Theon(Michael Lonsdale), Bürger von Alexandria und Vater der Philosophin und Mathematikerin Hypatia(Rache Weisz), kann seiner Tochter diesen frommen Wunsch zwar sagen...realisieren kann er ihn jedoch nicht. Zu aufgewühlt und gefährlich ist die Lage im Alexandria Ende des 4.Jahrhunderts nach Christi. Viele Bewohner Alexandrias sind Heiden, dazu kommen Juden und Christen. Vor allem das Christentum ist die aufstrebende Macht. Untereinander sind sich die verschiedenen Religionsanhänger feindlich gesonnen.
Auf die Frage ob sie an Gott glaube, sagt Hypatia: "Ich glaube an die Philosophie." Das sorgt für Ärger in der Stadt. Schließlich ist Hypatia eine enge Beraterin des Präfekten Orestes(Oscar Isaac), der die Stadt im Namen Roms führt. Orestes war früher Hypatias Schüler, ist selbst Christ und begehrt die schöne, intelligente Frau noch immer. Aber nicht nur er ist in Hypatia verliebt. Auch ihr früherer Sklave Davus(Max Minghella), der sich den Parabolani, einer militanten, christlichen Vereinigung anschließt, liebt Hypatia.
So kommt es, wie es kommen muss. Während Hypatia sich Gedanken über den Lauf der Gestirne macht, eskaliert die Lage in Alexandria. Die Christen übernehmen die Macht, die Heiden und Juden müssen um ihr Leben fürchten. Steinigungen und wahllose Morde sind an der Tagesordnung. In diesem Wirrwarr um Macht und Religion versuchen Orestes und Davus Hypatia zu schützen. Ein Vorhaben, das unmöglich erscheint...
Alejandro Amenabar muss klar gewesen sein: Das gibt Ärger! In seinem Film über das Leben der historischen Figur Hypatia von Alexandria hat er sich teils an die Geschichte gehalten, sich hier und da aber auch ein paar künstlerische Freiheiten genehmigt. Und...man mag es kaum glauben...auch über 1600 Jahre später sorgt das noch immer für Unmut und Kritik von Seiten religiöser Vereinigungen. Von den Ansichten, die Kritiker und Rezensenten zum Inhalt des Films abgeben, ganz zu schweigen. Dabei zeigt Amenabar doch genau das: Egal, wer was wie tut oder sagt, am Ende läuft es auf die eine Frage hinaus: Gehörst Du zu uns oder nicht? Getreu nach dem Motto "Und willst Du nicht mein Bruder sein..." folgt dann der zweite Akt des "Spektakels". Die Autenthizität von Amenabars Filmstoff ist fraglich. Allerdings kam es dem Regisseur darauf wohl auch nicht an. Er zeigt, dass am Ende, egal ob Heiden, Juden oder Christen, keine der Religionen in Alexandria ohne Blut an den eigenen Händen "davon kam". Hat sich seitdem Entscheidendes geändert? Die Beantwortung dieser Frage kann man getrost jedem Zuschauer Agoras selbst überlassen.
Auf jeden Fall durfte Amenabar in Kulissen und Kostümen schwelgen. -Agora- ist seit langem mal wieder ein Monumentalfilm, bei dem Heere von Statisten eingesetzt wurden, ohne all zu große Videotechnik einzubauen. Dafür hagelte es reichlich Filmpreise. Auch die Kameraarbeit wurde, meiner Ansicht nach zurecht, ausgezeichnet. Die Besetzungsliste ist erstklassig. Rachel Weisz brilliert als Hypatia. Max Minghella und Oscar Isaac stehen ihr in nichts nach.
Die meisten Kritiken erhielt -Agora- aus dem Grund, dass unser Christentum bei dieser Geschichte nicht besonders gut wegkommt. Wenn sie mich fragen...ja...das stimmt. Wer allerdings genau hinschaut und hinhört, der erkennt, dass Amenabar gleichermaßen keine Religionsgemeinschaft Alexandrias ungeschoren davonkommen lässt. Vor allem zeigt er, dass es keine Götter und Weltanschauungen, sondern Menschen sind, die Religionen für ihre Zwecke nutzen.
Wer sich einen "modernen" Monumentalfilm mit jeder Menge Inhalt und der Garantie zum Nachdenken anschauen möchte, dem kann ich -Agora- ausdrücklich empfehlen. Wer eher auf Unterhaltung, Action, Herzschmerz und Mainstream steht, der sollte den Film lieber nicht in den Player befördern. Entscheiden kann das natürlich nur einer: Nämlich Sie!