Ein wichtiges Buch, das nicht nur von Betroffenen und ihren Angehörigen gelesen werden sollte. Ich würde mir wünschen, dass dieses Buch eine möglichst weite Verbreitung findet, denn es könnte erheblich zur allgemeinen Sensibilisierung in unserer Gesellschaft beitragen und so mithelfen, dass Täter nicht mehr so leicht davonkommen wie das heute immer noch der Fall ist. Ich befürchte allerdings, dass mein Wunsch unerfüllt bleiben wird. Zwar war das Thema "sexueller Missbrauch von Kindern" - durch bekannt gewordene zahlreiche Fälle in Schulen, Heimen und kirchlichen Einrichtungen - erst vor kurzem noch in allen Medien zu finden, ist aber doch sehr bald wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, sind wir zu allermeist blind gegenüber dem, was in unserem Umfeld, unserer Nachbarschaft, im Bekanntenkreis, ja sogar im engsten Kreis der Familie und Verwandtschaft geschieht. Deutliche Anzeichen und Signale Betroffener werden übersehen oder als unsinnig abgetan, weil wir nicht wahr haben wollen, dass so etwas direkt vor unseren Augen geschehen kann.
Die Autorin hat das leidvoll erfahren müssen und war, wie Tausende andere kindliche Missbrauchsopfer ebenfalls, gefangen in der Schuldfalle, die von den allermeisten Tätern auf ganz perfide Art um die Opfer herum aufgerichtet wird, in dem sie ihren Opfern einreden, sie seien Urheber oder Auslöser des Geschehens und damit schlecht und schuldig.
Die Schäden, die ein solcher Missbrauch in Kinderseelen anrichtet und den langen, schwierigen Weg ihrer Heilung durch Gottes treusorgende Liebe, beschreibt die Autorin sehr offen und auf eine klare, unaufgeregte Weise, die anderen Opfern sicher Trost und Mut geben kann.
Wie erwähnt, ein wichtiges Buch, das verdient gelesen zu werden.
Einziger anzumerkender Kritikpunkt ist vielleicht mein Eindruck, dass einige wenige Passagen des Buches ein bissl nach "Schulaufsatz" klingen, was ein aufmerksamer Lektor sicher hätte verhindern können. Insgesamt aber hat es die Autorin geschafft, mit klarer nüchterner Sprache dennoch Emotionen auszulösen die - hoffentlich - zu mehr Wachsamkeit im eigenen Umfeld führen.
Erich Kästner schrieb einmal: "An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern." Das gilt nicht nur für jedweden Unfug, sondern auch und gerade für Verbrechen an Kindern.
Fazit: Kaufen - lesen - weiterempfehlen!