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Alex, Dafi und ich: Roman über die Freundschaft
 
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Alex, Dafi und ich: Roman über die Freundschaft [Gebundene Ausgabe]

Gila Almagor , Pressler Mirjam
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Auch wenn sich die israelische Schauspielerin gila Almagor seit 23 Jahren krebskranken Kindern widmet, ist dieses buch kein eindimensionaler Betroffenheitsbericht, sondern eine Tiefenbohrung in Sachen Schmert." Börsenblatt spezial, 6.9.2005 "Gila almagor erzählt vom Zauber einer starken Freunschaft und von der Kraft, die von einem anderen Menschen ausgeht, auf den man sich uneingeschränkt verlassen darf." Salzburger Nachrichten, 17.12.2005 "Die israelische Schauspielerin und Schriftstellerin Gila Almagor hat eine sehr ernsthafte Geschichte über pubertäre Verwirrung und den Wert echter Freunschaft geschrieben, die wahrhaft zu tränen rührt." Bücher, Januar 2006

Kurzbeschreibung

Acht Monate, eine Woche und einen Tag kann Avner nichts erschrecken, denn in dieser Zeit ist Alex sein bester Freund - selbst als es um die Gunst der schönen und lustigen Dafi geht, in die beide verliebt sind. Doch dann wird Alex krank. Schwer krank. Für Avner und Dafi steht fest: Was auch immer geschieht, sie werden seine Freunde bleiben - für immer und ewig. Eine berührende Geschichte von wahrer Freundschaft und vom Abschiednehmen.

Über den Autor

Gila Almagor, in Kinderheimen aufgewachsen, ist eine der prominentesten und vielseitigsten Schauspielerinnen Israels. 'Der Sommer von Aviha' erschien 1986 in Tel Aviv, ein Jahr später wurde daraus ein sehr erfolgreiches Theaterstück. 1989 gewann der Film zum Buch (mit ihr in der Hauptrolle) bei den Berliner Filmfestspielen den 'Silbernen Bären'.

Auszug aus Alex, Dafi und ich von Gila Almagor. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Alex Lerner war mein Freund, Alex Lerner war mein bester Freund. Ich glaube, ich werde nie wieder einen so guten Freund haben wie ihn.

Ich sitze am Tisch, rühre das Essen nicht an und denke nur

an ihn, an Alex, und mein Vater sagt: »Ich weiß, Junge, was dir im Kopf rumgeht, aber du bist noch ein Kind, und mit der Zeit wirst du andere Kinder kennen lernen und neue Freunde haben. Du wirst sehen, wie viel Freunde du noch haben wirst. Schließlich bedeutet hier, bei uns, Freundschaft etwas ganz anderes als

in anderen Gesellschaften...« Ich schweige und mein Vater fährt fort: »In Israel schließen die Leute vor allem in der Armee Freundschaften, in den Kriegen und bei den Wehrübungen«, und ich nicke, als Zeichen, dass ich ihm zuhöre, obwohl ich am liebsten aufstehen und weggehen würde, aber es ist nicht höflich, aufzustehen und zu sagen: Lass mich in Ruhe, Papa, ich will dir nicht zuhören, mir ging es gut mit meinen Gedanken an Alex, ich sehe ihn vor mir, und ich erinnere mich an die schönen Momente, die ich nie vergessen möchte.

[...]

Nie werde ich vergessen, in allen Einzelheiten, wie unsere Freundschaft begonnen hat, und auch nicht, wie sie geendet hat. Er kam ein paar Wochen nach Schuljahresbeginn in unsere Klasse, gleich nach den Feiertagen. Noga Gross, unsere Klassenlehrerin, stellte ihn uns vor: »Hört her, das ist Alex Lerner, er ist mit ein bisschen Verspätung zu uns gekommen, aus Jerusalem, aber nicht zu spät, nicht wahr?« Sie wandte sich zu ihm. »Und das, Alex, ist deine Klasse, die 7a, und dort wirst du sitzen.« Sie deutete auf den freien Platz neben Dafi und fuhr fort: »Du wirst neben Dafna sitzen. Ich bin sicher, dass ihr gut miteinander auskommt.« Sie betonte den Namen Dafna, obwohl wir sie alle Dafi nennen. Aber die Art, wie sie Dafna aussprach, mit der richtigen Betonung auf der zweiten Silbe, machte den Namen plötzlich noch schöner. Ich schaute hinüber zu Dafi und zu dem freien Platz neben ihr, mit dem ich von Schuljahresbeginn an geliebäugelt hatte. Aber ich genierte mich, weil ich damit verraten hätte, dass ich in sie verliebt bin. Mehr als einmal habe ich geplant, diesen freien Platz zu besetzen, und habe mir auch schon alle möglichen Sätze überlegt, die ich zu ihr sagen könnte. Ich schwankte zwischen »Das macht dir doch nichts aus, oder?« und »Ich sehe von der Seite einfach zu wenig, macht es dir was aus, wenn ich mich hierher setze?« oder einfach: »Findest du es nicht traurig, so allein? Nun, da bin ich!«. Aber ich habe nicht gewagt, diesen Schritt zu tun, und deshalb sitze ich noch auf demselben Platz wie im vergangenen Jahr. Und da kommt dieser neue Junge, geht zu Dafis Bank und setzt sich. Ich beobachtete neidisch, wie er seine Tasche auf den Tisch legte, seinen Kram herausnahm und sich auf dem neuen Platz einrichtete. Ich beobachtete ihn genau und sah, dass er Dafi keinen Blick zuwarf, er konzentrierte sich nur auf das, was er tat. Das beruhigte mich. Vielleicht gehört er zu den Jungen, die sich nicht für Mädchen interessieren, dachte ich. Als sie ihn anlächelte, lächelte er noch nicht mal zurück. Er saß da und schaute aufmerksam zu Noga.

Aus den Augenwinkeln beobachtete ich ihn weiter. Er hatte etwas, das mir vom ersten Augenblick an gefiel. Etwas an seiner Körpersprache. Etwas Langsames, Bedächtiges, Ordentliches. Vielleicht waren es auch die großen dunklen Augen in dem hellen Gesicht. Er trug eine große, auffallende Armbanduhr, so eine, wie Piloten oder Astronauten sie tragen, dachte ich, und seine Bücher waren eingebunden, alles ordentlich und schön. Nachdem ich ihn genau gemustert hatte, sagte ich mir, dieser neue Junge hat etwas, was mir gefällt. Einen Jungen wie diesen hätte ich gern zum Freund. Ich habe das Gefühl, dass wir Freunde sein könnten, Alex und ich. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie einen wirklich guten Freund, einen richtigen Freund, einen besten Freund. So wie Ro’i und Dor, die Unzertrennlichen, oder wie Daniel und Alon, die sehr enge Freunde waren. Ich wollte auch einmal einen besten Freund haben.

2

Als Alex zu uns in die Klasse kam, verblüffte er uns vom ersten Tag an mit seinem Wissen. Er war ausgezeichnet in Mathematik, er sprach sehr gut Englisch und wusste überhaupt in sehr vielen Bereichen gut Bescheid, zum Beispiel was Bücher oder historische Ereignisse und Staatsführer betraf, er kannte die Namen von Menschen aus Kunst und Wissenschaft, von denen ich noch nie gehört hatte. Er wusste einfach alles! Einmal, als ich mein Erstaunen darüber laut aussprach, sagte Dor, der Anführer unserer Klasse (jedenfalls hält er sich selbst dafür), verächtlich: »Dieser Jerusalemer, er hockt wie ein Jeschiwah-Schüler zu Hause und brütet, lernt alles auswendig und dann will er damit angeben. Aber er versteht keinen Spaß, dieser Jerusalemer...«

Und Ro’i (den ich immer Dors Schatten nenne) fügte hinzu: »Was heißt da, er versteht keinen Spaß? Hat ihn schon mal jemand lachen gesehen? Gut, na ja, was kann man von so einem humorlosen Jerusalemer schon erwarten?«

[...]

Plötzlich war da ein Neuer, der neugierig machte. Ja, es gab keinen passenderen Ausdruck. Im Unterricht ragte er heraus, aber in den Pausen war er allein und versuchte noch nicht einmal, sich uns zu nähern. Er sprach wenig, nur das Nötigste. Hier ein Wort und da einen Satz. Und außer dass er aus Jerusalem gekommen war, wussten wir nichts.

Einmal bin ich ihm nach der Schule auf dem Heimweg hinterhergegangen. Ich sah, dass er an der Pizzeria von Schalom und Sima anhielt, sich eine Pizzaschnitte und eine Dose Cola kaufte, bezahlte und weiterging. Ich wollte wissen, wo er wohnte, und dachte, ich könnte so tun, als würde ich ihn zufällig treffen und ein Gespräch beginnen. Aber im letzten Moment hatte ich irgendwie keinen Mut, ihn anzusprechen, deshalb bog ich in die nächste Seitenstraße ab und wartete, dass er weiterging, damit ich ihm von weitem folgen und sehen könnte, wo er wohnte. Er bemerkte mich nicht. Ich sah, dass er in ein großes Haus mit vielen Wohnungen in der Ben-Jehuda-Straße ging,

in die Erdgeschosswohnung rechts. Ich ging zu der Tür und sah ein kleines Schild: Irina Lobitz-Lerner, Alex Lerner. Nur zwei Namen. Ich verstand, dass er mit seiner Mutter lebte, und fragte mich, wo sein Vater war. Er musste einen Vater haben. Aber vielleicht auch nicht? Vielleicht wirkte er deshalb so traurig und verschlossen.

Auch heute weiß ich nicht, was mich so zu ihm hinzog, warum ich wissen wollte, was hinter seiner stillen Art steckte. Ich wollte erfahren, was er in seiner Freizeit tat, was ihn interessierte, ich wollte ihn kennen lernen, diesen Alex Lerner. Aber ich traute mich nicht.

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