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Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 09.12.2000
Friedrich Balke ist des Lobes voll über diese "medienarchäologische Untersuchung" zur Geschichte der Akte. Auf engem Raum sieht er im großen historischen Zugriff eine bezwingende Geschichte erzählt, die die Reinheit des Rechts auf die Bedingungen seiner Medialität zurückverweist. Die Untersuchung beginnt mit dem alten Rom, dessen Rechtsgeschichte im justinianischen Kodex gipfelt, der - dies aber verleugnend - nichts ist als eine riesige "Akte aus Akten". Bis zu Habermas werde von hier aus an einer im Angesicht der Akten nicht aufrechtzuerhaltenden klaren Trennung von Faktizität und Geltung weitergeschrieben. Über das weniger im Medium der Akte als der Urkunde Rechtshandlungen vollziehende Mittelalter gelangt Vismann zum modernen Staat, der im Zeichen der "Selbstverwaltung" seine Bürger zu "Sekretären ihrer selbst" erzieht. Die Untersuchung schließt mit einem Blick auf die Gauck-Behörde, die die Vitalität der Akten noch einmal deutlich macht. Balke preist das Buch für seine "stilistische Eleganz", "hintergründigen Witz und Ironie" und "die souveräne Handhabung von Wissensbeständen" und empfiehlt es wärmstens für eventuell zu vergebende Preise für Wissenschaftsprosa.
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Kurzbeschreibung
Wenn Akten als stilisierte "icons" auf den Monitoren von Computern auftauchen, dann ist es Zeit, die Geschichte ihrer Wirkmächtigkeit in den abendländischen Institutionen des Rechts zu untersuchen. Eine Genealogie der Akten fördert die administrativen Praktiken zu Tage, welche in diesen Institutionen wirkten und immer noch wirken. Unter der Prämisse, dass Akten Medium und Prozessor eines Rechtssystems sind, stellt sich die Geschichte des Rechts anders als gewohnt dar. Sie setzt bei den aktenführenden Magistraten Roms ein und reicht bis zu den Reden über die Macht der Akten im 20. Jahrhundert, zur Sorge um die »persönlichen Daten« oder die eigene »Stasi-Akte«.
Gerahmt wird diese Archäologie des Rechts am einen Ende von Akten-Vorformen wie den administrativen Listen in Babylon, am anderen Ende von einer aktenförmigen Textverwaltung in Computerprogrammen. Dort zeigt sich, dass Aktentechniken auch eine Vorgeschichte des Computers sind, der mit seinen "stacks", "files" und "registers" diverse Verwaltungspraktiken des Abendlands beerbt hat.