Ein Sommertag in Paris. Die junge Aischa kommt von der Schule nach Hause - schwitzend unter Mantel und Kopftuch - und betritt die Wohnung ihrer Eltern, in der es nach Tomatensuppe riecht. Gleich werden sie gemeinsam essen: der Vater, die beiden Brüder und Aischa, während die Mutter wie immer allein in der Küche sitzen wird. Mehrfach hat der Vater sie schon aufgefordert, die Mahlzeiten nach europäischer Sitte mit der Familie einzunehmen, aber die Mutter bringt diesen Bruch mit der Tradition nicht übers Herz. Heute ist Aischa so aufgeregt, dass ihr die Hände zittern, als sie die Männer bei Tisch bedient, denn soeben hat ihre Lehrerin einen Besuch in ihrem Elternhaus angekündigt, um ihren Vater dazu zu überreden, die begabte Tochter aufs Gymnasium zu schicken...
Aischa wächst als Tochter algerischer Einwanderer in Frankreich auf. Immer stärker reibt sie sich an den Gitterstäben des Käfigs, den die muslimische Tradition den Frauen und Mädchen errichtet hat und der alles andere als ein goldener Käfig ist. Als sie sich in einen Mitschüler verliebt, eskaliert die Situation...
Jenseits des oft so bequemen Multi-Kulti-Gefasels unserer Gesellschaft ergreift die Autorin offen Partei für die muslimischen Frauen und Mädchen. Sie schildert, wie Aischa den schweren Weg in ein selbstbestimmtes Leben nach vielen Umwegen schafft - und wie sie dafür den schmerzhaften Verlust ihrer Familie und ihrer kulturellen Wurzeln in Kauf nehmen muss. Ein schön geschriebenes Buch für junge Mädchen und Erwachsene, sehr empfehlenswert.