50 Jahre nach dem Tod Albert Schweitzers, 90-jährig in Lambarene, Westafrika, kommt dieser großartige Film in die Kinos, der einen turbulenten Lebensausschnitt des Universalgenies nachzeichnet.
Die Geschichte beginnt 1949 in den USA. Der Kalte Krieg, die neuesten Entwicklungen zur Atomenergie und das Wettrüsten der Supermächte halten die Welt in Atem. Da reist der weltweit bewunderte Humanist und engagierte Urwalddoktor Albert Schweitzer (Jeroen Krabbé) gemeinsam mit seiner Frau Helene (Barbara Hershey) in die USA, um Spendengelder zur Erbauung einer neuen Leprastation in Gabun zu sammeln. Großzügige Geldbeträge krönen den Erfolg seiner Reise, doch seine freundschaftliche Beziehung zum politisch ambitionierten Atombombengegner Albert Einstein (Armin Rohde) ruft den CIA auf den Plan. Dieser schmiedet einen Verleumdungsplan gegen Schweitzer, den CIA-Agent Figgis vor Ort umsetzen soll. Das Ziel Phil Figgis ist, das Lebenswerk Schweitzers in den Augen der Welt in Misskredit zu bringen, um ihn somit mundtot zu machen.
Während sich Schweitzer zunehmend öffentlich über die zunehmende Gefahr der Atombombentests äußert, droht die politische Situation kurz vor Ende der Kolonialherrschaft in Gabun zu eskalieren. Die Regierung der USA hält diese Tests für unabdingbar, um die technologische Vormachtstellung gegenüber der Sowjetunion wahren zu können. So wird in den Augen des US-Geheimdienstes denn auch jede Äußerung gegen die Bombe" zu einem Angriff auf die westliche Welt. Lambarene und die im Aufbau befindliche neue Leprastation sind in Gefahr.
Trotz täglicher Drohungen und Anfeindungen erfüllt Schweitzer unbeirrt seine täglichen Aufgaben als Arzt, Seelsorger und Baumeister und stellt sich auch der Kritik seiner Mitarbeiter, die sich wegen veralteter Medikamente, schwacher Stromaggregate und Ungezieferbefall Sorgen um einen effektiven Klinikbetrieb machen. Er tröstet, diskutiert, vermittelt und kümmert sich auch um jedes noch so kleine Detail persönlich.
Entwicklungshilfe, Kolonialisierung, Kalter Krieg, Friedenspolitik, Atomwaffen, Individuum und Gesellschaft sind die zentralen Themen dieses wichtigen Lebensabschnitts eines unsterblich gewordenen Universalgenies, der Ehrfurcht vor dem Leben" nicht nur gepredigt, sondern täglich gelebt hat. Der krönende Abschluss des Films ist die Verleihung des Friedensnobelpreises 1954 in Oslo. Dort kann Schweitzer seinen Appell für Frieden und Abrüstung der ganzen Welt kundtun, unterstützt von einer großen Lichter-Demonstration der bewegten Bevölkerung. Von dem Preisgeld kann das begonnene Lepradorf in Gabun fertig gestellt werden.
Menschlichkeit statt Gerätemedizin, familiäre Gastfreundschaft statt übertriebene Sterilität, Selbstverantwortung ... das scheinen mir auch heute noch erstrebenswerte Schlagworte für eine erfolgreiche, am Menschen orientierte und nicht zuletzt bezahlbare ganzheitliche Medizin zu sein. Aber das nur am Rande ... Eine weitere große Stärke Schweitzers war, die Kultur und die Rituale der Eingeborenen zu respektieren. So benutzte auch er die Vorstellungen von bösen Geistern und dem gefährlichen "Wurm" als Ursache von Krankheit, der vertrieben oder herausgeschnitten werden musste, um das Vertrauen der ortsansässigen Menschen zu gewinnen. Zusätzlich zum Respekt besaß Schweißer eine Autorität, die notwendig war, eine adäquate Pflege und medikamentöse Therapie gegen Aberglaube und Unwissenheit durchzusetzen. Mit den einfachsten Mitteln unter schwierigen hygienischen Verhältnissen galt es schwerste Krankheiten, wie Malaria, Schlafkrankheit, Tuberkulose, Lepra etc. zu bekämpfen.
Theologie, Musik, Philosophie und Medizin waren die Grundzutaten zu einem außergewöhnlichen Leben eines auch heute zeitgemäßen Alltagshelden. Seine Ehrfurcht vor dem Leben und die Liebe zu den Menschen haben ihn erst zu dem gemacht, als der er 1954, auf dem Höhepunkt seines Schaffens, in Oslo geehrt wurde. Mit vielen stimmigen Dialogen wird die eigenwillige und kantige Persönlichkeit des Universalgenies hervorragend herausgearbeitet. Die stimmungsvollen Bilder an Drehorten in Südafrika und liebevolle Details einer originalgetreuen Ausstattung geben ein eindrucksvolles Ambiente der damals vorherrschenden Stimmung in Westafrika wieder.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, daß dieser Film ein spannend inszeniertes Portrait einer eindrucksvollen historischen Persönlichkeit und eines durch und durch wahrhaftigen Menschen im besten Sinne des Wortes ist, der Jung und Alt, Kenner und Nicht-Kenner zu faszinieren vermag.