Unser Fazit nach der Lektüre dieses Buches:
Angebrachter und wesentlich treffender für dieses Buch wäre der Titel: 'Elemente des Tissier-Aikido aus der Sicht von Bodo Rödel' gewesen.
Dem anspruchsvollen Titel 'Aikido ' Grundlagen, Techniken, Konzeption' wird das Buch leider nicht gerecht. Es ist ein sehr technisch gehaltenes Buch ohne neue Erkenntnisse, das keiner Zielgruppe wirklich gerecht wird und wie ein schnell zusammengeschustertes Werk wirkt.
Begründung:
Der Titel: 'Aikido ' Grundlagen, Techniken, Konzeption' klingt verheißungsvoll.
Wir erwarteten ein Grundlagenbuch, dass sich stilübergreifend mit wesentlichen Fragen des Aikido beschäftigt, also ein Buch, das sowohl für Anfänger als Einführung als auch für uns, als langjährige Aikidoka und Aikidolehrer interessant ist.
Doch bereits beim ersten Durchblättern fällt auf, dass diese neue Publikation den anderen Büchern von Bodo Rödel ähnelt und wenig Neues bietet. Das bisher einzige brauchbare Buch von Bodo Rödel, was wir für einen Aikidoanfänger geeignet ansehen, ist seine erstes ' Richtig Aikido. Doch bereits in seinem zweiten Buch: 'Aikido' finden man lediglich Wiederholungen der alten Ideen. Hier im dritten Buch wird es noch schlimmer mit wiederum nur einigen Erweiterungen der alten Ideen und über 200 Seiten(!) endlos ermüdende, wenig hilfreiche, Aneinanderreihungen bebilderter Technikbeschreibungen.
Soll damit etwa ein Aikidoanfänger beeindruckt und ihm suggeriert werden, dass diese Techniken die wesentlichen Perlen der Schatztruhe des Aikido sind?
Soll diese Ansammlung als Technikanleitung und Nachschlagewerk dienen?
An welche Zielgruppe soll sich dieses Buch richten?
Dem Fortgeschrittenen Aikidoka reichen normalerweise die korrekten japanischen Begriffe, evtl. Bilder und ein oder zwei kurze Hinweise auf wesentliche Aspekte der jeweiligen Technik.
Für Anfänger sind umfangreiche Bewegungserklärungen eher abschreckend und keineswegs motivierend. Wem sollen Erklärungen wie 'Uke fegt durch seine Vorwärtsbewegung mit seinem hinteren Knie seinen vorderen Knöchel weg und landet auf seinem Unterarm' (S.62) nützen? Einem Anfänger? Einem Fortgeschrittenen?
Diese endlosen Bewegungsbeschreibungen mögen für angehende Prüflinge von Bodo Rödel von Interesse sein. Für alle anderen, wie auch für uns, ist dieser Teil ermüdend, überflüssig und langweilig. Das man Aikido nur im Dojo bei einem guten Lehrer mit unterschiedlichsten Partnern, in vielen, vielen Trainingsstunden und jahrelanger Praxis lernen kann, kommt hier viel zu kurz.
Als Aikidolehrer wünschen wir uns beispielsweise in einem Grundlagenbuch eine ausführliche Beschreibung und Erklärung der (stilübergreifenden) Prinzipien des Aikido. Und Prinzipien werden in und mit Techniken realisiert. Mit einer Kurzbeschreibung von drei Prinzipien, greift Bodo Rödel deutlich zu kurz. Und wenn er unter den drei von ihm genannten Prinzipien dann noch die Wahl der richtigen Technik als Prinzip begreift, stimmt da etwas nicht.
Hilfreicher wären Hinweise zu Techniken und Übungsformen gewesen, so dass die Prinzipien die in allen Aikidotechniken enthalten sind, besser verstanden werden können.
Unserem Verständnis nach ist es im Aikido von elementarer Bedeutung einen Angriff so aufzunehmen und zu bestimmten Punkten zu kommen an dem der Verteidiger sich im Vorteil zum Angreifer (und der sich in der ungünstigeren Position) befindet. Erst danach erfolgt dann die Auswahl einer Technik. Welche Technik dann gewählt wird, ist in der Regel nicht so wichtig.
Auch wer das Lernen auf drei Lernstufen und dem Hinweis auf angemessene Lernanforderungen (nicht zu schwer nicht zu leicht) reduziert macht es sich deutlich zu leicht. Unserer Meinung nach ist Lernen im Aikido eher wie das Knüpfen eines Netzes mit Knotenpunkten und Verbindungssträngen, das durch kluges und anschauliches Üben in einem intensiven und langen Lernprozess immer feinmaschiger wird. Das heißt auch, dass der Aikidoka nicht, wie in dem Buch beschrieben wird, als Fortgeschrittener nur noch die Hälfte der Bewegungen eines Anfängers macht, sondern diese verfeinert und optimiert.
Ein ganzes Kapitel der Abgrenzung des Aikido zu anderen Kampfkünsten zu widmen, halten wir für überflüssig. Viel sinnvoller wäre es, die Bandbreite der Stilrichtungen des Aikido darzustellen und selbige aus ihrer Entwicklung begreifbar zu machen, um so ein Verständnis für ihre Schwerpunktsetzungen zu wecken. Nur so kann es gelingen, die vielfältigen Dimensionen des Aikido dem interessierten Leser und Aikidoka (auch verschiedener Stilrichtungen) näher zu bringen. Denn wenn ich wissen will, was Judo ist, werde ich eher ein Buch über Judo lesen, als mich in einem Grundlagenbuch des Aikido darüber zu informieren.
Unserer Meinung nach ist Bodo Rödel ist weit davon entfernt, in diesem Buch allgemeingültige Grundlagen fürs Aikido in der Vielfalt der unterschiedlichen Stilrichtungen zu legen. Es gelingt ihm nicht sich von seiner Stilrichtung (Tissier-Aikido) zu lösen. Zweifellos macht Christian Tissier ein schönes Aikido. Aber er ist bei weitem nicht der einzige gute Aikidoka weltweit. Durch die einseitige Ausrichtung auf seine eigene Stilrichtung verengt Bodo Rödel den Aikidobegriff und bleibt blind gegenüber der Tatsache, dass das Aikido sich vielfältig und vielschichtig entwickelt hat.
In Deutschland ist eine große Bandbreite von Stilrichtungen des Aikido vertreten, die mehr sind als nur Splittergruppen. Was ist mit Ki-Aikido, Takemusu oder Tendoryu Aikido, um nur einige zu nennen. Alles das bleibt in diesem Buch unbeachtet. Gutes Aikido reicht von realistischer Selbstverteidigung bis hin zu mediativen langsamen Bewegungen. Alles dies hat seine Berechtigung und darf in einem Grundlagenbuch AIKIDO (auch wenn der Autor diese Stilrichtungen nicht übt) nicht unerwähnt bleiben. Deswegen auch ist die Wertung ' So gibt es... Aikdo-Systeme...der Aikikai-Mainstream (womit der Autor sich selbst und seine Stilrichtung meint) ist hier manchmal nur noch schwer wiederzuentdecken '(S.331) unangebracht.
Es ist richtig, dass es in Deutschland traurigerweise viel Aufsplitterungen gegeben hat und dass daraus viele kleine Verbände entstanden sind. Aber dabei den eigenen und recht jungen Kleinverband (mit nicht einmal 40 Mitgliederdojos), den AFD, als groß und wichtig darzustellen ist überheblich.
Der Begründer des Aikido, O-Sensei Morihei Ueshiba, hat im Laufe seines Lebens seine Techniken ständig variiert und verändert. So haben seine Schüler zu unterschiedlichen Zeiten bei ihm trainiert und dann verschiedene Stilrichtungen herausgebildet. Deswegen gibt es das 'einzige richtige' Aikido so gar nicht.
Ein Grundlagenbuch über Aikido aber muss verschiedene Stilrichtungen und Ideen des Aikido darstellen, sollte das Gemeinsame suchen und die Unterschiede erklären. Keineswegs aber darf der Begriff Aikido nur auf die technische Dimensionen einer einzigen Stilrichtung fixiert werden.