Ich habe das Buch an einem Wochenende durchgelesen, und es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Politiker treiben oftmals ein undurchschaubares Spiel und mit der Wahrheit ist es oft nicht weit her. Ich zähle mich auch zu den Menschen, die von der Politik oft wenig bis gar nichts halten, denn man wird nur für blöd verkauft.
In Amerika, so scheint es, gehen die Uhren doch noch ein wenig anders. Der vielzitierte "American Dream" kommt doch noch zur Geltung, wenn die Menschen sich dazu durchringen. Und durchringen mußte sich auch Jesse Ventura.
In seiner Biographie "I Ain't Got Time to Bleed" erzählt er seinen Werdegang. Und als Ex-Navy Seal, Wrestler und Kommentator hat er schon in Jungen Jahren gelernt, sich durchzusetzen. Das legendäre an ihm ist aber sein loses Mundwerk. Nun, viele Leute haben Probleme mit Menschen, die offen ihre Meinung sagen. So auch die Gegner von Ventura, die aus allen Lagern kommen.
Jesse Ventura, der eigentlich Jim Janos heißt nutzte seine "Klappe" allerdings dafür, um im politischem Establishment einmal kräftig für Furore zu sorgen. Und sein Einzug in die Politik ist als politisches Wunder zu bezeichnen, da er aus einer Schicht bzw. Berufsgruppe kommt, die nicht unbedingt für politische Ämter in Frage kommen.
Ventura wurde zuerst als Bürgermeister von Brooklyn Park, Minnesota ernannt, um den politischen Machenschaften den Kampf anzusagen. Vor allem sein Auftritt als "Common Man" gefiel dem Volk, da er nicht zu den Republikanern und Demokraten zählte. Während seiner Amtszeit verbesserte Ventura vieles grundlegend, vor allem die Kriminalität verringerte sich in seiner Stadt. Auch die Grundrechte und dubiose Gesetze wurden verändert.
Seine Popularität verhalf ihm nach seiner Amtszeit als Bürgermeister zum Sitz des Gouverneurs des Bundesstaates Minnesota. Noch nie hatte eine "third party" (die Reformpartei) als Außenseiter den politisch Etablierten so eine herbe Wahlniederlage erteilt. Man nahm Ventura als politischen Emporkömmling nicht ernst und bei der Wahl des Gouverneurs sollte sich das rächen.
Das Buch handelt wie gesagt größtenteils von Venturas Ein- und Aufstieg in die Welt der Politik. Aber auch seine anderen Tätigkeiten sowie seine Jugend kommen in diesem erfrischend zu lesenden Buch nicht zu kurz.
Man kann getrost sagen, dass Jesse Ventura wohl einmalig in der Welt der Politik sein wird. Wo hört man heutzutage noch Politiker, die der Meinung sind ein Budgetüberschuß sollte den Bürgern zugesprochen werden, da diese bereits hohe Steuern zahlen müssen? Ventura sieht nicht ein, dass ein brav arbeitender Bürger die Hälfte seines Einkommens der Regierung zuschieben muß. Wahnsinn! Soviel Ehrlichkeit ist in der Politik nicht nur selten, die gibt's in unseren Breiten gar nicht! Das Krasse ist aber, dass der Mann dies für seinen Bundesstaat aber durchgesetzt hat.
Klare Sache, dass man durch diese Robin Hood Methoden nicht nur Freunde hat. Man schafft sich dadurch auch viele Feinde. Vor allem die, denen nun die Butter vom Brot genommen wird, mucken auf.
Fazit: unbedingt lesen, wenn man die Ansichten eines grundehrlichen Politikers lesen will. Dies ist Jesse Venturas erstes Buch, und es ist nicht zu Unrecht auf der Bestseller Liste der New York Times zu finden gewesen.
Wer Venturas Ansichten teilt, der weiß, was auf dieser Welt falsch läuft. Superbes Werk!