Aus der Amazon.de-Redaktion
Was ist das oberste Ziel eines Unternehmens? Profit, Profit, Profit, meint der Autobauer
Jürgen Schrempp; Schiffe bauen und betreiben, meinte der Reeder Albert Ballin, der als Generaldirektor der
Hapag zu den wichtigsten Wirtschaftsführern der Kaiserzeit gehörte. Natürlich war auch er auf Gewinnmaximierung bedacht und zahlte seinen Arbeitern keinen Pfennig zu viel. Ebenso wie heutige Globalisierer setzte Ballin auf permanentes Wachstum, auf Stärke durch Größe, denn "nichts in der Welt kann stehen bleiben, entweder es wächst oder zerfällt."
Das hieß die kleinen Konkurrenten im Personen- und Güterverkehr zur See verdrängen und sich mit den großen arrangieren, durch Preisabsprachen, Kontingentierung, etc., also durch Beendigung des freien Wettbewerbs im Namen der Marktwirtschaft. Gleichzeitig war Ballin, der sich aus ärmlichsten Verhältnissen hochgearbeitet hatte, ein unermüdlicher Neuerer. Mit Kreuzfahrten ins Mittelmeer lastete er seine Schiffe in den konjunkturschwachen Wintermonaten aus. Doch wichtiger als eine ordentliche Gewinnspanne war dem glühenden Patrioten allemal ein höheres Ziel: Deutschland endlich den ihm gebührenden Status einer Großmacht, sprich: Seemacht, zu verschaffen.
Eberhard Straub zeigt die Wechselbeziehungen zwischen wirtschaftlicher Expansion und politischen Weltmachtsträumen auf, die ihren sichtbaren Ausdruck in der Männerfreundschaft zwischen Wilhelm II. und Ballin fanden. Der gewiefte Manager entpuppt sich freilich als gefährlich unpolitisch denkender Mensch, der in Parlamenten und Kommissionen lästige Hemmschuhe des freien Handels sah und sich als undiplomatischer "Napoleon der See" vor allem die Sympathien der von ihm bewunderten Engländer verscherzte.
Straub legt die Widersprüche in dieser Persönlichkeit mit sicherem Blick und in gut lesbarem, wenngleich gewöhnungsbedürftigem Stil offen und lässt dem Leser Spielraum für eigene Interpretationen. Wieviel Ballin und seine Zeit mit uns Heutigen zu tun haben, muss jeder für sich entscheiden. --Patrick Fischer
manager magazin (07/2001)
Der Erfinder der Kreuzfahrt
Albert Ballin schuf die größte Reederei der Welt und starb auf tragische Weise.
Als Albert Ballin 1857 im Hamburger Arme-Leute-Viertel Baumwall geboren wurde, gab es noch keinen deutschen Staat, und die Meere gehörten den Schiffen Britanniens. Alberts Vater, ein jüdischer Auswanderungsagent, lebte von jenen, die alles aufgaben, um in den USA eine neue Existenz aufzubauen.
57 Jahre später stand Albert Ballin auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Mit der Hapag, der Hamburg-Amerikanischen-Packetfahrt-
Actien-Gesellschaft, leitete er die größte Reederei der Welt. Am 20. Juni 1914, wenige Wochen vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, ließ er die "Bismarck" vom Stapel laufen, das damals weltgrößte Passagierschiff. Zur See fahren sollte die Bismarck erst acht Jahre und einen verlorenen Krieg später. Unter dem Namen "Majestic" und unter britischer Flagge.
Wer sich für die Industrialisierung der Seeschifffahrt interessiert, für den Aufbruch der Hansestädte in ein neues Zeitalter oder auch nur für die Erfindung der Kreuzfahrt (sie wurde von Ballin ersonnen, um die teuren Atlantikdampfer auch im Winter auszulasten), wird in diesem Buch viel Spannendes erfahren.
Gleichzeitig ist das Buch eine Parabel über die Gründerzeit: Globalisierung trifft auf Provinzialität, Pioniergeist auf Fortschrittsfeindlichkeit. Neue Branchen kämpfen gegen die Zwänge, die ihnen ein veraltetes Rechtssystem auferlegt.
Das hanseatisch-maritime Umfeld dieser Ballin-Biografie erinnert an einen Roman von Thomas Mann. Leider nimmt sich der Autor auch Manns Schreibstil zum Vorbild ohne diese Messlatte zu erreichen. So heißt es über Ballin: "Da funkelte sein Witz auf, er betörte die Damen mit verspielter Courtoisie."
Fazit: Eine spannende Gründerzeitbiografie aus Kaisers Zeiten. Die zeitliche Einordnung gilt allerdings auch in sprachlicher Hinsicht.
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