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Algerische Skizzen [Gebundene Ausgabe]

Pierre Bourdieu , Achim Russer , Bernd Schwibs , Andreas Pfeuffer
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 32,90 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

19. Juli 2010
Pierre Bourdieu kam Mitte der 1950er Jahre zum ersten Mal nach Algerien, und zwar als Soldat im Algerienkrieg. Nach Abschluß seines Militärdienstes führte er hier erste Feldforschungen zur Kultur der Berber in der Kabylei durch, die seine späteren großen soziologischen und wissenschaftstheoretischen Arbeiten nachhaltig geprägt haben. Erschüttert von der systematischen Zerstörung einer ganzen Kultur durch das französische Kolonialregime hatte Bourdieu in Algerien gewissermaßen sein Erweckungserlebnis als ethnologisch geschulter Soziologe. Insbesondere sein Entwurf einer Theorie der Praxis ist direkt durch die Algerienerfahrung beeinflußt worden. Der Band vereinigt sämtliche wissenschaftlichen Arbeiten Bourdieus zu Algerien und hat bei seinem Erscheinen in Frankreich große Aufmerksamkeit erregt. Zum ersten Mal läßt sich die frühe Entwicklung und Prägung eines der großen Soziologen des 20. Jahrhunderts im Zusammenhang nachvollziehen.

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 523 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (19. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518585525
  • ISBN-13: 978-3518585528
  • Originaltitel: Esquisses algériennes
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 466.794 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Pierre Bourdieu, am 1.August 1930 in Denguin (Pyrénées Atlantiques) geboren, besuchte dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nachdem er die Eliteschule der École Normale Supérieure durchlaufen hatte, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des lettres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Im selben Jahr begann er, die Reihe Le sens commun beim Verlag Éditions de Minuit herauszugeben und erhielt einen Lehrauftrag an der Ècole Normale Supérieure. Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Seit 1975 gibt er die Forschungsreihe Actes de la recherche en sciences sociales heraus. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France. 1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique. 1997 wurde ihm der Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen verliehen.
In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte Esquisse d'une théorie de la pratique (dt. Entwurf einer Theorie der Praxis, 1979). In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewußtsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen. Mit Le sens pratique (dt. Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. Ziel dieser Analysen ist es, die "Objektivierung zu objektivieren" und einen Fortschritt der Erkenntnis in der Sozialwissenschaft dadurch zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt.
Seit dem Beginn der 90er Jahre engagiert sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer "Internationalen der Intellektuellen" auf, deren Ziel darin besteht, das Prestige und die Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte in die Waagschale zu werfen. Die im selben Jahr gegründete Zeitschrift Liber soll dazu ein unabhängiges Forum bieten. Seine politischen Aktivitäten zielen darauf ab, eine Versammlung der "Sozialstände in Europa" einzuberufen, die den europäischen Einigungsprozeß kontrollieren und begleiten soll.
Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4.0 von 5 Sternen Zur Bedeutung von Bourdieus algerischen Anfängen 30. November 2012
Von A_S
Format:Gebundene Ausgabe
Bourdieu, Pierre (2010 [2008]): Algerische Skizzen. Hg. v. Tassadit Yacine. Berlin: Suhrkamp.

Dieses Buch, das Texte des jungen Pierre Bourdieu (1930-2002) versammelt, die während seiner Zeit in Algerien (1954-1959) entstanden sind oder kurz darauf auf seine algerischen Erfahrungen rekurrierten, ist in vielerlei Hinsicht aufschlussreich.

Zum einen tobte der algerische Unabhängigkeitskrieg (1954-1962), als Bourdieu seinen Militärdienst ableisten musste, den er freilich zu systematischen ethnologisch-soziologischen Feldstudien im Rahmen französischer Forschungsinstitutionen zu nutzen wusste. Man erfährt darum – über die unmittelbaren Themensetzungen der einzelnen Aufsätze hinaus – viel über die komplexen sozialen Situationen im kriegsgebeutelten Algerien. Die Zwischenüberschriften, die der Herausgeber Tassadit Yacine eingefügt hat, um die einzelnen Schriften Bourdieus zu gruppieren, betonen diesen Sachverhalt mehrheitlich: Kolonisierung, Kultur und Gesellschaft; Krieg und gesellschaftliche Umbrüche; Arbeiter und Bauern in Verzweiflung; Ethnologie der Kabylei; Eine reflexive Bestimmung der Anthropologie; Zurück zur algerischen Erfahrung.

Zum anderen ist das Buch auch in wissenschaftsgeschichtlicher Hinsicht von großem Interesse.
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5.0 von 5 Sternen Bourdieus Lehrjahre 15. April 2012
Format:Gebundene Ausgabe
Rezension: Pierre Bourdieu: Algerische Skizzen. Suhrkamp, 2010.

Dieses Anfangswerk dient als Basislager um Bourdieus frühe Klassiker 'Theorie der Praxis' und 'Sozialer Sinn' nachvollziehen und entschlüsseln zu können. Zur Werk-geneseee selbst; der Philosoph Bourdieu ist wie so viele junge Franzosen (über 1,7 Mio) strafversetzt (wegen Disziplinmängel!) worden nach Algerien; genauer in die Kabylei. Es ist 1958, der französische Imperialismus liegt in den letzten Zügen (Algerien erklärte 1962 seine Unabhängigkeit) wie auch die marode französische Armee. Der ungewöhnliche Habitusmix aus bäuerlichem 'immer was tun müssen um nützlich sein zu können' und 'akademischen Idealen der Aufklärung, Wahrheit und Kritik' verpflichtet zu sein treibt den jungen Bourdieu tagsüber an sich den ethnologisch-anthropologischen Forschungen (eben Skizzen anzufertigen) nur so nebenbei zu widmen, während er allabendlich an seiner Dissertation 'übers innere Zeitbewusstsein und Gefühlserleben' schreibt mit dem Ziel, eine Karriere als Philosoph anzugehen. Als Philosoph zog er in den Krieg, der die französische bürgerlich-imperialistische Ordnung durchsetze und verteidigte und kam zurück als Sozialwissenschaftler, der genau diese Herrschaft samt ihrer Mechanismen in Frage zu stellen begann. Der Krieg bewirkte oder beschleunigte seine Transformation (als symbolische Umwertung aller Werte) von der grauen (philosophischen) Theorie zu der blutigen Kriegsalltagspraxis, die er aktiv mittels seiner Forschungen ändern wollte mittels 'bescheidener' sozialwissenschaftlicher Waffen.
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