Behling und Werner haben mit ihrem Buch ein Kinderbuch geschaffen, das Kindergartenkinder wie auch jüngere Schulkinder gleichsam anspricht. Das Buch besticht durch seine Einfachheit, wirkt jedoch auch bei entsprechender Anregung durch Erwachsene sehr vielseitig. Diese amüsante Geschichte erzählt von den Vorbereitungen zur Geburtstagsfeier der Oma. Der Kasper soll Pfannekuchen holen, geht aber unachtsam damit um, so dass der Teufel zum Zuge kommt und diese stehlen kann. Es schließt sich die Verfolgung an, die die sogenannte Künstlerschar aufnimmt, um die Kuchen zurückzuholen und Recht und Ordnung wieder herzustellen. Liebenswert werden die Freunde des Kaspers dargestellt. Zurüchgegriffen wird dabei auf die typischen Puppenspielcharaktere, verfeinert durch witzige Bemerkungen und Kommentare, die sprichwortähnlich ins Gedächtnis bleiben. Zu einem Schmunzeln verführt die Beschreibung der jedem Kind bekannten bösen Hexe als Kräuterhexe Adelheid, „leicht benagt vom Zahn der Zeit", aber auch der „Schutzmann Schill", versehen mit einem Titel aus längst vergessenen Tagen, der jedoch auch bei einer so wichtigen Verfolgung darauf achtet, dass die Ampel auf Grün stehen muß. Natürlich dürfen auch Gretel, der König, das Krokodil und der Räuber Fridolin nicht fehlen. Von Seite zu Seite verändert sich der Schauplatz. Das Puppentheater wird verlassen, die Ampelkreuzung überquert, ein Gewässer wird durchschwommen, bis schließlich der Teufel auf eine Wolke flieht. Und währenddessen hat jeder der Mitspieler eine herausragende Eigenschaft gezeigt, die der Gruppe weiterhilft, wie zum Beispiel das Krokodil, das schwimmend alle über das Gewässer bringt .Schließlich erwischt man den Teufel, doch die Pfannekuchen sind von ihm gegessen worden. In der Zwischenzeit hat Oma neue gekauft und die Geburtstagsfeier kann stattfinden. Uns allen bekannt ist das Klischee vom guten Kasper und vom Gegenspieler, dem bösen Teufel. Die Autoren versuchen jedoch in ihrem Buch, diese Anschauungen etwas abzuschwächen. So erscheint der Kasper etwas vertrottelt, kann aber bei der Verfolgung des Diebs trotzdem auf die Unterstützung seiner Freunde, der Künstlerschar rechnen. Und auch dem Teufel ist man geneigt zu verzeihen, da er reumütig alle seine bösen Taten gesteht und zum Geburtstag der Großmama auf Grund von Bauchschmerzen die Feier nicht genießen kann. Aber ein bisschen Strafe muß sein. Schön ist aber der Gedanke, dass niemand direkt strafen muss.
Die humorvolle Darstellung in Knittelversen unterstützt durch die liebevollen Illustrationen machen das Buch zu einen Erlebnis für Kinder verschiedener Altersstufen. Jüngere Kinder, die mit ihren Eltern das Buch kennenlernen, konzentrieren sich zunächst einmal auf die Bilder, während der Erwachsene oder auch ältere Kinder die Geschichte vorlesen. Für das Kind sind jedoch schon bald die Verse untrennbar mit den Bildern verbunden, so dass es mehr und mehr dazu angeregt werden kann, Zeilen zu vervollständigen oder gar ganze Strophen zu erzählen. Das Kindergartenkind kann sich mit einer Rolle identifizieren, die jedoch auch wechseln kann. Wird das Buch in der Gruppe besprochen , kann es dann als Puppen- oder sogar als Stegreifspiel nachgespielt werden. Ein wahres Vergnügen, denn alles worum es hier geht ist zum größten Teil aus dem Erlebnisalltag der Kinder versetzt mit märchenhaften Elementen, die jedoch immer in Bezug zur Realität gesehen werden können. Wie schön, dass das Puppenspiel auch heute noch jene Anziehungskraft auf Kinder ausübt. Das zieht sich bis ins Grundschulalter. Hier allerdings kann es dann zu einem besonderen Erlebnis werden, wenn das Kind die Geschichte selbst entschlüsselt und es so zu einer der ersten eigenen Leseerfahrungen wird. In diesem Sinne würde das Prädikat „Pädagogisch sehr wertvoll" durchaus gerechtfertigt sein. Roman Coolberg