Musikalisch gehört diese erst 1980 nach langer Vergessenheit uraufgeführte Oper Zemlinskys sicher zu seinen schönsten und ergreifensten Werken. Der Klangzauber, den Zemlinsky zur Darstellung von Görges Traumwelt und der Idylle des Nachspiels aufbietet, ist so betörend, daß sich die Frage aufdrängt, warum dieses Stück nicht häufiger den Weg in ein Opernhaus findet. Wahrscheinlich ist die äußere Handlung des Stücks doch zu mager, um Regisseuren auf Dauer einen Anreiz bieten zu können (was jedoch den Hörgenuß daheim kaum schmälern dürfte); vielleicht haben aber auch einfach zu viele Leute die abschreckende, furchtbar zusammengekürzte Einspielung Gerd Albrechts gehört, in der sich die Sänger durch ihre Partien stemmen und von dem orchestralen Zauber nichts mehr zu spüren ist. Wer das Stück bisher nur durch diese Aufnahme kennt, sollte der Oper jetzt eine zweite Chance geben, denn:
Dies ist die beste Einspielung des Stücks, die man sich nur wünschen kann! (Fast) alle Sänger verzichten zugunsten der Textverständlichkeit und Klangschönheit auf überflüssiges Vibrato und forcierte Töne (nur bei den beiden Bässen ist ein übermäßiges Tremolo kaum zu überhören). Ein derartig kultivierter Gesang wird natürlich erst durch einen einfühlsamen Dirigenten wie James Conlon ermöglicht, der seine Sänger mit dem Orchester nicht zudeckt. Susan Anthonys Prinzessin singt wirklich bezaubernd schön, und Patricia Racette gestaltet Gertrauds Monologe mit herzzerreißender Eindringlichkeit. An den dramatischen Höhepunkten („Pfingstfeuer!") mag man die nötige Klangfülle in ihrer Stimme vermissen, aber der größte Teil ihrer Partie ist sehr lyrisch angelegt, wofür ihr Stimmklang genau richtig ist. Doch jede Aufführung dieser Oper steht und fällt mit der richtigen Besetzung der Titelpartie, und bei David Kuebler ist sie genau in der richtigen Kehle. Er bewältigt diese mörderische Partie nicht nur scheinbar mühelos, sondern stellt auch sehr überzeugend einen vielschichtigen Charakter dar. Der introvertierte Träumer gelingt ihm ebenso glaubwürdig, wie der verbitterte Zyniker oder der erzürnt seine Geliebte verteidigende Held.
Diese Aufnahme ist selbst ein Traum, und kein Liebhaber der Werke Zemlinskys sollte sie sich entgehen lassen. Wer mit den Opern Zemlinskys bisher nicht soviel anzufangen wußte, wird sie vielleicht durch dieses Stück für sich entdecken können.