Zehn Jahre ist es her, dass Anthony Horrowitz den ersten Alex Rider Band veröffentlicht hat, fünf Jahre, seit ich diesen gelesen habe. An einem Tag. Als ich fertig war, bin ich zu Fuß zur Buchhandlung gerannt und hab mir die nächsten beiden Bücher gekauft, und die wiederum verschlungen. Selten hatte mich eine Reihe so gefesselt. Und obwohl ich über die Jahre der Zielgruppe nach und nach entwachsen bin (da Alex selbst nur ein Jahr älter wurde), habe ich die Serie bis heute verfolgt. Bis zu Scorpia Rising - dem allerletzten Fall von Alex Rider.
Eigentlich hatte Alex ja gedacht, die Welt der Geheimdienste hinter sich gelassen zu haben. Mehrere Monate lebt er in Frieden, verbringt Zeit mit Freunden, mit Sport und Hausaufgaben, wie jeder gewöhnliche Teenager. Doch er kann seiner Vergangenheit nicht entkommen - Scorpia, die angeschlagene Verbrecherorganisation, die seine Eltern auf dem Gewissen hat, hat nach zwei von ihm vereitelten Missionen noch eine Rechnung mit ihm offen. Ihr neuester Auftrag gibt ihnen die Chance, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Und jemand wird sterben.
Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde Scorpia Rising sehr groß angekündigt: mehrere Trailer wurden auf Youtube geschaltet, Anthony Horrowitz hatte angegeben, das Buch wäre anders, als alle zuvor -vielleicht das Beste, das er je geschrieben hätte. Dazu kam, dass Scorpia mein Lieblingsteil der Reihe gewesen war und ich auf ein abschließendes Duell mit der Organisation brannte. Meine Erwartungen waren also dementsprechend hoch. Leider konnten sie nicht ganz erfüllt werden.
*kleine Spoiler*
Der zentrale Plot ist im Verhältnis doch relativ schwach: Ein todkranker Grieche heuert Scorpia an, weil er unbedingt will, dass eine berühmte Statue aus einem britischen Museum seinem Volk zurückzugeben wird. Die Story die dann folgt wirkt oftmals arg erzwungen, teilweise geradezu unlogisch und Alex verhält sich immer wieder wie ein totaler Anfänger. Die Actionszenen können das nicht rausreißen - verglichen mit den anderen Rider Romanen gibt es nämlich nur wenige davon. Es geht zwar brutaler zu, aber nicht unbedingt spektakulärer.
Die Bösewichte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Yassen Gregorovic, Julia Rothman, Neil - das waren m.A. nach die besten Gegenspieler, mit denen es Alex je zu tun hatte. Sie waren nicht nur irgendwelche brutalen Heinis, sondern sie hatten echt Charisma. Man liebte es sie zu hassen. Obwohl Horrowitz dieses Mal viel Zeit darauf verwendet hat, einen sorgfältig gestalteten Psychopathen samt laaaanger Backgroundstory einzuführen, fand ich Razim im Endeffekt trotzdem eindimensional und wenig einprägsam. Zwar wird ihm noch ein alter Bekannter zur Seite gestellt, der das persönliche Interesse an Alex Tod hat, welches Razim vermissen lässt, aber auch er kommt nicht annähernd an die oben genannten Schurken ran.
Das größte Manko ist aber die Distanzierheit mit der das Buch erzählt wird. Über die gesamte Reihe hinweg, wurde immer wieder betont, wie wichtig Jack für Alex ist. Allerdings gab es kaum Szenen, die das belegt hätten. Dieses Mal spielt seine Housekeeperin zwar eine größere Rolle, aber wieder werden ständig Gelegenheiten ausgelassen, in denen die beiden wirklich als Freunde miteinander interagieren können hätten. Als Alex bester Schulfreund angeschossen wird, stellt Alex zwar sicher, dass Tom nicht schwer verletzt wird, sagt aber kein einziges Wort der Beruhigung oder ähnliches zu ihm, bevor er losläuft um den Attentäter zu verfolgen. Es sind solche Szenen, in denen man als Leser eine Beziehung zu Charakteren aufbauen könnte. Aber da Alex selbst immer irgendwie distanziert bleibt, hält sich aus das Mitgefühl des Lesers mit den einzelnen Charakteren in Grenzen. Ich hatte mir bereits öfters gedacht, dass es besser wäre, die Story aus Alex Sicht zu erzählen - gerade in Scorpia Rising wäre dies wünschenswerter denn je gewesen. Man weiß sehr selten, was wirklich in ihm vorgeht und dieses Mal wird dies zum echten Problem. Diese Story hätte die bisher dramatischste, emotional aufwühlenste sein können, recht, um die eine oder andere Träne zu vergießen. Aber man erfährt so wenig von Alex Gefühlen, dass man einfach nicht wirklich mitgerissen wird.
Das Ende fand ich leider auch nicht wirklich gelungen. Der Grund, dass das Buch trotzdem drei Sterne bekommt, ist, dass es trotz allem spannend ist, die Locations gut sind und man einige sehr interessante Dinge über Alan Blunt und Mr. Smithers erfährt. Scorpia Rising ist für sich alleine genommen sicher nicht schlecht - ich hatte vom Alex Rider Finale, gerade nach der massiven Promotion, aber einfach noch mehr erwartet.