Das selbstbetitelte Drittwerk von Alice In Chains wird meist als das schwächste Album der Grunge-Urväter bezeichnet, was sicher nicht zuletzt an seiner Schwerverdaulichkeit liegt.
Die teils überlangen Epen haben nur noch wenig mit den verzweifelten, harten Rockhits der Vorgängeralben zu tun, sondern schwelgen vielmehr fast schon Doom Metal-mäßig im Zeitlupentempo in tiefster, sanfter bis anklagender Melancholie.
Während der eingängige Opener "Grind" noch am ehesten mit den straighten Songs der "Dirt"-Phase verglichen werden kann, häufen sich mit Ausnahme der genialen, poppigen Single "Heaven Beside You" im weiteren Verlauf des Albums die zähflüssigen, bis zu 8-minütigen Lavasongs, die beim ersten Hören sicher befremden, aber von Durchlauf zu Durchlauf wachsen und langsam ihre Genialität offenbaren.
Es sind auch weniger die Songs an sich, die zu begeistern wissen, obwohl der groovige, dissonante "Nothin Song", das elegische "Frogs" oder das balladeske "Shame in You" -um nur ein paar der Songs hervorzuheben- durchaus auch für sich stehen können. Nein, was mich immer wieder an der Platte fasziniert, ist die Atmosphäre, die im Zusammenspiel der Songs im Verlauf des Albums entsteht.
Jeder Ton scheint am richtigen Platz zu sein, keine überflüssige Note wird gespielt, kein Song wirkt fehl am Platz, um es kurz zu sagen: Die Platte wirkt wie aus einem Guss, man kann sich- wenn man in entsprechender Stimmung ist- fallen lassen und die eigene Trauer über den Genuss des Albums überwinden lernen.
Während "Dirt" der Soundtrack zur Depression ist, empfinde ich "AIC" als die Brücke aus der Melancholie heraus.
Für mich eines der wichtigsten Alben der 90er.