Nach dem wundervollen Debüt "In der Zwischenzeit" (2007) und dem um nichts nachstehenden Zweitwerk "Gegen den Sinn" (2009) folgt nun zunächst nicht das dritte Album (obwohl die Zeit reif wäre), sondern ein Puzzle-Album aus zwei ganz neuen Stücken, zwei Live-Songs bei TV Noir eingefangen und sieben Liedern (vier vom ersten, drei vom zweiten Album) die Wolfgang Müller für dieses Zwischenalbum neu eingespielt hat, allein mit Gitarre. Nach dem ersten Hören von "Ahoi" schlich sich ein Johnny Cash Zitat durch meine Gedanken: " Ein guter Song braucht kein Orchester, keine Band, kein ausgekniffeltes Arragement, einen guten Song erkennst du mit verstimmter Gitarre am Lagerfeuer gesungen..." Womit ich nicht andeuten will, Wolfgang Müller hätte seine Gitarre nicht gestimmt!
Die beiden neuen Lieder "Fast wie von selbst" und "Immer noch Fahrrad" sind wieder einmal musikalisch und poetisch ganz weit über dem allermeisten was in Tonstudios allgemein konserviert wird. Und die musikalisch auf nur eine akustische Gitarre reduzierten alten Bekannten von den ersten beiden Alben, servieren hier die Qualität des Songwritings auf dem Silbertablett. Die Lieder waren ja schon vorher nicht überarragiert, jetzt aber stehen sie vollkommen nackt da und es bleibt kein Zweifel an ihrer ursprünglichen Schönheit.
Braucht man das Album, wenn man die ersten beiden hat? Unbedigt! und keineswegs nur der beiden ganz neuen Lieder wegen. Ein gelungenes Zwischenalbum, nun aber weiter, zum 3,0ten Album mit ganz und gar neuem Liedgut.
Wolfgang Müller macht die ideale Musik für Menschen die begriffen haben, daß nur alles gut ist, wenn nicht alles gut ist.
Sehr guter Musiker und herausragender Poet!