57 Jahre umfasst diese Retrospektive von Günter Rössler, dessen Akte weit über die Grenzen seines einstigen Heimatlandes DDR bekannt sind. Nicht nur dieser lange Schaffenszeitraum und sein Einfluss auf die erotische Fotografie machen den inzwischen 84-Jährigen zum Klassiker: Beim Durchblättern lässt sich allenfalls an Frisurmoden oder kleinen Details im Hintergrund erraten, ob ein Bild 1969 oder 1996 aufgenommen wurde.
Im Mittelpunkt der Schwarzweißbilder steht immer eine schöne junge Frau, meist vollständig nackt. Egal, ob sie sich selbstvergessen auf einem Sofa räkelt, im Studio sitzend den Betrachter anschaut oder über eine Sommerwiese läuft - stets wirken die Bilder mit ihrer entspannten Schlichtheit und ihrem meist natürlichen Licht zeitlos. Auch bei den Bildern, in denen Wohnung als Kulisse diente, lenkt meist nichts von der porträtierten Frau ab, und gerne lässt Rössler die Komposition im Schatten auslaufen. Es ist nicht so sehr Begehren, was die Kamera einfängt, sondern eher die von einem Hauch Melancholie überzogene Sehnsucht nach einem ewigen Sommer der Jugend.