Bei der Verfilmung von Alatriste konnte man aus dem Vollen der Buchvorlage von Perez-Reverte schöpfen. Leider - und das sei gleich vorneweg gesagt - konnte man dem ganzen Stoff unmöglich in einem einzigen Film gerecht werden, auch wenn diesem über 2 Stunden zur Verfügung standen. Der ohnehin bereits teuerste Film Spaniens bis dahin bietet dennoch dem Buch noch erfreulich nahe kommendes Geschehen: Die Atmosphäre des frühen 17. Jahrhunderts wurde gut eingefangen - bildgewaltig und brutal einerseits, prunkvoll am Hofe andererseits - die Geschichte schlüssig, wenn auch nicht vollständig erzählt. Die Geschichte des Söldner-Hauptmanns Diego Alatriste geizt nicht gerade mit Blut und Tod: eben ganz so, wie man sich das Zeitalter des Dreissigjährigen Krieges einfach vorzustellen hat. Für Musketier-Romantik und frohes Fecht-Geplänkel ist hier kein Platz. Die gnadenlose Brutalität und die äusserst realistisch in Szene gesetzten Erlebnisse an der Front der Flandern-Kriege mögen zwar Zuschauer verschrecken, spiegeln sie jedoch gerade diese vielen schmutzige Details, die manch einem Film dieser Hinsicht gänzlich abhanden kamen und der Wahrheit entrückten: hier werden Kehlen aufgeschlitzt, Dolche wieder und immer wieder in den Feind gestoßen, Erbrochenes dem eigen Kameredan aus dem Hals gekratzt, um ihm vor dem Ersticken während des unerbittlichen Grabenkampfes zu bewahren - Hollywood sieht in der Regel doch anders aus. Auch der Kampf in fester Formation zweier Pikeniereinheiten wurde bisher nie derartig wahrheitsgetreu dargestellt, man bekommt nun einen guten Eindruck vom "Hauen und Stechen" auf den europäischen Schlachtfeldern und deren Gnadenlosigkeit. Inhaltlich allerdings springt der Film ziemlich abgehakt von Szene zu Szene, was wie eingangs bereits erwähnt, an der Problematik lag, nicht alles in einem Film gebührend (oder gar überhaupt erst) Platz zu verschaffen. Die Darsteller wie auch die Kostüme und Kulissen wurden gut gewählt und tragen ihren Teil zu diesem interessanten Film bei, dessen Hauptdarsteller mich erneut voll überzeugen konnte. Viggo Mortensen macht ähnlich zu A history of violence eine erneut glaubhafte, gute Figur, der man jederzeit den alten, abgebrühten Haudegen abnimmt - das er ein Schwert schwingen vermag, konnte er ja bei Herr der Ringe schon zu Genüge demonstrieren. Kein schöner Film im wörtlichen Sinne, aber ein absolut sehenswerter Einblick in eine düstere Epoche der Glaubenskriege und politischen Machtkämpfe, der bislang kaum Beachtung zu Teil wurde und mit Alatriste in einem fiktiven Charakter endlich zum Leben erweckt wird.