So kommentierte sein Lektor bei Fischer in den 20er Jahren in einem Schreiben an den Verleger. Nicht jeder mochte diesen quicklebendigen, hyperaktiven, zuweilen kindischen, provozierenden Mann.
Doeblin wuchs in einer kinderreichen, zerrütteten jüdischen Familie auf, in proletarischen Berliner Wohnverhältnissen. Er studierte Medizin und neigte zur Boheme, mit literarischen Vorbildern in Nietzsche, Hoelderlin, Kleist, Dostojewski... Er gehörte früh der Gruppe an, aus der die expressionistische Schule entstand. Aus dem jüdischen Glauben war D ausgetreten, Katholik wurde er erst viel später.
In der Medizin spezialisierte er sich auf Psychiatrie. Später wurde er Internist und veröffentlichte eine ganze Reihe wissenschaftlicher Arbeiten. Dann gab er die Wissenschaft auf und wurde Kassenarzt. Geheiratet hatte er nun auch. Es wurde keine glückliche Ehe, auch wenn sie bis an sein Lebensende hielt.
Nebenbei schrieb er. Der erste grosse Roman entsteht kurz vor Kriegsausbruch, erstaunlicherweise über China.
Den Beginn von WW1 erlebt er ohne ihn mit chauvinistischen Fanfaren zu begruessen und hebt sich damit angenehm ab. Er wird Militärarzt.
Er definiert sein Konzept des Romans: er lehnt den 'Tagesroman' ab, der auf einem rationalistischen Grundriss ein übersichtliches Gebilde von bequemer Verständlichkeit baut. Eine Besprechung vergleicht seine Sprache mit Max Beckmanns Bildern. Genau!
Nach Kriegsende, zurück in Berlin, mit inzwischen 3 kleinen Kindern und mit neu eröffneter Arztpraxis, schreibt D am Wallenstein Roman. Die laufenden Ereignisse wertet er erst 20 Jahre später aus. Für ihn trägt die SPD Mitschuld an der Hitlerzukunft durch ihre Kooperation mit des Kaisers Generälen gegen die Revolution. Er schreibt frivole Presseartikel unter dem Pseudonym Linke Poot. Dann schreibt er amüsante Theaterkritiken.
Er befasst sich mit Psychoanalyse, wird aber kein Freudianer. Bert Brecht freundet sich mit ihm an und sieht in ihm einen Lehrmeister, so wie das später auch Grass tat. Er sieht Thomas Mann als seinen Rivalen. Die beiden haben wenig gemeinsam, ausser dass beide für den Nobelpreis im Gespräch waren.
Er wird nie ein 'richtiger' Sozialist, der Marxismus ist ihm fremd. Er wird eine Art Naturmystiker. Sebald wird ihm viel später Verrat an der Vernunft vorwerfen.
Auffallend ist seine vielseitige Produktivität, als Schreiber, Arzt, Verbands-Funktionär, Jurymitglied, die manchen, z.B. Joseph Roth, als Aufgeregtheit erscheint. Bummelant war er nicht. Seine politische Interessiertheit führt ihn nie in eine politisierende Kunstauffassung.
In D's Romanen gibt es einige Hinweise auf homosexuelle Neigungen, vor allem das Verhältnis von Franz und Reinhard in Alexanderplatz, das später von Fassbinder interpretiert wird. Im 'wirklichen' Leben D's finden sich aber keine Spuren davon. Alexanderplatz war und blieb sein groesster Erfolg.
Nicht lange danach muss er ins Exil, Schweiz, Frankreich, dann USA.
Er hatte in der Zeit vor der Machtübernahme der Nazis nicht gerade mit politischer Weitsicht geglänzt.
In Paris darf er nicht als Arzt arbeiten, und die Schriftstellerei füllt ihn nicht aus. Er arbeitet aktiv in jüdischen Organisationen mit, wobei er gleichzeitig über 'die Juden' polemisiert. Er schreibt seinen persönlichsten und diszipliniertesten Roman, 'Pardon wird nicht gegeben', eine Geschichte seines Bruders in Berlin.
Er wird französischer Staatsbürger, zerstreitet sich mit seinen jüdischen Kontakten, entdeckt Kierkegaard, was sein Grundstein für den Weg ins Christentum ist. Er arbeitet mit Koestler und Sperber an linken antikommunistischen Publikationen.
Dann der deutsche Einmarsch und die Flucht nach USA, die 'Schicksalsreise'.
Er wird es nicht schaffen in Amerika. Das ist nicht seine Welt. Er hätte in New York leben können, aber er muss ja arbeiten. Sein Visum basiert auf einem 'Arbeitsvertrag' mit MGM. Man zieht nach LA um. Es wird nichts. Amerika kann nichts mit ihm anfangen.
Im Elend der Arbeitslosigkeit und der Abhängigkeit von Wohlfahrt und Kollegen stellt er immerhin seine Riesentetralogie 'November 1918' fertig, die jahrzehntelang nicht komplett publiziert wird.
Er wurde religiös und, nach Brecht, verletzte die antireligiösen Gefühle vieler Weggefährten.
Nach Kriegsende erlangt er eine Stelle in der französischen Besatzungsarmee in Baden-Baden. Glück bringt das nicht.
Die zweite Hälfte dieser Biographie ist eine Geschichte der Emigration und des Exils. Schoeller hat sich bereits zuvor mit anderen Veröffentlichungen um die deutsche Exilliteratur verdient gemacht. Doeblin ist mir mit diesem Buch nicht sympathischer, aber verstehbarer geworden.