Agnes Kraus - DDR TV-Archiv
Viechereien, Oh diese Tante... , Alma schafft alle, Aber Doktor
Zu Zeiten der existierenden DDR gab es in diesem Land so gut wie niemanden bei dem die Schauspielerin Agnes Kraus (1911-1995) nicht bekannt war. Sowohl Groß wie auch Klein liebten sie geradezu ob ihrer unverwechselbaren Art ihres Spiels, welches von der höchst sensiblen bis hin zur liebenswert schnoddrig dargestellten Figur reichte. Agnes war egal in welcher Rolle stets höchst authentisch und rührig herzerwärmend ehrlich. Man kann beinahe glauben, der Name und Begriff des "Volksschauspielers" sei geradezu für "Unsere Agnes", wie sie oft und liebevoll in Unterhaltungen ihrer vielen Fans genannt wurde, sei speziell für sie entstanden. Sie war in den von ihr verkörperten Rollen stets glaubhaft und mit dem Herz auf der Zunge sprach sie den Menschen, ihren Zuschauern, oft direkt aus der Seele. Ihre größten Erfolge feierte sie im hohen Alter mit ihren zumeist komödiantisch angelegten Filmen im Fernsehen der DDR. Dabei war Agnes durchaus eine Schauspielerin, die viele Facetten der Schauspielkunst, eben auch die ernsten und leisen Töne, beherrschte. Zeugnisse hierüber legen auch ihre großen und ernsten Rollen und Arbeiten noch unter Bertolt Brecht oder als langjähriges Mitglied am Berliner Ensemble ab.
Egal ob nun auf der Theaterbühne oder in einem der im Laufe ihres langen Berufslebens entstandenen vielen Filme oder auch der Serien, sie spielte immer derart überzeugend, dass man vollkommen vergaß, dass sie doch eigentlich "nur" eine Rolle verkörperte. Schauspielerin und Rolle wurden eine Einheit, zogen in ihren Bann und manifestierten sich im Gedächtnis zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Mit der mir nun hier vorliegenden wunderschönen Box, bringt das Label "Icestorm" zusammen mit der "Telepool" gleich vier der wohl kultigsten und beliebtesten, aus dem Fernsehen der DDR bekannten Komödien, mit Agnes Kraus in der Hauptrolle, zur Veröffentlichung. Von den ersten drei DVDs macht sich Agnes auf, um als quenglige und resolute verwitwete Tierarztgattin "Alma" ihr gesamtes Umfeld gewaltig in Schach zu halten.
Den Anfang in dieser Trilogie, wobei aber auch jeder Film einzeln gesehen werden kann, macht die 1977 erstmals im Fernsehen zu erlebende und unter der Regie von Otto Holub entstandene Komödie "Viechereien". In ihr nimmt sich "Alma" nebst ihrem Liebling, der französischen Bulldogge "Dachsie", des Lebens ihres Neffen "Heinz" (Wolfgang Penz 1950-1979) an. Rigoros besteht sie darauf unbedingt ihren Neffen hin nach Großglückow, wo dieser seine erste Stelle als Assistenztierarzt antritt, zu begleiten. Dort angekommen entschließt sich Alma, aus dem eigentlich zunächst nur geplanten Wochenende, dann doch einen längeren Aufenthalt in Großglückow werden zu lassen. Nun hat "Tantchen" noch mehr die Möglichkeit sich in des Neffens sowohl berufliche Tätigkeit wie auch private Liebesangelegenheiten einzumischen. So ganz nebenbei ist ihr natürlich auch nicht das Interesse von "Dr. Otto Kröpelin" (Fred Mahr 1907-1980) an ihr, bei dem sie samt Neffen Quartier bezogen hat, entgangen. Beinahe tut einem "Dr. Kröpelin" ja schon so etwas wie leid. Aber auch nur beinahe, bietet diese Situation doch jede Menge Vorlagen für herrlich komische Augenblicke und herzhafte Lacher beim Ansehen diesen Films.
In dem von der zweiten DVD zu erlebenden, unter der Regie von Konrad Petzold (1930-1999) im Jahre 1978 erstmals im Fernsehen zu erlebenden Film "Oh, diese Tante", wird die Geschichte rund um "Alma" und die ihres Neffen und von Dr. Kröpelin weiter erzählt. Nachdem Dr. Kröpelin sich getraut hat und Alma einen Heiratsantrag gemacht hat, fängt die an ihn umerziehen zu wollen. Dabei ist der Tiere über alles liebenden Alma besonders eine Leidenschaft des Doktors, das Jagen, ein gewaltiger Dorn im Auge und sie beschließt ihm dieses Vergnügen zu vermiesen. Beinahe unnötig an dieser Stelle zu erwähnen, dass einem dies, wie im übrigen noch jede Menge andere Momente in diesem Film, beim Ansehen selbigen schon des öfteren die Tränen vor lauter Lachen in die Augen treiben kann.
Im Jahre 1980 erlebte dann, aufgrund der großen Erfolge der beiden vorher gefertigten Filme, mit " Alma schafft alle" der dritte Film der Reihe seine Erstausstrahlung im damaligen Fernsehen der DDR. In dieser abermals unter der Regie von Konrad Petzold entstandenen Filmkomödie treibt es Alma, stets besorgt um das Liebesglück ihrer Mitmenschen bis hin an die Ostsee. Dort knöpft sie sich zunächst einmal "Hannes Felix" (Gojko Mitic), Kellner im dortigen Nobelrestaurant, vor, der sein Herz wohl nicht nur einer Frau allein schenkte. Welche weittragende Rolle in diesem Film dann auch noch eine "Boa constrictor" spielt, nebst vielen anderen mehr, sorgt auch in diesem dritten Film für kurzweilige und höchst vergnügliche Unterhaltung.
Der von der vierten DVD bei dieser Veröffentlichung kommende Film zählt nun zwar nicht mehr mit zur Reihe der erzählten Geschichten rund um die verwitwete Tierarztfrau Alma, steht diesen aber in rein gar nichts nach. Dieses mal erlebt man Agnes Kraus in der ihr abermals wie auf den Leib geschriebenen Rolle als Zahnarzthelferin und rechte Hand von Zahnarzt "Dr. Flanke" (Vlastimil Brodský 1920-1995). Schwester "Agnes" muss sich hier ganz besonders in ihrer bekannt resoluten und bisweilen auch recht herzlich ruppigen Art um den Doktor kümmern. Dieser hat als medizinischer Betreuer der hiesigen Eishockeymannschaft nicht nur ein zu weiches Herz, was nur allzu oft ausgenutzt wird, sondern ist zudem auch noch ein regelrechter Schussel und Tollpatsch. Aber Agnes wäre nicht Agnes, wenn sie sich dieser Sachen nicht umgehend annehmen würde, auch auf die Gefahr hin damit nur noch mehr Unheil in Gang zu setzen. Für Agnes Kraus wieder einmal eine wahre Paraderolle in der sie mit ihrem unnachahmlichen Spiel glänzen kann. Für den Zuschauer freilich abermals bestens gemachte und vor allem kurzweilig in Szene gesetzte humorige Unterhaltung.
Mit und in den hier zu erlebenden Filmen gibt es neben der einfach nur traumhaft aufspielenden Agnes Kraus, auch ein Wiedersehen mit zahlreichen der großen und unvergessenen Stars von Film und Fernsehen aus Zeiten der damals existierenden DDR sowie einiger Darsteller aus der damaligen CSSR. Namen wie die von Herbert Köfer, Henry Hübchen, Heinz Rennhack, Günter Schubert (1938-2008) oder auch Fred Delmare (1922-2009) und Anne Wollner (1939-2007), sind an dieser Stelle nur einige der vielen in diesen Filmen zu erlebenden.
Die zur Ansicht kommenden DVD-Menüs zeigen sich mit einigen animierten Szenen des jeweiligen Films und im Hintergrund zu hörender Musik allesamt ähnlich und im Stil bereits zuvor veröffentlichter Boxen innerhalb der Reihe des "DDR TV-Archiv" gestaltet. Neben der Möglichkeit die Filmwiedergabe unmittelbar nach einlegen der DVD in den Player zu starten, kann noch ein sich in einem separaten Fenster öffnendes und in Textform dargestelltes Kapitelmenü aufgerufen werden. Ebenfalls in Textform zeigt sich ein mit der Bezeichnung "Mitwirkende" gekennzeichneter Menüpunkt welcher das an der jeweiligen Produktion beteiligte Team von Cast und Crew aufzeigt.
Als Extra kommen von der vierten DVD neben einiger Trailer noch ein speziell für diese Veröffentlichung gefertigter und ca. zweiundzwanzig Minuten laufender filmischer Beitrag mit einem Bericht über den "Besuch im Deutschen Rundfunkarchiv Babelsberg" zur Ansicht.
Ich mag diese Filme und hatte sie zuvor bereits unzählige Male im Fernsehen erlebt. Jedoch in einer so gelungenen und mit der dem Produktsionsalter durchaus angemessenen und guten Bildqualität, wie von den vier DVDs der hier vorliegenden Veröffentlichung, kannte ich diese Filme noch nicht. Natürlich ist nicht alles zu einhundert Prozent perfekt und es gibt auch gewisse kleinere Unterschiede zwischen und auch in den Filmen. Jedoch im Gesamteindruck kann das hier mit einer Gesamtlaufzeit von ca. 347 Minuten und bei allen vier Filmen im Format 4:3 zur Ansicht kommende Bild wirklich angenehm und äußerst positiv überraschen.
Tonbewertung:
Wie zu erwarten kommt von allen vier DVDs dieser Veröffentlichung ein deutschsprachiger Ton im Format Dolby Digital 2.0 zu Gehör. In seinen Dialogen zumeist gut verständlich, fielen mir keine nennenswerten Unregelmäßigkeiten oder auffällige größere Mängel während der Wiedergabe der DVDs auf. Die stimmungsvolle und Gute Laune verbreitende Musik bei allen vier Filmen geht ins Ohr und fügt sich perfekt ein. Während bei "Viechereien" hierfür Rudi Werion verantwortlich zeichnet, war es bei den beiden nächsten Filmen Karl-Ernst Sasse. Im vierten Film war es Karel Svoboda, der hier für die Musik verantwortlich war. Bei "Aber Doktor" singt den Titelsong im übrigen "Die goldene Stimme aus Prag", der in Ost wie West damals wie auch noch heute sehr bekannte tschechische Sänger Karel Gott.
Gesamteindruck:
Mit der Box bringt das Label "Icestorm" zusammen mit der "Telepool" hier vier der wohl bekanntesten und beliebtesten Filme mit der unvergessenen Agnes Kraus anlässlich deren auf dem Kalender anstehenden einhundertsten Geburtstages zur Veröffentlichung.
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