Im Zuge seiner Reisen zur heute in Polen gelegenen Marienburg und den anderen ehemaligen Burgen des Deutschen Ritterordens in der zur Russischen Föderation gehörenden Kaliningradskaya Oblast sowie weiteren Aufenthalten in der Ukraine, in Weißrussland und Russland hat sich timediver® bereits die national mehr oder weniger tendenziösen Filme "Krzyzacy" (Polen 1960) und "Aleksandr. Nevskaya bitva" (Russland 2008) in ihren deutsch synchronisierten Fassungen angesehen und rezensiert.
Die gewählten deutschen Filmtitel "
Die letzte Schlacht der Kreuzritter" und "
Alexander der Kreuzritter - DVD" waren vor allem irreführend. Während der russische Film, der den Kampf der Rus gegen die Schweden schilderte, kaum nationalistische Tendenzen vorwies, war der polnische Streifen ein ideologisches Konstrukt, welches im "Kalten Krieg" unmittelbar an die die Erfahrungen mit dem "hässlischen Deutschen" während des Zweiten Weltkrieges anknüpfen sollte. Sergei M. Eisensteins Propagandafilm entstand auf Stalins Weisung bereits im Jahre 1938 und nahm gewissermaßen die schrecklichen Ereignisse des "Großen Vaterländischen Krieges" voraus. Nach der Ratifizierung des "Hitler-Stalin-Paktes" verschwand der Film zunächst in den Archiven, um nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erneut flächendeckend vorgeführt zu werden.
Zu Beginn des Films wird einem mongolischen Gesandten der "Goldenen Horde" von Alexander Newski bewusst gemacht, dass sich das "Heilige Russland" von keiner auswertigen Macht unterjochen lässt. Den mit einem gepflegten normannischen Kopfhaarschnitt auftretenden Rus werden langhaarige Deutschritter gegenübergestellt. Während die Russen trotz einer abgebildeten Kirche geradezu religionslos daherkommen, werden die deutschen Ordensritter mit ihren unhistorischen Phantasie-Helmen von einem dämonischen, katholischen Priester und Orgelspieler begleitet, der unter der Kapuze seiner Kutte an den Imperator aus "Starwars" erinnern lässt. Dazu gibt es russische Händler und Spione als Klassenfeinde, die als Verräter der russischen Erde daherkommen. Die Deutschen werden von zwergenwüchsigen "Hiwis" begleitet, die eine modifizierte Form des Stahlhelms der Wehrmacht oder "Darth Vaders" tragen. Als grausiger Höhepunkt werden von den deutschen Aggressoren unschuldige russische Kinder ins Feuer geworfen. Fälscherlicherweise tritt ein "von Balk" als Magister des Deutschen Ritterordens auf, gleichwohl der Hochmeister Hermann von Balk bereits 1239, also vier Jahre zuvor, verstorben war.
Die Massenszenen während der Schlacht am Peipussee am 5. April 1242 sind durchaus beeindruckend. Die einzelnen Szenen deuten das Gemetzel erfreulicherweise nur an, Verwundungen und Blut sind in diesem Schwarzweiß-Film nicht zu sehen. Auch die von vom russischen Komponisten Sergei Prokofjew beigesteuerte Filmmusik verfehlt nicht ihre Wirkung. Mit den beiden russischen Kämpen Vasili Buslai und Gavrilo Oleksich, die sich gleichzeitig um die Hand derselben Frau bemühen, kommt mitunter auch eine gewisse Komik und Tragik auf. Am Ende finden beide ihr Glück und Alexander Newski kündigt an, dass jeder der in Frieden nach Russland kommt, willkommen sei, derjenige jedoch der mit dem Schwert komme, werde durch dieses gerichtet. So sollte es schließlich auch den Invasoren des NS-Staates ergehen....
Sicherlich ist "Alexander Newski" ein stalinistischer Propagandafilm. Mit seinen Stimmungsbildern und Massenszenen ist er jedoch nicht schlecht gemacht und verfehlt auch heute noch nicht sein ideologisches Ziel zur Projektion eines Feindbildes und der nationalen Mobilisierung. In einem zweiseitigen Prospekt wird die Entstehung des Films und sein historischer Hintergrund im 13. Jahrhundert geschildert. Aus zusätzliches Filmmaterial gibt es den Kommentar eines promovierten Historikers.
Unter Berücksichtigung aller Umstände kann Film mit 4 Amazonsterne bewertet werden.