Aus der Amazon.de-Redaktion
Rund um die ägyptische Stadt Alexandria rankt sich eine ungewöhnliche Sammlung an Texten und Fotografien, die Joachim Sartorius jetzt in einem aufwändig gestalteten Buch herausgegeben hat. Seit jeher hat das wechselvolle Schicksal der sagenumwobenen Metropole, die Größe und Ruhm, aber auch bittere Momente und schmachvolle Niederlagen erlebte, eine besondere Faszination auf Künstler und Literaten ausgeübt.
Alexandria, die arabische Metropole, fungierte in der Antike als Weltstadt, die -- lange vor der Entstehung urbaner Ballungszentren wie London oder Paris -- bis dahin unbekannte Ausmaße angenommen hatte. Exzentrische Feste wurden gefeiert, im Hafen herrschte reger Betrieb, und unter den Ptolemäern wurde die größte Bibliothek der Welt, ein gewaltiger "Think Tank" der Antike, angelegt. Eine zweite Blütezeit erlebte Alexandria im 19. Jahrhundert als Ziel von Exilanten der europäischen Bohemia, als kosmopolitische Künstlerenklave. Heute befindet sich die Stadt gänzlich im Schatten der mächtigen Hauptstadt Kairo und ist nahezu bedeutungslos.
All dies sollte man wissen, um den Ansatz der vorliegenden literarischen Sammlung zu verstehen. Aus purer Neugier und Nostalgie begab sich Sartorius Mitte der 80er-Jahre auf Spurensuche nach Alexandria - getrieben vom Mythos und literarischen Legenden. Was er vorfand, war ein Phantom, eine Fata Morgana, wie er sein Buch auch untertitelt. Die literarische Spurensuche führt zu einer Stadt, die es in der Realität nur mehr als trost- und glanzlosen Ort ab, "riesig und kaputt".
So ist es nur zu verständlich, dass Sartorius zurückblickt. In den Gedichten des Konstantin Kavafis, den Erzählungen von Gustave Flaubert leben Erinnerungen an alte Zeiten wieder auf. Ein zweiter Teil widmet sich den poetischen Reminiszenzen um die Epoche der Stadtgründung - von Gerhard Falkner bis Czeslaw Milosz. Teil drei beleuchtet schlaglichtartig die ptolemäische Ära, die durch Zitate aus der großen, längst vernichteten Bibliothek, aber auch durch frühe Reiseberichte belegt ist.
Es sind wunderbare Texte, die das damals überall sichtbare Leuchten Alexandrias in Worte fassen - allesamt von höchst unterschiedlichen Dichtern und Schriftstellern, denen eine tiefe Sehnsucht und intensiv empfundene Zuneigung gemein ist. Eine Reihe interessanter Bilder des früheren und eher trostloser Fotografien des heutigen Alexandria vervollständigen das berührende Porträt einer faszinierenden Stadt. Alexandria Fata Morgana zieht nicht nur literarisch interessierte Leser in seinen Bann! --Dorothea Fröhlich
Kurzbeschreibung
Alexandria - Stadt voller Mythen, Phantasmen und Geheimnisse. Von Alexander dem Großen gegründet, zu Zeiten der Ptolemäer ein zweites Athen, wuchs Alexandria im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu neuer Größe und wurde zum Fluchtpunkt ganzer Schriftstellergenerationen.
Der sagenhafte Leuchtturm, die Große Bibliothek, die Liebeswirren von Caesar und Cleopatra - wenige Städte haben so viele Phantasmen von Größe und Ruhm hervorgebracht wie Alexandria, um dann über Jahrhunderte im Nichts der Geschichte zu versinken. Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhundert erlebte die Stadt eine ungeheure Renaissance - 2000 Jahre nach ihrer Gründung wurde sie erneut Symbol für ein offenes, kosmopolitisches Mittelmeer. In jahrelanger Sammlertätigkeit hat Joachim Sartorius literarische Zeugnisse zu Alexandria zusammengetragen - Reiseberichte, Erzähltes, Autobiographisches, Lyrik; von Flaubert, Kavafis, Ungaretti, Marinetti, Forster, Durrell, al-Kharrat; sie werden ergänzt durch poetische Rekonstruktionen von Durs Grünbein, Gerhard Falkner, Perikles Monioudis, Armin Senser, Raoul Schrott und abgerundet durch Karten und illustrative Fundstücke.