Bei der vorliegenden Erzählung von Vanderbeke handelt es sich um eine gar nicht ins Kitschige verfallende Geschichte über eine große Liebe, die mit dem Durchbrennen beginnt und nicht ganz so endet, wie die Beteiligten es sich wünschen würden... Ganz besonders gefallen hat mir der Ton, in dem die Ich-Erzählerin von dieser Liebe berichtet, ein wehmütiger, aber dennoch realistischer Ton, der es dem / der Leser/in ermöglicht, die Gefühle nachzuempfinden und in gewisser Weise zu glauben. Teilweise habe ich mich sogar dabei ertappt, schon einmal genauso gefühlt zu haben. Mit einem Augenzwinkern sei hier zum Beispiel an die Stelle verwiesen, in der die Ich-Erzählerin fragt: „Magst du eigentlich Brahms?". Auch sehr schön fand ich, daß eine Liebe über ein halbes Leben hinweg beschrieben wird und dies auf so engem Raum und unter Erzeugung einer schnörkellosen, erzählerischen Dichte ohne Umschweife. Originell ist auch der Aufbau des Textes, über den ich hier nicht zuviel verraten möchte (sonst macht's keinen Spaß mehr), der den/die Leser/in zu einem gewissen detektivischen Kombinieren auffordert. Also, sollten Sie gerade verliebt, verheiratet oder getrennt sind, egal, denn aus diesem Buch kann meiner Meinung nach jeder etwas Positives mitnehmen, denn neben erzählerischem Talent, Humor und Sprachgefühl beweist die Autorin noch etwas sehr Wichtiges: Intelligenz.