Leider muss ich, obwohl ich die Wanderführer aus dem Rother Verlag aufgrund ihrer Kompaktheit, schönen Tourenauswahl und ansprechenden Gestaltung sehr schätze, der Ausgabe zur Algarve ein sehr schlechtes Urteil ausstellen.
Vorneweg: wir versuchten uns nur an zwei beschriebenen Wanderungen, sodass unsere Bewertung sich nur auf diese Touren und die allgemeine Beschreibungsweise des Autors bezieht. Möglicherweise funktionieren die übrigen Touren wunderbar. Wir sind jedoch zweimal grandios gescheitert, d.h., wir haben uns bereits nach den ersten Metern nahezu hoffnungslos verlaufen. Nun könnte man denken, wir wären einfach nur zwei Trottel, die sich eben überall verlaufen. Nein, stimmt nicht. Wir haben schon auf unzähligen Wanderungen und Bergtouren unsere Fähigkeiten zur Orientierung in schwierigem Gelände unter Beweis gestellt.
Tour 31 "Picota":
In die definitiv richtige Richtung gestartet, stellte sich bereits nach wenigen zig Metern die Frage, ob sich der angesprochene nächste Abzweig auf den Startpunkt (Abzweig Richtung Cruz dos Madeiros) beziehe, oder auf das genannte Dorf selbst (das wohl erst nach mehreren Kilometern ohne Ortsschild auftauchte), ob sich der "Ortsrand" auf den Anfang oder das Ende der typischen Streusiedlung beziehe oder gar auf Monchique selbst. Nachdem wir am Anfang keinen annähernd passenden Abzweig erkennen konnten folgten wir der Asphaltstraße bis zu besagter Streusiedlung und fanden auch dort nichts, was auch nur annähernd der Wegbeschreibung entsprechen könnte. Wir setzten unsere Wanderung "frei Schnauze" fort und kehrten nach 3 Stunden wieder nach Monchique zurück, ohne jedoch den Gipfel des Picote erklommen zu haben.
Tour 25 "Im Mata Nacional de Barao de S. Joao":
Los gings vom leicht gefundenen Parkplatz. Der "Menhir", der uns als erstes "locken" sollte, entzog sich jedoch bereits unserer aufmerksamen Suche. Das ist halt das Problem, wenn man in Wegbeschreibungen von "links" spricht statt von Himmelsrichtungen. Na egal, die richtige Forststraße in die richtige Richtung losgelaufen und nach 500 Metern rätselnd vor einer Gabelung gestanden, die nicht erwähnt und in der Karte nicht dargestellt wurde. Erst in die verkehrte Richtung schräg rechts weitergegangen (da dieser Weg als Hauptweg erschien), dann wieder zurück (weil der Weg immer weiter rechts abdriftete) und den Schotterweg schräg links gefolgt. Das beschriebene Trümmerfeld am Vermessungspunkt identifiziert und weiter gegangen. Dass vorher bereits ein weithin sichtbarer Sendemast als bestens verwendbarer Bezugspunkt auftauchte, war im Buch keiner Erwähnung wert. Dafür sollten wir uns nach 3 Kilometern scharf links wenden. Gut, drei Kilometer könnte ich vielleicht noch so gerade abschätzen, aber dann müsste ich zumindest wissen, ab wann gerechnet. Vom Startpunkt oder von dem erwähnten Trümmerfeld? Wir jedenfalls bogen nach geschätzten 800 Metern hinterm Trümmerfeld ab (das musste eigentlich der gemeinte Abzweig sein) und folgten einer endlos kurvigen Forststraße wieder zurück zum Ausgangspunkt. Der Führer überließ uns in jedem Falle ab diesem Abzweig unserem Schicksal ohne jegliche weitere Wegbeschreibung oder Orientierungsmarke. Statt dessen ist der zweiseitige Raum für die Tourbeschreibung mit einem großen, hübschen aber nichtssagenden Landschaftsfoto ausgefüllt und mit philosophischen Betrachtungen zum wahrlich unspektakulären Trümmerfeld.
Von einem Wanderführer erwarte ich, dass er präzise Wegbeschreibungen liefert, dass gut erkennbare Orientierungspunkte beschrieben werden und Entfernungsangaben sich auf definierte Ausgangsorte beziehen. Sicher ist es schwierig, in einer Region ohne offizieller Wanderweg-Erschließung und einem teilweise wilden Netzwerk von Pfaden eine genaue Wegbeschreibung kompakt zu formulieren. Aber die oben genannten Mindestanforderungen sind essentiell. Wenn eine genaue Beschreibung nicht möglich ist, sollte der Leser gar nicht erst auf so eine Wanderung geschickt werden. Es ist einfach nur ärgerlich, wenn man an jeder Gabelung rätselt, ob man so oder so weitergehen soll und welche der vielen Abzweigungen der Autor gemeint haben könnte. In dieser Hinsicht hat der Wanderführer total versagt. Da helfen auch keine schönen Bilder und euphorische Einleitungsworte.