Dass die Macher einer Serie gerne mit dem Gedanken spielen, ihr erfolgreiches TV-Konzept auf die große Leinwand zu übertragen, ist ja eigentlich schon ein alter Hut. Franchises wie "Star Trek" haben sehr früh gezeigt, das dieser Schritt funktionieren und ebenso erfolgreich sein kann. Was wurde aber in den vergangenen 20 Jahren nicht alles an Serien-Formaten neu konzipiert, modernisiert oder (was eher selten ist) unverändert übernommen, um auch auf der großen Leinwand Fuß zu fassen...
"Mission Impossible", "Charlie's Angel", "Starsky & Hutch", "Maverick", "Adams Family", "Sex & The City", "Auf der Flucht",... Und das ist nur ein Bruchteil (!) an Serien, die den Weg ins Kino gefunden haben. Inwieweit Fans mit der jeweiligen Adaptionen zufrieden waren, steht auf einem ganz anderem Blatt und soll auch nicht Gegenstand dieser Rezension sein.
So sollte sich (nach dem Willen der Produzenten) die Popularität und Erfolgsgeschichte jener Serie, die die 90er Jahre so sehr geprägt hat wie keine andere - nämlich "Akte X" (OT:"The X-Files") - auch in den großen Kinosälen auszahlen. Chris Carter, der geistige Vater hinter diesem Serien-Phänomen, und seine "X-Philes" (so die liebevolle Fan-Bezeichnung) konnten sich glücklich schätzen, denn der erste abenfüllende Spielfilm deckt sich zu 100% mit seinem TV-Ursprung, weiss aber auch sein großzügiges Budget und die Dimensionen des Kinoformats voll auszunutzen.
Interessantes Detail am Rande: Dies ist der erste und bisher einzige Film, der nicht nach Absetzung bzw. Beendigung einer Serie entstand; vielmehr ist er ein Bindeglied zwischen zwei Staffeln (Season 5 und 6). Ein bisher einmaliger Fall !
Neben vielen in sich abgeschlossenen Episoden, in denen die FBI-Agenten Mulder und Scully rätselhaften Phänomenen und ungeklärten Fällen nachforschen, gibt es die unter Fans bestens bekannte und geliebte Alien-Verschwörung, die sich über die gesamte Serie erstreckt. Genau diesen Handlungfaden greift "Akte X - Fight the Future" (so der Original-Titel) auf und füttert die hungrigen Fans diesbezüglich mit mehr Details. So erfährt man mehr über das rätselhafte Verschwinden von Mulders Schwester durch Außerirdische, den gefährlichen Alien-Virus und die Verschwörer in Regierungskreisen, die im Geheimen eine bevorstehende Alien-Invasion vorbereiten.
Nicht-Kenner der Serie werden keine großartigen Schwierigkeiten haben, sich im Film zurecht zu finden, da essentielle Details noch mal verständlich und kurz zusammengefasst werden (Mulder selbst z.B. erwähnt gegenüber einer Kellnerin seine traumatische Erinnung an die Entführung seiner Schwester Samantha). Zudem ist der Einstieg in den Film nicht zu kompliziert gestaltet, da - nach einem kurzen Intro zur Zeit der Eiszeit - die Ausgangssituation so aussieht, dass Mulder und Scully nicht mehr an den X-Akten beteiligt sind, weil die entsprechende Abteilung geschlossen wurde. Und das ist - wie Serien-Kenner es bereits wissen - ja nicht das erste Mal. Einzig tragende Rollen wie die Einsamen Schützen (Lone Gunmen), der Krebskandidat (Cigarette Smoking Man) oder der gut gekleideter Herr (Well Manicured Man) und ihre Beziehung zu den Protagonisten bzw. ihre Bedeutung in Zusammenhang mit der ganzen Alienverschwörung werden für "Akte X"-Unerfahrene nicht auf Anhieb nachvollziehbar sein. Zum Genuß des Films ist dies aber auch nicht zwingend nötig, und wer doch mehr über diese Figuren erfahren möchte, muss sich dann doch die Mühe machen und den fehlenden Stoff nachholen, sprich sich die ersten fünf Staffeln zu Gemüte führen. Bereuen wird man es jedenfalls nicht. :-)
Wie ich es in der Einleitung schon angedeutet habe, versprüht der Kinofilm exakt das gleiche Feeling wie die eigentliche Serie. Der komplette Cast ist vertreten, die Serien-Charaktere kommen unverfälscht rüber, das Mystery-Ambiente sorgt für den gewohnten Thrill. Nur dieses Mal in XXL:
- ein paar toll eingefangene und über die Filmlauflänge gut verteilte Höhepunkte
- herausragend erarbeitete, intelligente Dialoge (wie eben zu Serie-Zeiten)
- schöne, aber zurückhaltend eingesetzte Action
- spektakuläre Sets und toller Effekt-Einsatz
- David Duchovny und Gillian Anderson in Bestform
- eine straffe und durchgehend spannende Handlung, von Rob Bowman inszeniert (welcher bereits für einige gute Serien-Episoden verantwortlich war)
Mit Fug und Recht kann der Sprung der "X-Files" in die Lichtspielhäuser mehr als geglückt gesehen werden. Für Fans ein Fest, und für Nicht-Fans ein möglicher Anreiz, einen langfristigen Blick in die wohl beste Mystery-Serie aller Zeiten zu riskieren.