"wie abstoßend ich die atmosphäre in der ersten klasse auf dem schiff fand! in den ersten tagen saß ich den größten teil der zeit mit geschlossenen augen in meinem liegestuhl. so konnte ich es vermeiden, mir gesichter anzusehen, bei denen es mir kalt über den rücken lief. und diese schrillen stimmen. meine güte!" diese zeilen, die wie vom philosophen SCHOPENHAUER oder vom literaten CANETTI aufgesetzt erscheinen - sie stammen vom fotografen ALFRED STIEGLITZ - der mehr war als "bloß" fotograf - er war kunst-theoretiker. die überschrift seines ersten ausstellungs-katalogs (1905) lautete: "a protest against the conventional conception of pictorial photography". andernorts schrieb er: "allmählich wurde mir klar, dass etwas mit der malerei, wie sie zur damaligen zeit praktiziert wurde, nicht stimmen konnte. auf der stelle nahm ich meinen kampf - oder vielmehr mein bewusstes ringen - um die anerkennung der fotografie auf." und so ging stieglitz daran, neue, zur gegenwart gehörende symbole zu suchen. auf das gemecker seines vaters, warum er dieses häßliche flat iron building in new york fotografiert habe, entgegnete er, es sei für die aktuelle identitätssuche das, was in anderer zeit der parthenon-tempel in griechenland gewesen sei. und so wurden seine fotografien ikonen des heraufbrechenden zeitalters: überladene fähren im new yorker hafen, trotziger pferdekutschen-verkehr in new yorks mit schnee bedeckten straßenschluchten, ein zeppelin, dirigierbarer schon als ein ballon, hoch über dunklen wolkenbergen ... stieglitz hat nicht nur fotografie-geschichte geschrieben, sondern auch einen meilenstein gesetzt bei der definition dessen, was ein künstler als wahrnehmungs-kristallisationspunkt seiner jeweiligen zeit zu sagen habe.