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Vorab sei gesagt, dass auch die 4. Staffel der Erfolgsserie wiederum durch ungewöhnliche Sets, tolle Darstellerleistungen und außergewöhnliche Gastdarsteller begeistert. Einen Haken gibt es diesmal allerdings, nämlich das Skript. Ein ums andere Mal werden dem Zuschauer ad hoc Kehrtwendungen präsentiert, die – selbst mit einer gehörigen Portion Einbildungskraft – nur schwer zu schlucken sind. Während in den ersten Staffeln plötzliche Wendungen und Enthüllungen gewissenhaft durch Nebenplots in vorlaufenden Episoden langsam aber stetig und spannend entwickelt und miteinander verwoben wurden, wird der Zuschauer in Alias 4 so manches Mal schlagartig vor vollendete Tatsachen gestellt.
Mal abgesehen von der neuen, ziemlich nervigen Titelsequenz ( neu abgemischter Sound unterlegt mit seltsamen Stöhnen und alleinigen Bildern von Jennifer Garner), beginnt Staffel 4 mit der Doppelfolge A.P.O. (Authorized Personnel Only) sehr verheissungsvoll und der Auftakt hätte nicht besser sein können. Neben ein paar fragwürdig vorgeschobenen Gründen, erfährt der Zuschauer, wie das alte CIA Team um Sidney Bristow sich wieder zu einer neuen schwarzen Operationseinheit des CIA (Name: APO) zusammenfindet. Leider folgen von dort an ständig wechselnde, teilweise in einer Folge abgehandelte Missionen, die wenig im Zusammenhang miteinander stehen und selten Charakterentwicklung zulassen, was sehr schade ist. Mal jagt man einen russischen Waffenhändler, dann einen tschechischen Bioexperten und etliche Terrorgruppen. Das wirkt dann schon recht bruchstückhaft und ist umso bedauernswerter, wenn man so feine Darsteller zur Verfügung hat, sie aber wenig fordert.
Ich erinnere mich, dass in den Staffeln 1, 2 und 3 viel Zeit und Sorgfalt auf die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander verwendet wurde. Das war in Staffel 1 vielleicht zwingend, in Staffel 2 (und vielleicht auch noch Staffel 3) dagegen ein immenser Sympathiefaktor und ein riesiger Pluspunkt, eben weil das tolle Schauspielerensemble unterschiedliche Gefühlswelten sehr eindringlich und differenziert darzustellen vermochte. Ein Grund, warum man sich als Zuschauer diesen Figuren nach einigen Episoden einfach nicht mehr entziehen konnte. Die Spionagewelt als Rahmenhandlung gab ihren Rest dazu, Action und Spannung garantiert.
Staffel 4 taucht nicht mehr so tief in die Charaktere ein und begnügt sich mit standardmäßigem „Konfliktpotential“, das teilweise recht plump „abgehandelt“ wird. Während der Actionfaktor nach der Doppelfolge steil nach oben geht, fällt der Dramafaktor (leider) stetig. Ein eindeutiger Minuspunkt. Das Rambaldi-Thema, in Sachen Agententätigkeit das bestimmende Element in Staffel 1-3, gerät völlig in den Hintergrund, taucht gegen Ende von Staffel 4 plötzlich wieder auf und sorgt für einen „zweifelhaften“ und sehr befremdlichen Kracher am Ende der Staffel. Des weiteren trifft man gegen Mitte der Staffel auf einen Sloan-Doppelgänger. Ein tolle Idee, die leider in den folgenden Episoden sehr schwach entwickelt wird. Der Cliffhanger am Ende der letzten Folge ist diesmal Michael Vartan (Vaughn) vorbehalten und wird „traditionell“ wohl etliche Alias-Fans verstört zurücklassen.
Obwohl Staffel 4 in meinen Augen die bisher wohl schwächste aller Alias-Staffeln ist, bietet sie dennoch einige tolle Highlights. Da wäre zunächst besagte, anfängliche Doppelfolge (A.P.O.), die nicht nur toll inszeniert ist, sondern vor allem durch eine grandiose Jennifer Garner besticht. Wer sich außerdem schon mal gefragt hat, wie wohl ein Kampf zwischen unserem Hauptdarstellerpaar ausgehen würde, der kann sich das Ergebnis in Folge 6 (Nocturne) anschauen. Ein nicht ohne Augenzwinkern gedrehter Showdown zwischen Sidney und Vaughn. Die vorlaufenden Folge 5 (Welcome to Liberty Village) besticht ebenfalls durch das tolle Zusammenspiel zwischen Jennifer Garner und Michael Vartan. Absolut sehenswert! Auch Fans von Kevin Weisman, der den Computer und Technikexperten Marshall Flinkman spielt, kommen in der 4. Staffel auf ihre Kosten. In Folge 13 (Tuesday) ist er der Einzige, der unsere verschwollene Titelheldin in einem nervenaufreibenden Countdown lokalisieren und retten kann. Das Highlight der Staffel in schauspielerischer Hinsicht aber ist in meinen Augen Folge 19 (In Dreams). Wer bei dieser Folge und speziell bei der Schlüsselszene zwischen Jennifer Garner und Viktor Garber (Jack Bristow) keine Träne verdrückt, muss aus Stein sein. Ein, zugegeben, kurzes aber umso eindrucksvolleres Glanzstück in Sachen Charakterdarstellung.
Abgerundet wird die Box durch ein gute Bonuspaket. Die Originaltonspur in Englisch ist standardgemäss in DD 5.1, ebenso die tollen Audiokommentare zu 4 Episoden. Darüber hinaus gibt es ein sehenswertes und witziges Interview mit Jennifer Garner, ein Extra Feature über Sidneys „kleine“ Schwester Nadia (Mia Maestro), ein Tagebuchauszug des Regisseurs, und (wieder einmal :o)) Marshall’s World, ein grossartiges Blooper Reel (verpatzte Szenen), ein Blick hinter die Kulissen (Anatomy of a scene), herausgeschnittene Szenen und zwei Extra Features (The guest stars of season 4, Agent Weis’s spy camera) oben drauf.
Fazit: Definitiv ein Muss für Fans. Aufgrund unbeständiger Drehbücher und Sprunghaftigkeit in den Handlungen ist die 4. Alias Box zwar nicht so spannend wie die vorherigen Staffeln, aber im Hinblick auf ihre Schauspieler, tollen Action- und Spezialeffekte, und das Bonuspaket immer noch absolut sehenswert!
Alias 4 hinterlässt allerdings einen wesentlich stärkeren Eindruck, wenn man die einwöchige Fernsehpause zwischen den Folgen nicht in Kauf nehmen muss! Deswegen sei jedem Fan diese Box ans Herz gelegt!
Wer die ersten drei Staffeln mochte, wird auch hier nicht enttäuscht werden...
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