Dieser Band enthält die vom Herausgeber gesammelten weltanschaulichen Äußerungen und Bekenntnisse von Einstein. Neben zeitgeschichtlichen und politischen Fragen und Gedanken legt E. vor allem Rechenschaft über seine wissenschaftliche Tätigkeit und ihre Einbettung in den gesellschaftlichen Zusammenhang ab. E. gehört zu den Menschen, die es verdient haben, dass man sich anhört, was sie zu sagen haben. Man darf sich darüber freuen, dass er sich selber zu seiner Weltanschauung, seinem persönlichen Glauben schriftlich geäußert hat. Das erspart so manche Spekulationen.
Aus seinen Gedanken kann man entnehmen, dass er sich ehrlich Sorgen machte um die Zukunft der Menschheit. E. war ein mit Demut begabter großer Humanist. Eine Kombination, die wenig aneckt und nicht zu Agitationen neigt. Das kommt auch in seinen Aussagen zum Ausdruck. Er war kein Universalgelehrter wie früher ein Alexander von Humboldt oder Leibniz, er war auch kein dem Philosophieren hingegebener Theoretiker. Man sollte deshalb nicht von seinen Reflektionen lebensfremde Erwägungen erwarten oder all zu Abstraktes. Lesenswert und auch lehrreich sind seine Verlautbarungen auf jeden Fall.
E. äußert sich zum Sinn des Lebens, dem wahren Wert des Menschen, Gut und Böse, Religion und Wissenschaft, Krieg und Frieden, Politik und Pazifismus.
Neue Ideen findet man nicht, nichts Radikales, alles scheint ausgewogen zu sein. Außer, das ihm das Gewöhnliche zuwider war.
Ein Kapitel ist dem Kampf gegen den Nationalsozialismus gewidmet, er war ja als deutscher Jude aus Nazi-Deutschland ausgewandert und stand dann vor der Entscheidung im Kampf gegen das Naziregime teilzuhaben. Ein weiters Kapitel zeigt was ihn noch Zeitlebens beschäftigte, er nennt es jüdische Probleme. Er war der Sache des Zionismus verbunden, aber kein Anhänger des jüdischen Glaubens ("Der jüdische Gott ist nur eine Verneinung des Aberglaubens.") und auch kein Anhänger des Christentums (nur eine Lehre, "die die Menschheit von allen sozialen Krankheiten zu heilen im Stande wäre.").
Auch ein "Brief an einen Araber" ist abgedruckt. Natürlich sieht er auch für den Palästinenserkonflikt nur eine friedliche Koexistenz als erstrebenswertes Ziel.
Das letzte Kapitel befasst sich mit dem Hauptgegenstand seines Lebens, die wissenschaftliche Arbeit. Bezeichnend ist, dass die letzte Überschrift lautet: "Zur Erniedrigung des wissenschaftlichen Menschen".
"Ich glaube daher, dass den Menschen am besten dient, indem man sie mit einer edlen Sache beschäftigt und dadurch indirekt veredelt!" Hm, der Bau der Atombombe war wohl so ein Veredelungsprojekt? E. hat bedauert dabei mitgewirkt zu haben.
"Alles, was von den Menschen getan und erdacht wird, gilt der Befriedigung gefühlter Bedürfnisse sowie der Stillung von Schmerzen." Ist der Mensch wirklich darauf zu reduzieren?
Einsteins Glaubensbekenntnis: "Einen Gott, der die Objekte seines Schaffens belohnt und bestraft, der überhaupt einen Willen hat nach Art desjenigen, den wir an uns selbst erleben, kann ich mir nicht einbilden. Auch ein Individuum, das seinen körperlichen Tod überdauert, mag und kann ich mir nicht denken: mögen schwache Seelen aus Angst oder lächerlichem Egoismus solche Gedanken nähren. Mir genügt das Mysterium der Ewigkeit des Lebens und das Bewusstsein und die Ahnung von dem wunderbaren Bau des Seienden... "
Solche Äußerungen belegen, dass auch Einstein Vorurteile hatte. Es gibt Menschen, die nicht Angst haben, vor dem Tod, sondern vor dem Weiterleben. Die Hindus und Buddhisten beispielsweise empfinden das ewige Rad der Wiedergeburten als belastend. Für sie besteht die Erlösung deshalb darin, es zu durchbrechen. Egoistisch sind alle Menschen, aber meistens hat das nichts mit ihrer Weltanschauung zu tun, sondern mit ihrer Natur. Auch für E. gilt, Fachmann ist man meist nur für sein Spezialgebiet.
Und was ist für ihn der Sinn des Lebens? Er bezweifelt, dass es so etwas überhaupt geben kann. Da ist er konsequent, denn so einen Sinn sich selber zu geben, ist doch zu widersprüchlich. Dafür kann man sich Idealvorstelllungen hingeben. Güte, Schönheit, Wahrheit sind sein erklärter Lebensinhalt, nicht "Behagen" und "Glück", die er als "Ideal der Schweineherde" bezeichnet. Erkennt man da eine gewisse Geringschätzung für den Durchschnittsmenschen? Für sie hatte er noch andere Tiervergleiche:
Zur Majorität der Dummen sagte er, gar nicht ohne Humor: "Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem Schaf sein!"
Überwiegend befasst sich das Buch aber mit Aussagen zu den Naturwissenschaften. Und da war er ein scharfer Denker:
"Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit!" Große Errungenschaft für einen passionierten Mathematiker!
Jahrzehnte lang versuchte er zu beweisen, dass doch alles in die klassischen Physik einbaufähig sei und die Schlussfolgerungen aus der Quantenphysik, die die Grenzen des messbaren Universums überschreitet, nicht zu widerlegen, aber doch zu bändigen. Abgesehen davon, dass er gescheitert ist, scheint es ihn nicht dazu gebracht zu haben, sein eigenes, auf das Sicht- und Messbare eingeschränkte Weltbild zu überdenken.