Thrashmetal Geschossen gewissermaßen eine dämonische und gleichsam hinterfotzige Duftmarke. Mit Ausnahme des bereits erwähnten Einstiegsdoppels "Crystal Ann"/"Alison Hell", dass einerseits sehr tempivariiert und andererseits irgendwie doch eingängig ist, bewegt sich das Restmaterial - in diesem Sinne seien die nächsten Vorschlaghämmer wie "Welcome To Your Death", "Wicked Mystic", "Word Salat" oder "Human Insecticide" erwähnt - im oberen Drehzahlbereich, also Thrashkeulen, welche aber Dank Ihres wahnwitzigen Songwritings niemals Gefahr laufen, langweilig zu werden. In der darauffolgenden, ersten Europatour mit den Briten Onslaught sollen diese laut Augenzeugen Berichten zufolge Abend für Abend von Waters & Co. an die Wand gespielt worden sein, was nicht sonderlich verwundert, konnte ich mich Jahre später selbst von den unglaublichen Livequalitäten des Flitzefingers Waters (der mit komischen Grimassen seine Riffs unterhaltsam begleitet) mit Mannschaft überzeugen.
Ein kleines "Problem" was Annihilator auf Lebzeiten mit sich schleifen werden, ist, dass sie mit "Alice in Hell" die Messlatte enorm hoch gesetzt haben und letztlich mit keinem der vielen Nachfolgewerke aufzuschließen vermochten, was jedoch nicht heißen soll, dass man so tolle Outputs à la "Never, Neverland" ('90), "Set The World On Fire" ('93), "King Of the Kill" ('94) oder "Criteria For A Black Widow" ('99) ignorieren sollte.