Wenn man "Alex und der Löwe" mit einer 3-Millionen-Euro-Produktion wie "Sommersturm" vergleicht, wird man zwangsläufig enttäuscht sein und sich über die technischen Grobschlächtigkeiten aufregen können. Besonders die Tonmischung läßt sehr zu wünschen übrig. Die Kameraführung ist in einigen Szenen gut, in anderen unangenehm statisch (im Abspann sind drei verschiedene Kameramänner aufgeführt), die Ausleuchtung nicht immer stimmig und die insgesamt sehr sparsamen Schnitte lassen "Alex und der Löwe" streckenweise wie ein abgefilmtes Theaterstück daherkommen. Vom filmhandwerklichen Standpunkt betrachtet ist es eindeutig eine Amateurproduktion. Komischerweise nahm ich das dem Film nicht krumm, denn wenn man einmal von den Unzulänglichkeiten (ein Rezensent sprach bereits die Anschlußfehler an) absieht, kann man sich an witzigen Dialogen, komischen Situationen und auch liebenswert zarten Momenten erfreuen. Die schrägen Charaktere sind stimmig geschrieben und insgesamt bemerkenswert gut gespielt (laut IMDb war es für einige Schauspieler der erste Film). Besonders das Trio Sascia Haj-Udo Lutz-Beate Kurecki als die boshaften Freunde des titelgebenden Alex sind ein Krafttraining für die Lachmuskeln. Im Vergleich zu ihnen fallen André Schneider und Marcel Schlutt in Sachen Humor leicht ab, dafür ist ihre Romanze zart gezeichnet und ihre Szenen (beispielsweise der Heimweg nach dem Theaterbesuch oder die Szene mit der Riesentasse nach der Bikiniparty) liebevoll gestaltet. Die Locations sind gut gewählt und ausgestattet, in den Wohnungen dominieren warme Rot- und Orangetöne. Eine besondere Erwähnung verdient der schwungvolle Soundtrack, der zum größten Teil aus französischen Chansons besteht, die der Geschichte einen für deutsche Filmverhältnisse ungewöhnlichen Touch verleihen. Leider wurde das Konzept nicht konsequent durchgezogen, so dass viele Szenen ohne musikalische Untermalung sind und der Humor an diesen Stellen ein wenig verpufft. Man darf "Alex und der Löwe" insgesamt nicht zu ernst nehmen und sollte sich einfach darauf einlassen, einen No-Budget-Film, der offensichtlich mit viel Liebe und Feingefühl gemacht wurde, zu sehen, und man wird mit einer spritzigen Sommerkomödie (nicht nur fürs schwule Publikum) belohnt.