Das jüngst erschienen Buch von DuQuette glänzt zunächst durch eine äußerst professionelle Aufmachung. Hier ist die Arbeit der Grafikerin -Antje Hellmanzik- lobend zu erwähnen. Eine übersichtliche Gliederung führt den Leser durch die 78 Karten des Thoth Tarot Decks. Sicherlich hätte man den Seitenraum besser nutzen können, jedoch künstlerisch ist das Buch ein absolutes High Quality-Produkt.
Inhaltlich ist das Werk deutlich durch die OTO-Veröffentlichungsstrategie gefärbt. Die ersten 30 Seiten bringen nichts, was über das bislang Bekannte hinausgeht. Mr. DuQuette läßt uns hier teilhaben an seiner Lebensgeschichte, informiert uns über seinen Bekannten- und Freundeskreis und ergeht sich gründlich in esoterischer Nabelschau.
Nach einer kurzen, belanglosen Einlassung über den Golden Dawn Orden kommt der Autor dann zu interessanteren Dingen. Er berichtet sehr detailgetreu über das Verhältnis Crowley/Harris und zitiert umfangreich aus den persönlichen Briefen, die dem Leser einige Einblicke in die Atmosphäre der Zeit der Schaffung des Decks gewähren.
Ab Seite 49 widmet sich DuQuette dem "kuriosen kleinen Buch", dem Liber Legis, dessen Verse er lässig als "Parolen" bezeichnet. Erstaunlich, daß der Frater Superior des OTO, Hymeneus Beta, diese Titulierungen so durchgehen ließ, aber durchaus amüsant zu lesen, wie hier über das wohl bahnbrechendste spirituell inspirierte Werk des vergangenen Jahrhunderts geplaudert wird. Der Autor, der Mitglied des Ordens ist, dem Crowley vorstand, versäumt auch nicht, sich gehörig vom "Meister Therion" zu distanzieren, was für die Verkaufszahlen sicherlich förderlich ist. Seine halbherzigen Rehabilitationsversuche des "Propheten des neuen Äons" mittels Vergleichen zu biblischen Propheten erhalten dann eher humoresquen Charakter (S.50). Auch im Kapitel 6, in welchem DuQuette auf das heraufziehende Horusäon eingeht: wieder Bibelvergleiche, die eher unangebracht erscheinen.
Kapitel 7 "Die Vision und die Stimme" entblößt den Autor schließlich als einen Menschen, der zu diesem magischen Bereich nicht den geringsten Bezug aufzuweisen hat. Für Einsteiger ist dieser Aufsatz verwirrend, für Crowleykundige ein Bereich, den man getrost überblättern kann.
Dann erfahren wir im Kapitel 8 auf 25 Seiten Dinge über die Rückseite der Karten, welche wir seit Isreal Regardies Veröffentlichungen ("Das magische System des Golden Dawn") bereits wissen. Seite 100-128 bergen Geheimnisse über den Aufbau und die Korrespondenzen des Lebensbaumes, die sicherlich für Neueinsteiger interessant zu lesen und übersichtlich aufgearbeitet sind.
In Teil II des Buches kommt der Autor endlich zur Sache, oder zumindest zu dem, was er dafür zu halten scheint. Auf den ersten 20 Seiten wird das vorher Gesagte noch einmal "im Schnelldurchauf" repetiert. Auf den weiteren 230 Seiten widmet sich DuQuette den 78 Karten des Thoth Decks, eingestreut einige Zitate aus Schriftverkehr und Auszüge aus Crowley-Literatur. Wer das Bucht Thoth gelesen hat, muß diesen Teil nicht lesen. Im Durchschnitt werden dort auf 3 Seiten, durch reichlich Leerräume übersichtlich gestaltet, die Großen Arkane und dann jeweils einseitig die kleinen Trümpfe behandelt. Leider ist das einzig Neue daran das Layout sowie der stark gewöhnungsbedürftige Plauderton DuQuettes. Es mag den ein oder anderen Leser unterhalten, wenn der Autor die Eigenarten seiner Söhne ausbreitet, jedoch an sachlicher Information und neue Erkenntnisse zum Thoth Tarot Deck läßt dieses Werk einiges vermissen. Einziger Lichtblick ist die scheinbar überarbeitete Version der Deutungsvorschläge Crowleys ab Seite 384. Auf den Seiten 401-428 dann schließt der Autor mit einem interessanten "Glossar der thelemitischen und der Tarotbegriffe", das gern etwas umfangreicher hätte ausfallen können.
Fazit: Diese Buch eignet sich für Thoth Tarot-Einsteiger sicherlich hervorragend, da es grafisch und strukturell ansprechend und sicherlich leichter zu lesen ist, als das Buch Thoth von Crowley. Der inspirierte und vorgebildete Leser gewinnt mit diesem Werk bestimmt ein qualitativ hochwertiges Stück für's Sammlerregal. Inwiefern das dem Leser allerdings 27,50 Wert ist, muß nun jeder selbst entscheiden.