Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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40 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zelda Fitzgerald,--ihr Leben als Nacherzählung, 20. Juli 2008
Gilles Leroy Alabama Song Kein& Aber
ISBN 3036955224
Die zwanziger Jahre hatten es in sich, in Europa wie anderswo.
In Montgomery, Alabama, wird das Ende des zweiten Weltkriegs gefeiert. Zelda, die aufmüpfige und viel geliebte Tochter ihrer Mutter und eines strengen Vaters schlägt über die Stränge. Sie lernt mit 18 Jahren den bildschönen F. Scott Fitzgerald kennen und eine unsterbliche und zerstörerische Liebe beginnt.
Hin und her gerissen zwischen ihren Amouren fliegt Zelda auf Scott, der ein Säufer und Träumer ist und zielstrebig auf eine Schriftstellerkarriere zusteuert. Sie entflieht ihrem bürgerlichen Elternhaus, erfüllt die Träume ihrer Mutter, die gerne mehr geworden wäre und anders gelebt hätte, und fängt mit Scott ein Leben in Eleganz, Trunksucht und voller Ausschreitungen an.
Scott, berühmt geworden durch verschiedene große Romantitel wie < Diesseits vom Paradies > und < Der große Gatsby>, entnahm den Stoff zu seinen Romanen dem Leben, das er mit Zelda im Luxus und überdrehten Auswüchsen führte. Sie wurde krank darüber.
Leroy erzählt ihren Lebensweg, der an den Ansprüchen zerbrach, die sie hatten. In Frankreich, wo das berühmte Liebespaar in Saus und Braus im Kreise vieler bekannter Persönlichkeiten das Leben der Bohème auskostete, geht sie ihrer Wege und löst sich aus der einengenden Beziehung von Scott. Sexuelle Exzesse und brutale Auseinandersetzungen zwischen den beiden bieten ein Abbild dessen, wie es wirklich um diese große Liebe stand. Zeldas vielseitige Fähigkeiten als Malerin und Schriftstellerin wurden begraben unter seiner Eifersucht und seinem Anspruch, ihr gemeinsames Leben schriftstellerisch in seinen Werken zu vermarkten.
Die zwanziger Jahre waren eine Zeit künstlerischen, sozialen und gesellschaftlichen Wandels. Leroy erzählt in seinem fiktiven Roman über Zelda und ihren zerstörerischen Lebenswandel, der sie schließlich scheitern ließ. Vieles ist erfunden, in anderen Teilen hat er sich an Zeugnisse aus dem Leben der beiden Liebenden gehalten. Er entwirft glaubwürdig und atmosphärisch eindringlich die Roaring Twenties in Amerika und Europa. Die Art seiner Erzählung gemahnt an Skizzen, mit denen Abschnitte aus dem Leben Zeldas aufgegriffen und in assoziativen Szenen, teilweise in der Ichform, aufgezeichnet werden. Der Charakter Zeldas, einer außergewöhnlich begabten, exzentrischen und auffälligen Erscheinung, gewinnt lebhaft Konturen. Die von Eifersucht, Machthunger und von Zeldas psychotischen Krankheitsschüben gequälte Beziehung beinhaltet Liebe und Zerstörung zugleich.
Gebannt folgt man ihrer Lebensspur, die Risse hatte und doch für alle, die sie kannten, unvergesslich blieb.
Leroy hat ihr Bild relativiert und ihre Unsterblichkeit in der Erinnerung gefestigt.
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24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ringen um Liebe, Glanz und Eigenständigkeit!, 3. Juli 2008
In heutigen Kategorien gemessen nähmen der Schriftsteller F.Scott Fitzgerald und seine Frau, die Südstaaten-Schönheit Zelda Sayre, den Status eines Glamour-Päärchens ein. Auch in den Zwanziger Jahren wurden sie bereits von einer hungrigen Meute von Reportern verfolgt. Und die beiden waren tatsächlich immer für eine Schlagzeile gut.
Der kometenhafte Aufstieg F.Scotts in der literarischen Szene, seine Alkoholexzesse und die rauschenden Feste, die beide gaben sind bis heute legendär und machten beide zum Mittelpunkt der "Roaring Twenties" in New York und auch in Paris.
Glanz und Absturz lagen bei den beiden hoch sensiblen Menschen sehr dicht beieinander und ihre schwierige Amour fou, das Ringen um Eigenständigkeit und Anerkennung blieb vor allem für Zelda eine ständige Herausforderung.
Gilles Leroy, dessen Buch "Alabama Song" in Frankreich zu einem literarischen Bestseller und mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichnet wurde, nähert sich auf ganz eigene Weise dem kurzen, exzessiven Leben Zeldas, die in einer psychiatrischen Klinik starb.
Ihr Weg schien eigentlich vorgezeichnet: Als Tochter sehr wohlhabender und angesehener Bürger war sie gerade in die Gesellschaft eingeführt worden, als sie die Bekanntschaft F.Scott Fitzgeralds machte.
Sie fühlte sich zu Abenteuern hingezogen, schlägt schließlich mehrere Heiratsanträge aus und heiratet den jungen Schriftsteller.
Das Leben an seiner Seite gestaltet sich von Anfang an schwierig.
Scott braucht Zelda nicht nur als Inspirationsquelle, häufig hilft sie ihm auch praktisch auf die schriftstellerischen Sprünge.
Ihre eigene Kreativität darf sie nicht ausleben. Und geht schließlich daran beinahe zu Grunde. Ihre Beziehung bleibt ein ständiges Machtspiel, es geht nicht mit- und schon gar nicht ohneeinander.
Gilles Leroy konfrontiert den Leser mit einem sehr direkt erzählten Buch, er beherrscht die zarten und die lauten Töne gleichermaßen, ist vor allem dann unübertroffen, wenn er die Zerrissenheit Zeldas in Stimmungen und Wörter fasst. Dabei nimmt er sich die dichterische Freiheit heraus, eine Beziehung Zeldas zu beschreiben, die in der Biographie Zelda Fitzgeralds nur eine marginale Rolle spielt.
Ein Buch mit Nachhall, eine literarische Annäherung an einen Menschen, dem trotz aller Voraussetzungen ein selbstbestimmtes und glückliches Leben verwehrt wurde.
Äußerst lesenswert!
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Salamanderfrau oder Der Krieg zu zweit, 18. August 2008
"Ich weiß nicht, was für ein Buch ich da in einem Rutsch, mit einer einzigen Tintenfüllung, geschrieben habe. Ich weiß nicht, was daran gefallen könnte - es gibt keine Liebesaffäre, keine Verwicklungen, keine Gefühlsverwirrungen -, doch etwas Wichtiges spüre ich: eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen?" So lässt Gilles Leroy seine Protagonistin sinnieren, die eingesperrt in einer psychiatrischen Klinik, zwischen Elektroschocks und Kaltwasserbehandlungen zur "Reinigung" ihres verworrenen Geistes heimlich einen Roman schreibt. Sie ist niemand geringeres als die Frau des "großen Gatsby", des "letzten Tycoons", des Urgroßneffen des Dichters der amerikanischen Nationalhymne - sein Name: Francis Scott Fitzgerald.
Virtuos zeichnet der Autor Zelda Sayr Fitzgeralds Leben nach, von der lebenshungrigen, flippigen femme fatale aus Alabama, bis zur gebrochenen Frau, die letztendlich an zu viel Leben "verhungerte" und ihren alkoholkranken Mann nur um acht Jahre überlebte.
Die zwei zuvor zitierten Sätze offenbarten für mich eine Schlüsselfunktion. Zum einen können sie auf Zeldas Leben, zum anderen auf den Roman und dessen Lektüregenuss angewandt werden.
'In einem Rutsch' wurde aus der lebenshungrigen, sich nach Freiheit sehnenden Südstaatenschönheit, der jüngsten Tochter eines Richters und Enkelin eines Gouverneurs und Senators, an der Seite ihres Jazz-Age Wunderkindes und seinem literarischen Erfolg, die Glamourlady der Hautevolee der "Roaring Twenties" in New York, Paris und der Côte d'Azur.
"Es gibt keine Liebesaffäre, keine Verwicklungen, keine Gefühlsverwirrungen." Oh nein, dieser Satz trifft auf sie nicht zu. Hier muss das Wörtchen 'keine' gestrichen werden. Scotts zunehmende literarische Schaffenskrise, sein exzessiver Alkoholkonsum und Zeldas Langeweile am Jet-Set-Leben, das sie trotz eigener künstlerischer Aktivitäten - sie schreibt, tanzt und malt - nicht erfüllt, führen zu tiefen partnerschaftlichen Beziehungsproblemen und finanziellen Schwierigkeiten. Nach einer intensiven Liebesaffäre mit einem französischen Piloten und der von ihrem Mann erzwungenen Abtreibung dessen Liebesfrucht, ist ihre Ehe endgültig zerrüttet und wird zum Martyrium.
Nervenzusammenbrüche, Hysterie und Depressionen lassen sie die letzten 17 Jahre ihres Lebens zu einem großen Teil in Nervenheilanstalten zubringen. Im Jahr 1948 kommt die nunmehr verwelkte Zelda, die "Muse" ihres "Goofos" - wie sie ihn zärtlich nennt -, bei einem Klinikbrand ums Leben. Die Salamanderfrau, deren Leben einst lichterloh in Flammen stand, konnte ihr Feuer zeitlebens nicht löschen und ihre 'vibrierende Saite', die letztendlich der Spannung nicht gewachsen war, zerriss.
'Eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen', so kann man auch den Duktus des Buches bezeichnen. Mit einem einfachen und klaren Stil in der Ich-Form, mit kurzen Sätzen wie in Stein gemeißelt, ohne irgendwelche Ausschmückungen - jedes Mehr wäre zuviel gewesen -, beleuchtet der Franzose das Leben aus der Perspektive von Zelda neu. Auch wenn er sich von einer biografischen Lesart seines schmalen Buches distanziert, spielt er virtuos mit den Vorwürfen der authentischen Miss Fitzgerald und lässt seine literarische als ihre eigene Wahrheit verkünden.
Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern springt in verschiedenen Zeitebenen vor und wieder zurück, ein Stil, der an Tagebuchaufzeichnungen erinnert. Wunderschöne Sätze ("Wie die Treppen der Metro glitzern, () schwarzer Teer mit Glimmersteinchen, so dass aus jedem Schritt, aus jeder Stufe ein langsamer Abstieg in den umgekehrten Himmel wird, in die schwarze Tunnelnacht, wo du vergeblich eine bekannte Konstellation am Gewölbe suchst.") wechseln sich mit nüchternen Feststellungen ab ("Ich habe einen ehrgeizigen Künstler geheiratet, und jetzt, zwölf Jahre später, finde ich mich als alte Schachtel an der Seite eines Säufers mit einem Berg von Schulden wieder."). Leroy versteht es virtuos, magische Momente mit schockierenden abzuwechseln, spitzt manchmal zu und übertreibt, um kurz danach zärtliche, hoch emotionale, doch niemals weinselige Töne anzuschlagen. Somit vermag er das Bild dieser zerrissenen Frau authentisch wiederzugeben.
Leicht ist das Buch jedoch nicht zu lesen. Aber wenn man sich in dem ungewöhnlichen Stil "eingerichtet" hat, nimmt es gefangen, fasziniert und erzeugt "... eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen". "Alabama Song" ist selbst, was die Protagonisten verkörperten: Literatur - auf keinen Fall leichte Unterhaltung.
Und: es ist eine Wiedergutmachung: "Adieu, Zelda. Es war mir eine Ehre.", schließt der Autor in seinem letzten Satz.
Fazit:
Gilles Leroy erzählt in einem großartig kunstvollen Duktus von zwei Menschen, die an zu viel Leben zerbrechen. Ganz besonders atemberaubend gelingt ihm eine glaubhafte Darstellung einer Frau, die einst keine Grenzen kannte und glaubte, durchs Feuer gehen zu können, ohne sich zu verbrennen: Zelda Sayr Fitzgerald - die Amy Winehouse der Zwanziger.
"Trennt euch, das ist das Einzige, was man tun kann."
"Aber wie sollen wir leben?"
"Wie Menschen."
(Juan Rulfo: "Pedro Paramo.")
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