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Speers Laufbahn begann als Architekt für die NSDAP, wo er rasch zum Liebling des baubegeisterten Hitler wurde. Bis heute ist Speer vor allem durch seine in nazi-typischer "Despotenarchitektur" entworfenen Gebäude bekannt, weswegen ihn die Nachkriegs-Öffentlichkeit eher selten mit nationalsozialistischen Terrortaten verband.
Doch bereits als "Generalbauinspektor" war Speer in Verbrechen verwickelt. Belegt ist die Beteiligung von Speers Behörde an der Umsiedlung von Juden und die Kenntnis des Amtschefs hierüber. Ein krasser Gegensatz zu früheren Äußerungen Speers, in denen er von den Verbrechen der Nazis nichts gewußt zu haben vorgab. Ab 1942 brachte Speer als Rüstungsminister dann die deutsche Wirtschaft unter Ausbeutung von Zwangsarbeitern auf Kriegskurs.
Zu den Unerklärlichkeiten in Speers Leben gehört seine Verweigerung des "Nero-Befehls" 1945, mit dem Hitler den Alliierten nur zerstörtes Land hinterlassen wollte. Dies und seine Übernahme einer "Gesamtverantwortung" ersparten Speer vermutlich das Todesurteil im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß und brachten ihm statt dessen 20 Jahre Inhaftierung ein.
Fest gelingt es, Speers "merkwürdig ungereimten Charakter" zu erfassen und diese "ambivalente Figur" nachzuzeichnen. Er offenbart eine Persönlichkeit, die gleichermaßen intelligent und realitätsnah wie schwärmerisch war. Sein Realitätsbezug war es wohl auch, der Speer 1966 in den Gesprächen mit Joachim Fest gewisse Dinge schlicht "vergessen" ließ und der die so entstandenen "Erinnerungen" in ein trübes Licht rückte. Fest kann mit diesem Band nun eine wirklich tiefgehende Biographie Speers nachreichen. --Joachim Hohwieler
Gegen eine sonst mehr beschreibende Geschichtsforschung für die breite Masse in Guido-Knopp-Manier, quasi Geschichte-light, setzt er seine analytischen Fähigkeiten als Soziologe.
Beginnend mit der Beschreibung des Elternhauses, zeigt Fest die Mitschuld des deutschen Bürgertums an der "Machtergreifung" Adolf Hitlers und seiner braunen Satrapen. Über die anfängliche Erfolglosigkeit Speers und die ersten Aufträge, bsp.weise die Planung der Reichsparteitage bis hin zum allmählichen Aufstieg der beschriebenen Figur wird kein Detail vergessen. Die besondere Art und Weise der Machtausübung, die ganz gegen die Manier des "1000-jährigen Reiches" in klarer Linie Verantwortlichkeiten in die Hände von Experten und nicht treuen Parteimännern übergibt, kommt ebenfalls zum Ausdruck.
Auch der Hinweis auf die Teilnamhe Speers an der Vertreibung der Berliner Juden, die dieser in seinen Memoiren unterschlagen hat, fehlt nicht.
Für mich von weit größerem Interesse als die Nennung dieser historischen Tatsachen ist die Analyse des Gewissenkonfliks, in dem sich Speer befindet. Er hat gegen Ende des Krieges das wahre Wesen seines "Herrn und Meisters" erkannt und versucht sich allmählich davon zu lösen. Dies führt ihn im letzten Schritt zum Eingeständnis seiner Schuld im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß.
Dieses Buch erscheint mir deshalb so lesenswert, weil der Typus des gewissenlosen Technokraten nicht an ein bestimmtes System gebunden ist. Man wird ihn in jeder industrialisierten Staatsform erblicken können, egal ob Demokratie oder Diktatur.
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