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Das hieß die kleinen Konkurrenten im Personen- und Güterverkehr zur See verdrängen und sich mit den großen arrangieren, durch Preisabsprachen, Kontingentierung, etc., also durch Beendigung des freien Wettbewerbs im Namen der Marktwirtschaft. Gleichzeitig war Ballin, der sich aus ärmlichsten Verhältnissen hochgearbeitet hatte, ein unermüdlicher Neuerer. Mit Kreuzfahrten ins Mittelmeer lastete er seine Schiffe in den konjunkturschwachen Wintermonaten aus. Doch wichtiger als eine ordentliche Gewinnspanne war dem glühenden Patrioten allemal ein höheres Ziel: Deutschland endlich den ihm gebührenden Status einer Großmacht, sprich: Seemacht, zu verschaffen.
Eberhard Straub zeigt die Wechselbeziehungen zwischen wirtschaftlicher Expansion und politischen Weltmachtsträumen auf, die ihren sichtbaren Ausdruck in der Männerfreundschaft zwischen Wilhelm II. und Ballin fanden. Der gewiefte Manager entpuppt sich freilich als gefährlich unpolitisch denkender Mensch, der in Parlamenten und Kommissionen lästige Hemmschuhe des freien Handels sah und sich als undiplomatischer "Napoleon der See" vor allem die Sympathien der von ihm bewunderten Engländer verscherzte.
Straub legt die Widersprüche in dieser Persönlichkeit mit sicherem Blick und in gut lesbarem, wenngleich gewöhnungsbedürftigem Stil offen und lässt dem Leser Spielraum für eigene Interpretationen. Wieviel Ballin und seine Zeit mit uns Heutigen zu tun haben, muss jeder für sich entscheiden. --Patrick Fischer
manager magazin (07/2001)
Der Erfinder der Kreuzfahrt
Albert Ballin schuf die größte Reederei der Welt und starb auf tragische Weise.
Als Albert Ballin 1857 im Hamburger Arme-Leute-Viertel Baumwall geboren wurde, gab es noch keinen deutschen Staat, und die Meere gehörten den Schiffen Britanniens. Alberts Vater, ein jüdischer Auswanderungsagent, lebte von jenen, die alles aufgaben, um in den USA eine neue Existenz aufzubauen.
57 Jahre später stand Albert Ballin auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Mit der Hapag, der Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt-
Actien-Gesellschaft, leitete er die größte Reederei der Welt. Am 20. Juni 1914, wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ließ er die "Bismarck" vom Stapel laufen, das damals weltgrößte Passagierschiff. Zur See fahren sollte die Bismarck erst acht Jahre und einen verlorenen Krieg später. Unter dem Namen "Majestic" und unter britischer Flagge.
Wer sich für die Industrialisierung der Seeschifffahrt interessiert, für den Aufbruch der Hansestädte in ein neues Zeitalter oder auch nur für die Erfindung der Kreuzfahrt (sie wurde von Ballin ersonnen, um die teuren Atlantikdampfer auch im Winter auszulasten), wird in diesem Buch viel Spannendes erfahren.
Gleichzeitig ist das Buch eine Parabel über die Gründerzeit: Globalisierung trifft auf Provinzialität, Pioniergeist auf Fortschrittsfeindlichkeit. Neue Branchen kämpfen gegen die Zwänge, die ihnen ein veraltetes Rechtssystem auferlegt.
Das hanseatisch-maritime Umfeld dieser Ballin-Biografie erinnert an einen Roman von Thomas Mann. Leider nimmt sich der Autor auch Manns Schreibstil zum Vorbild ohne diese Messlatte zu erreichen. So heißt es über Ballin: "Da funkelte sein Witz auf, er betörte die Damen mit verspielter Courtoisie."
Fazit: Eine spannende Gründerzeitbiografie aus Kaisers Zeiten. Die zeitliche Einordnung gilt allerdings auch in sprachlicher Hinsicht.
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Kurzbeschreibung
Eberhard Straub, "ein Kenner und Könner, ein brillanter Schreiber" (Bayerischer Rundfunk), erzählt die Geschichte dieses außergewöhnlichen Reeders, der die deutschen Seemachtsträume verkörperte wie sonst nur der Kaiser. Ballins Hapag wurde gleichsam zum zivilen Gegenstück des kaiserlichen Flottenprogramms; was Wilhelm II. militärisch an Weltgeltung zur See erreichen wollte (und fatal verfehlte), das gelang Ballin durch kluge Geschäftspolitik und visionäres Unternehmertum.
Ballin ließ Doppelschrauben-Schnelldampfer bauen, als die Technik noch neu und umstritten war; er machte die bis dato eher ungemütliche Seereise zum noblen Vergnügen, indem er Luxusliner entwarf, die an Komfort und Eleganz schwimmenden Palästen glichen. Durch Übernahme und Ausbau anderer Linien war die ehemalige Hamburg-Amerika-Linie schließlich auf allen Weltmeeren vertreten und Ballin, der Sohn eines kleinen jüdischen Tuchhändlers und Reiseagenten, zu "des Kaisers Reeder" geworden. Straub entfaltet mit der Biografie Ballins zugleich die Unternehmensgeschichte der Hapag. Er erzählt von verzweifelten Auswanderern und vornehmen Touristen, von hamburgischen Patriziern wie Carl Laeisz, Konkurrenten wie Adolph Woermann und den Godeffroys, von internationaler Verflechtung und nationalen Animositäten. Es ist eine Erfolgsgeschichte, wie sie erst das Kaiserreich hervorbringen konnte. Als es zusammenbricht, sieht auch Ballin keine Zukunft mehr. Am 8. November 1918 nimmt er eine Überdosis Beruhigungsmittel.
Über den Autor
Bei Siedler erschienen "Die Wittelsbacher" (1994), "Drei letzte Kaiser" (1998), "Albert Ballin" und "Eine kleine Geschichte Preußens" (beide 2001).