Agnes Bernauer - ihre Geschichte ist ja hinlänglich bekannt. Dennoch, Böckl versteht es hervorragend die geschichtlich dokumentierten Ereignisse (mit Quellenangaben, sehr schön!) mit einer gefühlvollen, aber nicht kitschigen Geschichte zu verbinden. Ja, sagt sich der Leser, so könnte es gewesen sein, als die blutjunge, verführerisch schöne Agnes sich Hals über Kopf in den jungen Albrecht von Bayern-München verliebt. Unüberwindliche Standesdünkel machen es dem Liebespaar allerdings schwer, eine "normale" Beziehung zu führen. Besonders erwähnenswert ist die Sprache, die der Autor gewählt hat. Er erzählt in der unglaublich interessanten, zwar antiquierten, aber sehr klaren Ausdrucksform dieser Zeit, was für den Leser jedoch nie anstrengend oder ermüdend wird, sondern - ganz im Gegenteil - ihn lebendig miteinbezieht. Manchmal hat man dabei das Gefühl, einen Sprecher im Hintergrund zu hören. Wer wahren geschichtlichen Hintergrund, verknüpft mit dichterischer Freiheit, mag, ist mit diesem Buch bestens beraten.