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5.0 von 5 Sternen
Was bedeutet Al Kaida wirklich?, 18. August 2005
Rezension bezieht sich auf: Al-Qaida. Entstehung, Geschichte, Organisation (Gebundene Ausgabe)
Mit seinem Buch hat es sich Burke zur Aufgabe gemacht, die wirkliche Bedeutung und Struktur von Al Kaida ans Tageslicht zu bringen. Dabei gelingt ihm, im Vergleich zu der oberflächigen und tendenziösen Berichterstattung im Westen, eine nicht unerhebliche Relativierung dieser in der terroristischen Szene angeblich so omnipotenten Organisation - ohne dabei die Gefahr, die angeblich von ihr ausgeht, mindern zu wollen.
Burkes Fazit lautet: Al Kaida war viel weniger ein direkter Initiator weltweiter Terroranschläge, also so etwas wie ein Planungsstab, der seine Soldaten von Afghanistan aus aussandte. Vielmehr muss sie als eine Art aktiver Förderer und Propagandist einer weltweiten Auseinandersetzung gegen die "Feinde des Islam" angesehen werden, sozusagen eine Agentur, die zumeist die Initiativen anderer unterstützte. Und weiterhin: Al Kaida existiert seit Oktober 2001 nicht mehr in der Form, in der sie zuvor funktioniert hatte. Aber ihre Saat ist aufgegangen, denn ihre militanten Nachahmer haben eine neue Runde terroristischer Attacken eingeläutet.
Dabei ist Burke weit davon entfernt, den Kampf der Kulturen zu predigen. Vielmehr weist er, abschließend im Detail etwas vage, auf die Notwendigkeit hin, abseits militärischer und sicherheitspolitischer Maßnahmen eine Vorgehensweise gegenüber der muslimischen Welt einzuschlagen, die deren moderaten Kräfte zu fördern und dem halb diffusen, halb plausiblen Gefühl der "Demütigung" der Muslime die Grundlage zu entziehen vermag. Und stellt fest, dass dies in Afghanistan schon nicht mehr an der Tagesordnung ist. Um so unverständlicher seine Befürwortung der US-Kampagne im Hindukusch (die völkerrechtlich illegal war), wobei er auch unerwähnt lässt, dass die bedrohten Taliban die Beteiligung Bin Ladens an den Anschlägen vom 11.9.01 bestritten, eine Untersuchung vorschlugen und Beweise von Seiten der USA anforderten.
Burkes Darstellung der Entstehungsgeschichte des Islamismus hat mir besonders gut gefallen. Sie illustriert die Enttäuschungen und ökonomischen Spannungen, die die muslimische Welt in den letzten 40 Jahren ereilt hat und zeigt sehr anschaulich die Wurzeln einer Ideologie, die - ursprünglich inspiriert von linken, antikolonialistischen Ideen - die Gründe für die sozialpolitischen Depressionen der Heimatwelt in der globalen Dominanz der "Juden und Kreuzfahrer" ausfindig macht. Sie verficht die reaktionäre Utopie von der perfekten Gemeinschaft zu Lebzeiten Mohammeds. Die militante Ausprägung derselben gipfelt in der leninistisch inspirierten muslimischen Avantgarde, deren obligatorischen Demonstration des rechten Glaubens im aggressiven Märtyrertod zum Schaden der hegemonialen Ungläubigen besteht.
In diesem Buch erfährt man viel von den verhängnisvollen Verwicklungen solcher Staaten wie Saudi-Arabien und Pakistan (Partner des Westens) und ihren Beitrag zu den durchaus unterschiedlichen subversiven und terroristischen Gruppierungen, die im eigenen Land kaum noch geduldet werden können.
Für mich, der hingegen die Verantwortung und Urheberschaft der Anschläge vom 11.9.01 und 11.03.04 ganz woanders vermutet (und diesbezüglich auch von diesem Buch darin bestärkt worden ist), war die Lektüre ein Gewinn. Eine wirklich gute Arbeit.
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5.0 von 5 Sternen
Gutes Urteil, 27. Dezember 2009
Rezension bezieht sich auf: Al-Qaida. Entstehung, Geschichte, Organisation (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr detailliertes Buch über die verschiedenen Strömungen und Beweggründe.
Seine Darstellung erinnert mich an die Aussage von Hannah Arendt über den Nazismus, der auch kein monolithischer Block war, sondern als Bewegung agierte mit einem Zentrum, lose angegliederten Netzen und freien Mitarbeitern, Killern. War nicht auch das real existierende sozialistische System in dieser Weise organisiert?
Auch die Schlußfolgerung, nach der nun eine zersplitterte Organisation unübersichtlicher Motivationen und Ziele sich dazu chaotisch verhält, scheint sich zu bestätigen.
Die Chance gegen den Fanatismus sieht er im Austrocknen der Quellen des Hasses. Ja: Republik muß zur Freiheit auch die Freiheit von Not besorgen, wenn Freiheit überleben und Terror absterben soll.
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