Über Hitchcocks Filme ist wesentlich mehr geschrieben worden als über seine Person an sich, obwohl seine Gesicht oder zumindest seine Silhouette fast jedem Menschen zumindest geläufig ist.
Donald Spoto geht in seinem Buch dem Menschen Hitchcock nach, der eben während seiner 80 Jahre Lebenszeit eine ganze Reihe von Filmen gedreht hat. Filme, die zwar besprochen gehören, die aber lediglich Ausdrucksform eines verschlossenen und sexuell repressiven Menschen waren.
Spoto arbeitet sehr detailliert, von den frühesten Anfängen bis genau zum Todestag, wobei er mit reichlich Zeitzeugen gesprochen hat und skizziert so die Person Hitchcock sorgfältig nach, wobei er einige Korrekturen an Geschehnissen vornimmt, bei denen es Hitchcock mit der Wahrheit nie so genau nahm (siehe Francois Truffauts "Mr.Hitchcock, wie haben sie das gemacht?").
Obwohl das sich abzeichnende Bild des Meisterregisseurs nicht sonderlich schön, sympathisch oder glamurös ausfällt, bleibt Spoto immer so sachlich wie möglich, hält sich mit Mutmaßungen zurück, bzw. macht sie deutlich kenntlich.
Hitchcock erweist sich hier mehr und mehr als lieber etwas menschenscheuer Eigenbrötler, der sexuell zumeist sehr stark auf seine weiblichen Filmfiguren fixiert war, die er nach seinen eigenen Gelüsten "erschuf", indem er sie einkleidete, trainierte und rollentechnisch so agieren ließ, wie er es bevorzugte. Seiner Frau gegenüber war er damit wenig treu, dafür aber trotzdem stets von ihr abhängig, da er seine Darstellerinnen zwar stets begehrte und kontrollieren wollte, sexuell an sich aber ihnen nie näherkam, einerseits aus Gründen selbst angenommener Unattraktivität und andererseits, weil ihm sein Kontrollfimmel genügte.
Trotz großer Belesenheit und dem Hang zur Erlesenheit, zeigte er Zeit seines Lebens auch sehr bürgerliche Züge, die jedoch nicht immer alle miteinander konform gingen. Darüber hinaus war er nicht selten ungehobelt und zeigt deutlich sadistische Züge, vor allem was seinen Humor betraf. Beim Thema Essen erwies er sich als schwieriger Gourmet und die Tatsache, daß er Zeit seines Lebens dem Alkohol stark zugesprochen hat, was sein Ende beschleunigte, wird auch nicht ausgelassen.
Trotz dieser unsympathischen Züge geht die Fasznination der Figur, seiner ungewöhnlichen Arbeitsweise und seinem visuellen Talent nie verloren und verursacht mehr Traurigkeit als Abscheu.
Für Liebhaber von Biographien der leichten Sorte ist dieses genau recherchierte Werk sicherlich nichts, denn hier werden die Jugendjahre bis 1930 genauso umfassend unter die Lupe genommen wie die Epochen seiner besten Filme (1940-1970).
Vermutlich hätte das Ergebnis Hitchcock mit seinen dunklen und hellen Seiten nicht gefallen, aber Spoto reißt der Legende nicht die Kleidung herunter, sondern macht sie lediglich für uns transparent und das ist großes Handwerk.