Ich war ziehmlich neugierig auf diese DVDs, war aber dann doch relativ enttäuscht, ja musste mich am Ende ein wenig zwingen alles anzusehen.
Brendel ist ein exzellenter Sprecher, der wunderbar leicht zwischen Ernsthaftigkeit und einer Ironie, wie er vor allem in englischen akademischen Zirkeln gepflegt wird, changieren kann. Die langjährige Bühnenerfahrung verleiht ihm auch eine Souveränität und Gelassenheit, die etwas sehr einnehmendes hat. Man hört ihm wirklich gerne zu.
Und natürlich hat er, der auf eine der erfolgreichsten Pianistenkarrieren der letzten 50 Jahre zurückblicken kann, einen reichen Schatz an interessanten Einsichten zu präsentieren.
Was man allerdings vermisst, ist eine Gedankendramaturgie, sind Thesen, die ein wenig über den Charakter von Trouvaillen hinausgehen. Brendel ist wie jemand, der einem die Sammlerstücke seiner Wohnung präsentiert, aus jeder Ecke zieht er etwas heraus, zu dem er etwas zu sagen hat. Das hat in seiner Unabsehbarkeit schnell etwas ermüdendes.
Vieles, was er präsentiert, ist hochintelligent und originell, manches aber auch eher idiosynkratisch und nicht völlig überzeugend. Ob etwa die liebenswürdige Ironie, die Brendel in manchen Sonaten heraushört, wirklich Beethovens Sache gewesen ist, darüber könnte man streiten.