Lange angekündigt, endlich erschienen: Nach einer einjährigen Verschiebung erscheint nun auch endlich auf dem deutschen Markt die wohl beste Agentenserie des TV auf DVD.
Sydney Bristow (Jennifer Garner) arbeitet bei der CIA-Unterabteilung SD-6 unter der Leitung von Arvin Sloane (Ron Rifkin) als Geheimagentin. Von ihrem Doppelleben darf sie niemandem erzählen, auch nicht ihrem Verlobten Danny () oder ihrer Freundin Francie (Merrin Dungey), die allesamt glauben, Sydney arbeite bei einer Bank. Als sie dieses Geheimnis ihrem Angetrauten trotzdem verrät, lässt Sloane Danny eliminieren. Erst dann erfährt sie von ihrem Vater Jack (Victor Garber), ebenfalls Agent bei dieser Organisation, die Wahrheit: SD-6 gehört nicht zur CIA, sondern ist eine feindliche Spionageabteilung, die zu denen gehört, gegen die angeblich gekämpft wird. Schockiert über diese Mitteilung geht Sydney zur echten CIA und bietet ihnen an, als Doppelagentin gegen SD-6 zu arbeiten, um Sloane zur Strecke zu bringen. Fortan wird sie von der CIA auch eingesetzt und erhält von ihrem dortigen Kontaktmann Michael Vaughn (Michael Vartan) laufend Gegenaufträge. Doch schon bald muss Syd feststellen, dass ihr Vater auch als Doppelagent bei der CIA tätig ist. Kann sie ihm wirklich trauen? Und als ihr langjähriger Kumpel Will (Bradley Cooper) auch noch erforscht, was hinter Dannys Tod steckt, scheint Syds Leben endgültig aus dem Ruder zu laufen...
Schon oft haben wir über ‚Alias - Die Agentin' berichtet und für die scheinbar gecancelte DVD gar eine Petition gestartet. Warum? Weil sie einfach einzigartig und schlichtweg genial ist! Die erste Staffel dieser amerikanischen Seriensensation bietet nämlich alles, was man von einer modernen Agentenserie erwartet: Spannende Missionen, irre Ablenkungsmanöver (etwa die teils bezaubernden, aber oftmals auch verführerischen Verkleidungen seitens Sydney), actionreiche Kämpfe, eine intelligente Story und eine Heldin, die einem sofort sympathisch ist. Das ist das Rezept, jenes ‚Alias' zum Erfolg machte und sich in der Herzen der Fans eingeschlossen hatte.
In Serien gibt es selten eine durchgehende (und durch gedachte!) Story. Vielmehr produziert man einzelne Episoden, die abgesehen von den Charakteren nicht miteinander zu tun haben. Nicht so bei ‚Alias', wo in der ersten Staffel eine spannende und höchst interessante Story stets im Vordergrund steht. Im Hintergrund werkeln diverse Subplots, die gegen Ende der Staffel mit dem Hauptplot verschmelzen. Doch dabei handelt nicht alles nur von Sydneys rasantem Doppelagentenleben, sondern auch ihre Privatsphäre spielt eine gewichtige Rolle in dieser Season. Denn die Agentin verbringt viel Zeit mit ihren Freunden Will und Francie, was der Actionserie noch zusätzlichen Charakter verpasst: Menschlichkeit. Man sieht, dass Sydney auch nur eine normale Studentin ist, die mit Problemen zu kämpfen hat wie jeder andere! Neben den Doppelagenten- und Privatengeschichten gibt es noch einen Aspekt, der die Story zu gehaltvoller Unterhaltung vereint: Rambaldi. Der extra für die Serie erfundene Prophet des 15. Jahrhunderts, der aufgrund seiner futuristischen Vorausahnungen wie dem Radio oder des Binärcodes verbrannt wurde, hat auch ein Manuskript geschrieben, in dem selbst Dinge der weiteren Zukunft enthüllt werden. Deshalb hat SD-6 grosses Interessen an Rambaldis Erfindungen. Dies mag vielleicht sehr mythisch klingen, wird aber von den Autoren der Serie vortrefflich umgesetzt und findet ihren Höhepunkt in der geheimnisvollen Folge „Seite 47". So verschmelzen teilweise alle drei Storyaspekte in einem, etwa wenn Sydney im Auftrag von SD-6 auf einer risikoreichen Mission eines der Rambaldi Artefakten beschaffen muss und während des Jobs immer wieder mit Francie telefonieren muss, da diese glaubt, ihr Freund betrügt sie. Dies ist eine vortreffliche Kombination und da dies alles keinesfalls aufgesetzt wirkt, gibt es dem Ganzen neben dem vorwiegend ernsten Geschehen auch noch einen Pluspunkt in der Note Humor. Das Beste: Wirklich jede der insgesamt 22 Folgen setzt die wendereiche Story konsequent weiter. Ihren grandiosen Höhepunkt findet die Geschichte der ersten Staffel, verwoben mit allen Subplots, schliesslich in der letzten Folge mit einem genialen Cliffhanger, der den perfekten Übergang zur zweiten Staffel liefert - inklusive neuer Schlüsselfigur! Übertroffen wurde dieser Cliffhanger bisher nur von ‚Alias' selbst, nämlich mit dem Ende der zweiten Staffel.
Aber neben der Story lebt ‚Alias' besonders von seinen ausgezeichneten Darsteller. Vor der ersten Staffel war Hauptdarstellerin Jennifer Garner noch ein Newcomer, doch die Serie hat ihr neben einem Golden Globe als beste Darstellerin auch den grossen Durchbruch beschert. Zu recht, denn ihren Part der Doppelagentin, die immer zwischen ihrem Privat- und Arbeitsleben steht, mimt sie mit Bravour. Und durch die ständig wechselnden Verkleidungen (ihr Repertoire geht von der Hotelangestellte über das naive Blondchen bis hin zur auffallenden Vamp) kann sie ihre ganze Vielseitigkeit präsentieren - daher ja auch der Serientitel. Bei den Nebendarsteller kann ‚Alias' nochmals richtig auftrumpfen, bietet sie doch mit Victor Garber (‚Titanic') und Ron Rifkin (‚LA. Confidential') zwei Top-Acts der Schauspielbranche. Erwähnenswert ist besonders Kevin Weisman, der als Marshall Flinkman Erfindungen für SD-6 entwickeln, die selbst Q vor Neid erblassen würden. Seine liebenswerte und jedes mal abschweifende Art während dem Missionsbriefing ist jedes mal ein wahrer Genuss. Grundsätzlich kann man sagen, dass ‚Alias' einen exzellenten Cast bietet, bei dem sämtliche Darsteller vollkommen in ihren Rollen aufgehen. Ab und zu treten auch Gaststars auf, in der ersten Staffel etwa Roger Moore und Quentin Tarantino.
Produziert ist die erste Staffel auf einem enorm hohen Niveau, das jedem Spielfilm ebenbürtig ist. Die Kameraaufnahmen wirken stets passend und in den häufigen Actionszenen besonders beeindrucken. Nicht minder top sind die digitalen Effekte, die Explosionen oder ähnliches gekonnt in Szene setzen. Und was wäre eine gute Serie ohne gute Musik? Nichts, genau! Ach dort findet ‚Alias' eine tolle Mischung aus dem eingängigen Titelthema und wunderschönen Songs aus der Popgeschichte. Gibt es denn überhaupt etwas Negatives an dieser ersten Staffel? Nein, wirklich nicht. Man kann suchen wie man will, aber in dieser ersten Staffel ist jeder Aspekt aufeinander abgestimmt, so dass es ein grandioses Gesamtbild gibt. Wer also Agentenserien mag und beginnt ‚Alias' zu schauen, wird so schnell nicht mehr davon loskommen. Vielmehr wird es für diese einen sehr langen Abend mit einem 17stündigen Film geben. Denn die meisten der Folgen hören jeweils so spannend auf, dass man einfach weiter schauen muss!
Fazit: J.J. Abrams darf getrost als Genie der TV-Unterhaltung bezeichnet werden: Er hat dem fast vergessenen Agentengenre neuen Aufschwung verliehen. und eine Serie geschaffen, die ihres Gleichen sucht. Somit ist die erste Staffel auch etwas vom Besten, was je über die Bildschirme dieser Welt geflimmert ist. Dank enormer Abwechslung, reichhaltiger Action, grandiosen (mit Preisen ausgezeichneten) Darstellern und einer Story, die über die gesamte Season hinweg fesselt, verankert sich ‚Alias - Die Agentin' in unseren Köpfen und wird da auch garantiert einen Stammplatz einnehmen. Gäbe es einen Oscar für Serien, wäre ‚Alias'