Um es zugespitzt zu formulieren: GERMANIA von Alberto Franchetti (uraufgeführt 1902 in Mailand) ist ein Verismo-Werk für Menschen, die eigentlich keinen Verismo mögen. GERMANIA ist melodiöser als die meisten Puccini Opern. Eine positive Überraschung - die auch bei den Aufführungen in der Deutschen Oper immer wieder die Besucher erfreut. Mich eingeschlossen. Wenn man GERMANIA hört, wird auch sehr schnell klar, warum in der Uraufführung ein Star wie Enrico Caruso gesungen hatte.
Dass der Inhalt grenzwertig einfach und deutschtümmelnd überzogen ist, italienisch übertrieben (!), stört nicht wirklich. Die Inszenierung von Kirsten Harms ist stark reduziert, baut auf lichtdurchflutete Bilder, leer Räume, die man ohne Nachzudenken zur Musik wirken lassen kann. Nürnberg, der Schwarzwald, Königsberg und Leipzig sind die Schauplätze der Handlung. Hier müsssen die Akteure große Distanzen überwinden, anfangs des 19. Jahrhunderts, ganz ohne Fernzüge und Flugzeuge.
Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhundert geriet diesese Werk schnell in Vergessenheit, wie auch der Komponist Franchetti. GERMANIA, eine wirklich hörenswerte Oper, die Begeisterung auslösen kann.