Die Einführung erfüllt ihren Zweck, dem Leser in kurzer und präziser Form den politischen Denker und Staatsmann Alexis de Tocqueville vorzustellen. Die Lektüre informiert ebenso klar wie übersichtlich über Tocquevilles Hauptwerke De la démocratie en Amérique und LAncien régime et la révolution, sein Hin- und her gerissen sein zwischen aristokratischer Vergangenheit und demokratischer Zukunft, die (überwiegend erfolglosen) Bemühungen als Politiker sowie seine insgesamt eigenwillige Stellung innerhalb der politischen Ideengeschichte. Nebenbei erfährt man viel über eines der Grundprobleme der Demokratie: die Balance zwischen Freiheit und Gleichheit.
Zur Kritik von Michael Hereth aus Aix-en-Provence aber ist zu sagen, dass sie bezeichnenderweise von einem Autor stammt, der ein vergleichbares Werk verfasst hat (Tocqueville zur Einführung, Hamburg 2001), das in direkter Konkurrenz zur Einführung von Karlfriedrich Herb und Oliver Hidalgo steht
Es überrascht daher nicht, wenn sich die erhobenen Vorwürfe als haltlos erweisen. Auf der von Hereth erwähnten Seite 87 wird ausdrücklich festgestellt, welchen besonderen Stellenwert die Herrschaft über Algerien für Tocqueville gehabt hat, wobei als Beleg ein Zitat dient, das gerade aus jenem Band der Oeuvres complètes stammt, den die Autoren angeblich ignoriert haben.
Das Zitat über die Bewertung von Tocquevilles Imperialismus aber wurde von Hereth aus dem Zusammenhang gerissen und dabei offensichtlich nicht verstanden. Jedenfalls wird hier keineswegs einer Verbindung von Liberalismus und (Sozial-)Darwinismus das Wort geredet, sondern lediglich darauf verwiesen, dass Tocquevilles außenpolitisches Handeln in keinem Widerspruch zu seinen theoretischen Positionen steht. Dass mit dem Vertrauen in die moralische Überlegenheit des Christentums kein Imperialismus zu rechtfertigen ist, versteht sich von selbst; Tocquevilles Überzeugung lässt sich gleichwohl auf diese Prämisse zurückführen, ob es einem gefällt oder nicht.
Unverständlich und höchst widersprüchlich ist es schließlich, wenn Hereth zunächst behauptet, Tocquevilles Wirken als Politiker sei an sich gar kein Gegenstand für eine Einführung, um danach daran herumzumäkeln, die Darstellung gehe diesbezüglich zu wenig ins Detail. In Wirklichkeit sind gerade die Informationen zu Tocquevilles politischer Karriere sehr interessant, zeigen sie doch, wie schwierig es ist, eine überzeugende Theorie in die Praxis umzusetzen.