Ich habe dieses Buch gekauft und vollständig gelesen, obwohl ich seinen Titel von Beginn an etwas plump fand. Dazu bewog mich zum einen mein persönliches Interesse an der Frage, ob und inwieweit die Erfahrung in einem so genannten Entwicklungsland Bewusstsein und Standpunkt von uns Menschen, die einer Wohlstandsgesellschaft entstammen, verändern kann bzw. was die persönlichen Erfahrungen der Autorin hierzu sind. Wesentlich zu meiner Kaufentscheidung beigetragen haben auch die beiden sehr positiv ausgefallenen Rezensionen hier bei Amazon. Letztere sind es, die mich nun auch dazu bewegen, selbst eine Rezension zu schreiben, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Lesern halte ich dieses Buch nicht für empfehlenswert. Vielmehr frage ich mich ernsthaft, wie es der Autorin gelungen ist, hierfür einen Verleger zu finden - könnte da nicht jeder Verfasser eines Tagebuchs dieses etwas überarbeiten und veröffentlichen..?
Die Erzählungen der Autorin sind sprachlich einfach gehalten und überwiegend in kurzen Sätzen formuliert, wodurch das Buch leicht zu lesen ist. Eine eher nüchterne Aneinanderreihung von persönlichen Erlebnissen und Beobachtungen, deren Unterhaltungswert sich auf Menschen begrenzen dürfte, die Ghana oder andere afrikanische Staaten südlich der Sahara noch nicht bereist haben. Zwar werden von der Autorin mitunter interessante Fragen bezüglich der eigenen Intention und der Resonanz hierauf, der Gesundheitsversorgung und dem Umgang mit dortigen Missständen aufgeworfen, die jedoch weitestgehend unbeantwortet bleiben. Auch die geschilderten Erlebnisse bleiben bis auf wenige Ausnahmen unreflektiert. Hieraus entsteht ein Buch mit geringem Erkenntniswert.
Die Identitäts- und Sinnsuche der Autorin lässt sich etwas vereinfachend so zusammenfassen: Die Autorin erlebt als junge Ärztin in einem deutschen Krankenhaus einen anstrengenden, rationalisierten Arbeitsalltag. Dabei erfährt sie auch ihre persönliche, d. h. menschliche Begrenztheit im Kampf gegen Krankheit und Tod, was sie an der Sinnhaftigkeit ihres Berufs zweifeln lässt. Sie entscheidet sich für einen mehrmonatigen Arbeitsaufenthalt in Ghana. Dabei begleitet sie die Erinnerung an ihre verstorbene Großmutter und deren Ausspruch: "Auch bei uns [in Deutschland] wirst Du als Ärztin gebraucht." In Ghana macht die Autorin die Erfahrung, unter den dort herrschenden Missständen in der medizinischer Versorung, Infrastruktur etc. noch viel weniger ihrem Beruf nachgehen zu können und entscheidet sich dafür, ihren Dienst in Deutschland fortzuführen - mit dem Vorsatz, sich an ihrem Arbeitsplatz besonders dafür einzusetzen, dass afrikanisch-stämmigen Kranken zur Not auch ohne Versicherungskarte geholfen wird.
Was soll man dazu sagen? Diese Sonderbehandlung, von der man auf den letzten zwei Seiten des Buches lesen muss, mutet doch wirklich seltsam an... Worin tatsächlich die "Entwicklungshilfe" besteht, die die Autorin meint, in Ghana erfahren zu haben, bleibt ungewiss. Es scheint mir, als konnte ihr Ghana-Aufenthalt zumindest nicht dazu behelfen, ihre eigenen Projektionen auf Afrika und seine Bewohner zu erkennen.