Wieder einmal eine "Geschichte einer Liebe in Briefen" und doch so ganz anders: ergreifend, anrührend, nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen zu lesen. Oder - wie Alban Berg schrieb: "Dritter Brief, in Ruhe zu lesen". - Constantin Floros, bekannt und anerkannt als Autor vieler Veröffentlichungen u. a. über Mozart und Beethoven, Bruckner, Brahms und Mahler, hat diese Geschichte einer Liebe aufgeschrieben. Der Musikwissenschaftler legt die Briefe von Alban Berg an Hanna Fuchs vor als eine Art innerer Biografie und ein Beispiel für die Entstehung autobiografischer Musik.
Alban Berg (1885-1935) war einer der bedeutendsten Komponisten der Zweiten Wiener Schule. 1976 entdeckte man im Nachlass von Hanna Fuchs-Robettin, Industriellengattin und Schwester von Franz Werfel, 14 Briefe von ihm. Liebesbriefe. 1925 lernte er die schöne junge Frau kennen - und leidenschaftlich lieben. Bis zu seinem Tode. Sie wurde ihm allerdings nur zur "fernen Geliebten", da eine Verbindung nicht möglich war. Und von ihrer Seite aus wohl auch nicht gewollt. Beide waren sie verheiratet, unterlagen sie moralischen Pflichten ebenso von ihrer Seite aus besonders gesellschaftlichen Zwängen.
Alles also, was diese heimliche Liebe ausmacht, "geschieht" in diesen Briefen voller Verzweiflung, leidenschaftlicher Hingabe, außergewöhnlicher Erschütterung, Ekstase und Todessehnsucht. Im Juli 1925, nach einer Begegnung, schreibt er: "...ich bin seit diesem größten Ereignis nicht mehr ich...Nur ein Gedanke, nur ein Trieb, nur eine Sehnsucht beseelt mich: das bis Du!" Und: "...dass das Glück dieser acht Tage das Unglück der folgenden acht Jahre aufwiegt, und ...mein ganzes Menschenleben wert ist."
Auch die wenigen persönlichen Begegnungen erlaubten keine Intimitäten, keine vertraulichen Gespräche. Es waren Augen-Blicke, flüchtige Berührungen. So blieben nur die - seine Briefe. Als postillon d'amour dienten Alma Mahler-Werfel und Theodor W. Adorno. Und die Musik.
"Am liebsten schriebe ich Lieder. Aber wie könnte ich!: die Worte der Texte verrieten mich. So müssen es Lieder ohne Worte sein, in denen nur der Wissende - nur Du wirst lesen können." Aus der Liebesgeschichte in Briefen wurde ein Liebesbekenntnis in Noten: Alban Bergs "Lyrische Suite" ist dieses Bekenntnis einer unerfüllten Liebe, durch die Hanna Fuchs zur unsterblichen geliebten wurde.
Constantin Floros hat diese außergewöhnliche Geschichte mit sehr großer Sensibilität, sehr kenntnisreich und ausführlich dokumentiert und kommentiert. Er zeigt die Botschaften der Liebe in der Musik Alban Bergs auf, er beschreibt die seelischen Erschütterungen des Liebenden. Alban Bergs Kompositionen werden in Kenntnis dieser Briefe neu gehört werden müssen.