Nahtlos schließt dieser zweite Roman an den Ersten an und endlich kommt Herr Haefs auch wirklich zu Alexander. Da das Fundament auf dem sich Alexander und auch der Leser befinden mit dem ersten Roman gelegt ist, verzichtet Herr Haefs jetzt auf allzu ausschweifende Details, sondern erinnert ggf. an den ersten Band. Herr Haefs lenkt das Augenmerk nicht übermäßig auf die großen Schlachten, die hier Eine nach der Anderen geschlagen werden, sondern eher auf den Menschen Alexander, der sich nach und nach verändert. Vorhersagen denen sich Alexander wiedersetzt und immer mehr Wein und Brutalität, ein Alexander als Gott und doch nicht frei von der Macht der Orakel. Dabei bekommt man einen Blick auf Alexander aus allen möglichen Perspektiven, bei denen es ein kleines Wunder ist, dass Herr Haefs selbst nicht die Übersicht über die vielen komplexen Erzählstränge verloren hat. Dabei ist es allerdings vorteilhaft, wenn man sich im Vorfeld schon ein Bisschen mit Alexander beschäftigt hat, z. B. hilft Oliver Stones Film "Alexander" ganz gut dabei, sich die Zustände auch Bildhaft vorstellen zu können und z. B. Nicholas Hammonds "Alexander der Grosse" Sachbuch, das Zeichnungen der Schlachtaufstellungen und Truppenbewegungen während der Gefechte enthält, dabei auch diesen strategischen Meisterleistungen noch folgen zu können, denn das fällt bei Herrn Haefs sehr schwer, da man sich das Gelände einfach nicht ausreichend vorstellen kann.
Schade fand ich, dass sich der Autor gegen Ende des Buches zu sehr auf mystische Ereignisse spezialisiert (Genie und Wahnsinn?!) und trotz aller Liebe mit der er Alexander zeichnet auf die unwahrscheinlichsten, aber reißerischen historischen Quellen zurückgreift und Alexander darüber zu einem trunksüchtigen Größenwahnsinnigen verkommt. Das hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack, da die glaubhafteren historischen Quellen ein ganz anderes Bild von Alexander zeichnen. So ist er wohl auch nicht, wie in diesem Buch, vergiftet worden, auch nicht an Trunksucht, sondern allen überlieferten Symptomen zufolge an Malaria tropica gestorben. Der Indienfeldzug kommt auch etwas zu kurz und leider erklärt Herr Haefs nicht, dass Indien auf den bis dahin korrekten Karten des Aristoteles nur eine kleine dreieckige Insel ist, die schnell zu erobern zu sein scheint und damit ganz Asien unter Kontrolle gewesen wäre. Aber dann hätte Alexander ja wieder wie ein genialer Stratege ausgesehen, der den letzten kleinen Feind in seinem Rücken loswerden will und nicht wie der Größenwahnsinnige, den Herr Haefs hier zeichnet.
Ich kann mir ehrlich gesagt nicht erklären, warum der Autor grade gegen Ende des Buches so stark nachlässt, nicht sprachlich und stilistisch, in der Hinsicht ist dieses Buch tatsächlich unglaublich, aber von der historischen Genauigkeit her kommt er im letzten Drittel auf einen absoluten Nullpunkt. Dabei sind die Bücher sicherlich zu mindestens 85 % historisch korrekt, da enttäuscht es dann aber umso mehr, wenn grade das Ende mystisch überzogen und historisch unglaubwürdig ist. Somit ist auch das offensichtliche Ziel, Alexanders Charakter und Persönlichkeit glaubhaft darzustellen, letztenendes leider gescheitert.
Ich gebe dem Buch trotzdem noch 3 Sterne, weil Herr Haefs ein sehr beeindruckender Autor ist, sich sehr viel Mühe gemacht hat und eine, trotz des mangelhaften Endes, noch sehr lesenswerte und detailfreudige Fassung des Alexander-Stoffes geschrieben hat.