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Avner spürt aber schon früh, daß er machtlos ist. In diesen Abschnitt seines Lebens schneit von heute auf morgen ein Mensch in seinen Alltag, mit dem ihn über acht Monate eine Freundschaft verbinden wird, die ihres gleichen sucht. „Alex Lerner war mein Freund, Alex Lerner war mein bester Freund. Ich glaube, ich werde nie wieder einen so guten Freund haben wie ihn.“
Alex Lerner, mit seinen Eltern aus Russland nach Israel ausgewandert, lebt mit seiner Mutter allein in einer kleinen Wohnung, nachdem sein Vater sich von seiner Mutter hat scheiden lassen und mit einer anderen Frau nach Amerika gegangen ist. Er kann deshalb im weiteren Verlauf der Handlung seinem Freund Avner gute und hilfreiche Tipps geben, als dessen eigener Vater wegen einer anderen Frau die Familie verlässt und Avner darüber bald verrückt wird.
Kaum hat sich Alex Lerner etwas in seine Klasse eingelebt und diese ihn mit Hilfe der wundervollen Lehrerin Noga als einen der ihren aufgenommen, bricht er beim Sport zusammen und kommt ins Krankenhaus. Diagnose: Alex hat Krebs. Nun beginnt die wirkliche Bewährungsprobe einer Freundschaft zwischen drei Kindern (Jugendlichen), in der jeder den anderen auf seine Weise liebt, so stark und intensiv , wie man in diesem Alter nur lieben kann. Alex, das Mädchen Dafi und eben Avner, der lernt, seine Freundschaft zu den beiden über seine eigene Liebe zu Dafi zu stellen.
Gila Almagor schildert zunächst den Kampf der Lehrerin Noga um die Kinder in ihrer Klasse und um ein menschliches Klassenklima und dann den Kampf von Kindern und Erwachsenen gegen die Krankheit von Alex mit einer Sprache und Einfühlsamkeit, die mich sehr angerührt hat. Über viele Seiten ist sind mir beim Lesen Tränen der Betroffenheit das Gesicht hinuntergeflossen. Ich habe versucht nachzuspüren, woher eine solche starke Emotion herkommt und ich habe herausgefunden, daß es nicht die Krankheit und der tapfere Kampf der beschriebenen Menschen dagegen war. Sondern es war die innere Haltung dieser Menschen, die in einem Land, das quasi in einem permanenten Kriegszustand sich befindet und dessen Kinder täglich in ihren Schulen und Bussen von tödlichen Terroranschlägen bedroht sind. Eine innere Haltung, die viel Menschlichkeit ausstrahlt, viel Hoffnung setzt auf das Mitgefühl. An machen Stellen habe ich mich kritisch gefragt: hatte Gila Almagor Vorbilder für ihre Figuren ? Gibt es eine solche Lehrerin wie Noga ? Gibt es zwölfjährige Kinder wie Alex, Dafi und Avner, die so differenziert denken und handeln können ?
Gibt es Eltern, die über alle Krisen hinweg, den echten Kontakt zu ihren Kindern halten können und sie als echte Lebenspartner sehen können mit eigenen Zielen und eigenem Willen ?
Als Vater eines zweijährigen Sohnes hoffe ich, daß es solche Menschen wirklich gibt. Ich wünsche es ihm und ich wünsche es mir selbst, daß wir zu solchen Menschen werden können und auch solchen begegnen auf unserem Lebensweg. Ich wünsche mir gelingendes Leben, auch wenn der Tod sich dazwischen stellt.
Ein Buch, das solche Gefühle und Wünsche, solche Gedanken und Sehnsüchte auslöst, kann man nur weiterempfehlen.
Und auf der Party von Dafi, die Avner heimlich liebt, hat sie nur Augen für Alex. Zum Teufel mit dem arroganten Jerusalemer. Avner hat schon so genug Probleme, da sind Dor und Ro’i, die in der Klasse das große Wort führen, denen er so gerne widersprechen würde, sich aber nicht traut. Und sein Vater ist so merkwürdig in letzter Zeit, kommt oft nachts nicht nach Hause und bald stellt sich heraus, dass er eine Freundin hat.
Dann wagt es ausgerechnet Dafi Dor und Ro’i zu widersprechen, die Vorurteile an der Schule anzusprechen und Alex unterstützt sie. Und Avner will, wenn er Dor nicht offen entgegentritt, Dafi wenigstens sagen, wie sehr er sie für ihren Mut bewundert. Langsam entwickelt sich zwischen Alex, Dafi und Avner eine Freundschaft, eine seltsame, unglaubliche Freundschaft. Schließlich sind Alex wie Avner in Dafi verliebt. Dann stellt sich heraus, dass Alex Krebs hat und ...
GilaAmagor hat eine zarte, sensible Geschichte über Freundschaft, erste Liebe, über Cliquen und Vorurteile in der Pubertät geschrieben – und natürlich über den Tod, der so plötzlich hinter Alex steht. Vielleicht wird diese Geschichte dem einen oder anderen ein wenig zu ruhig, zu sensibel erscheinen. Aber sie schafft es sich mit dem Thema Tod auseinander zu setzen, mit dem, was passiert, wenn ein Freund plötzlich nicht mehr da ist.
Fazit: Sensibler Jugendroman um ein Thema, das eher selten angesprochen wird.
(C) Hans Peter Roentgen
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