Auch in ihrem dritten Buch bleibt Natalie Chanin ihrer Linie treu: Das Buch ist schön, fast luxuriös aufgemacht, die Anleitungen sind allesamt sehr ausführlich und verständlich mit vielen sehr guten Fotos, Zeichnungen und Schnittmusterabbildungen.
Ganz hinten im Buch findet sich ein richtiger Schnittmusterbogen, der diesmal sogar neben den amerikanischen auch die europäischen Größen berücksichtigt. Allerdings muss man zuvor in der Größentabelle nachschlagen und vergleichen. Die Tabelle ist im vierten Kapitel bei den Schnittmusterdarstellungen.
Für die Mustervorschläge sind diesmal leider keine Schablonen, dafür 15 Seiten mit Mustern für die Anfertigung eigener Schablonen oder Applikationsmuster enthalten. Dafür gibt es seitenlang Stickstiche und Vorschläge für das Aufnähen mit Perlen und Pailetten. Dabei sind die meisten der Stickstiche alte Bekannte: Wer öfter stickt, kennt sie eigentlich- auch wenn manche als "Alabama-Stitches" bezeichnet werden.
Diesmal geht es weniger um Heimdekoration, sondern darum, sich nach dem "Alabama-Chanin-Style" Kleider zu nähen und entsprechend zu dekorieren.
Die vorgestellte Kleidung ist wie gewohnt sehr, sehr schlicht und simpel- im Grunde recht langweilig, mit wenigen Ausnahmen. Aber auch das gehört zu Natalie Chanins Konzept, denn es geht ihr in erster Linie um die oft sehr raffinierten Verzierungen und Stickereien.
Wie in den Vorgängerbüchern wird auch hier fleißig bedruckt, mit Airbrush gearbeitet, bestickt, appliziert und gepatcht.
Allerdings- und das ist für mich das Manko an der Sache- benutzt sie auch weiterhin fast ausschließlich nur Jersey- bzw. Stretchstoffe, die eben nun mal nicht für jede Frau und jede Figur gut geeignet sind. (Und die auch nicht jeder mag!)Das wird umso mehr zum Problem, da ein großer Teil der Schnitte eher körperbetont ist. Frauen mit Übergrößen sind hier entschieden im Nachteil.
Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass alle Modelle samt Verzierungen grundsätzlich OHNE Nähmaschine und mit offenen Nähten gearbeitet werden. Das funktioniert bei Stretchstoffen zwar tatsächlich besser als das Nähen mit normalen Haushalts-Nähmaschinen, (ich meine NICHT die speziellen Industriemaschinen, die in Profi-Nähereien eingesetzt werden! Das ist etwas ganz Anderes!)dauert aber wesentlich länger und führt meiner Meinung nach dazu, dass die Stücke auch nicht so lange halten.
Zwar gibt die Autorin an, dass die Nähte mit den kunstvollen Stickstichen sehr gut gesichert werden, trotzdem bleiben die Schnittkanten offen und werden oft sogar "auf rechts" gedreht, so dass sie sichtbar sind. Das Gleiche gilt für die Applikationen. Es wird munter im Strickstoff herumgeschnitten und auch hier bleiben die Schnittkanten offen, oft erst ein oder zwei Zentimeter weiter hinten durch Stickstiche gesichert.
Sieht alles toll aus- Aber wird es auch die Waschmaschine überleben????? Viel zu gefährlich! Wahrscheinlich ist hier Handwäsche oder sogar Reinigung angesagt- auch was die vielen Perlen und Pailettenverzierungen angeht, mit denen die Chanin-Stücke dekoriert sind.
Wer mit den offenen Kanten so gar nicht zurecht kommt und auch nicht soviel Zeit hat, ein Stück komplett von Hand zu arbeiten, kann auch Zeit und Geld sparen, indem er schon vorhandene, industriell gefertigte Stretchkleidung und Shirts aus dem Schrank schnappt und mit den fantasievollen Verzierungen aus Alabama aufpeppt. Gerade bei den Modellen, die nur bedruckt, bzw. bemalt und danach bestickt werden, geht das sehr gut ohne dass man die Schere ansetzen muss.
Inhalt:
1. Basis-Material und Werkzeuge
2. Schablonen und ihre Benutzung
3. Basis-Stickstiche
4. Basis-Kleidung und Accessoires
4.1. T-Shirt-Top mit langen, halblangen oder kurzen Flügelärmeln
4.2 Bolero mit langen, halblangen oder kurzen Ärmeln
4.3 Ärmelloses Kleid mit tiefem U-Boot-Ausschnitt in Mini, Midi und Maxi. Rock in A-Linie
4.4 Kurze Tunika oder Shirt auf Basis des Kleiderschnittes
4.5 Minirock, Midirock und Maxirock und auf gleicher Basis
4.6 Poncho oder Umschlagtuch
4.7 Hut oder Kappe (Titelmodell)
4.8 Fingerlose Handschuhe
4.9 Schemadarstellung der Schnittmuster, Größentabelle und Zuschnitt
4.10 Säume
4.11 Instruktionen für die Anfertigung der Kleidung mit Variationen
5. Verzierungen mit Perlen, Pailetten und Stickereien
6. Unterlegte Applikationen und Quilt
7. Aufgesetzte Applikationen und Relief-Applikationen
8. Galerie der fertigen Kleider
Fazit: An sich ein richtig tolles Buch mit vielen wunderbaren Ideen, die optisch auch fantastisch aussehen. Solche Kleider hat nicht jede! Was Verarbeitung und Haltbarkeit angeht, sind es aber - zumindest für mich- keine alltäglich einsetzbaren Klamotten, die man auch unbedenklich in die Waschmaschine stopfen kann. Was den Pflegeaufwand betrifft, sind es eigentlich eher "Abendkleider", die mit Vorsicht und viel Sorgfalt behandelt werden müssen und einen entsprechenden Zeitaufwand brauchen. Das sollte man wissen, bevor man sich das Buch kauft und loslegt.
Wer Stretchstoffe gar nicht mag, ist hier auch nicht gut bedient.
Allerdings kann man alternativ auch andere Stoffe ausprobieren und die gezeigten Techniken für Taschen oder Heimdeko verwenden.